Wo die Menschlichkeit zählt

Hofgeschichten, 08.09.2021

Elmar Huter gilt als Pionier im Tiroler Landesverband von Urlaub am Bauernhof. Seit Anbeginn dabei, setzt er bei der Vermietung auf Authentizität, Menschlichkeit und das gemeinsame Erlebnis. Gekünstelte Animation wird der Gast hier keine finden, das waschechte Leben am Land hingegen mit Sicherheit.

 

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Elmar Huter der Seniorchef | © Daniel Gollner / Urlaub am Bauernhof

Dreizehn Jahre war Elmar Huter jung, als sein Vater ihn in die Hauptverantwortung des Betriebes – dem Sennhof Huter – integrierte. Im Tiroler Pitztal gelegen, bietet der Hof für Gäste eine Zeit zur Rast und Sommerfrische. Damals wie heute. Auch wenn sich in den vergangenen dreißig Jahren so einiges geändert hat. „Meine Eltern begannen nach dem Krieg in den 50er Jahren mit der Vermietung. Ich kam 1954 auf die Welt und bin in diese Situation hineingewachsen.“ Die Begeisterung für den Tourismus entstand schnell: „Früher suchten die Menschen vorwiegend eine Unterkunft, wo es ein kräftigendes, gutes Bauernmahl gab, einen Liegestuhl zum Ausrasten und einen wohlgesinnten Wettergott für warme Sommertage, Ruhe und Erholung standen stark im Vordergrund.“ Für ihn als jungen Bub war es das größte, wenn ihn die Gäste mit dem Auto als „heimisches Navi“ zu diversen Ausflügen mitnahmen, denn ein eigenes Auto hatte die Familie nicht.

Als Gast dazugehören

Dass er diesen Betriebszweig einst weiterführen wird, war rasch geklärt. Mit viel Geschick baute er die Zimmer aus, statt einfache Keramikschüsseln zum Waschen kam das erste Fließwasser in die Räume, Jahre später erfolgte der Ausbau zu Ferienwohnungen. Bewusst hat Elmar bei der Kategorisierung auf die vierte Blume verzichtet: „Wir sind mit drei Blumen sehr zufrieden, wichtiger ist uns ein ehrliches, authentisches Auftreten, als der Wettbewerb um die beste Luxusausstattung. Die menschliche Betreuung und Nähe zum Gast steht klar im Fokus.“ Von Hochzeiten bis Hundebeerdigungen gab es in den letzten dreißig Jahren so ziemlich alles, was man als Vermieter erleben kann. „Wir sind sehr stolz auf unser Niveau. Als ich an einem Sommertag auf der Wiese mit dem Traktor das Heu einfuhr, waren alle Gäste mit helfenden Händen dabei, darunter Professoren, Doktoren, Manager. Das Gefühl der Bodenständigkeit und Echtheit ist bei uns jeden Tag erlebbar. Es sind die kleinen Erlebnisse, aus denen sich letztlich Stammgäste entwickeln.“ Eine davon – eine Staatsanwältin – half ihm einst beim Bau einer Steinmauer. „Zwei Tage lang trug sie Steine zusammen, ohne Handschuhe wohlgemerkt. Andere wiederum schließen sich beim Almauftrieb an. Es sind diese Momente, die die Seele des Gastes tief bewegen.“ Das Gegenteil von Animation, vielmehr das zulassen von Spontanität, dem gemeinsamen Miteinander – all das gehört zu seiner Philosophie dazu.

Der Faktor Zeit

Für ihn ist klar, wer mehrmals im Jahr für ein verlängertes Wochenende wegfährt, kauft sich nur Stress statt Erholung. „Es braucht schon eine gute Woche, um runterzukommen. Früher legte man darauf das Augenmerk, heute will der Gast den Bauernhof als Ganzes erleben können.“ Am Sennhof Huter ist das möglich, gerne darf man der Familie bei der Arbeit mit den Milchkühen, Kälbern, Pferden, Hühnern und Schweinen über die Schulter schauen, eine Erlebnisalm mit Badesee, Grillplatz und frischem Quellwasser sorgt für zusätzliche Abwechslung. Er selbst ist ein großer Verfechter von klein-strukturieren Höfen. „Viele junge Landwirte werden zu Großinvestitionen nahezu gedrängt und fesseln sich damit an einen 16-Stunden-Arbeitstag. Das kann nicht die Zukunft der Landwirtschaft sein. Wir brauchen kleinbäuerliche Betriebe im Berggebiet, die dementsprechend unterstützt werden. Für mehr Lebensqualität.“ Denn solch engagierte Menschen wie Elmar sind es, die die Kulturlandschaft intakt halten, für Regionalität mit Herz und Verstand einstehen und diese Botschaft jedem Reisenden ehrlich und leidenschaftlich näher bringen. Für ein gemeinsames Ziel: Einer gesunden Mutter Erde.

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