Merkliste [0] sprachwahl
bisher keine Einträge
Sommer
 / 
Oberösterreich
ajax-loader

Bitte warten
Infos

Der Erdapfel – die tolle Knolle


Hofkirchen, ein besonnenes Örtchen im Oberen Mühlviertel - hier sind Elfriede und Johann Mayrhofer zu Hause oder „dahoam“, wie der echte Mühlviertler sagen würde. Mit viel Fleiß und Herzblut haben sich die beiden ihren Traum erfüllt und drei hochwertige Ferienwohnungen auf ihrem Bauernhof Mayrhofer errichtet. Aufgrund der Einzellage und der biologischen Bewirtschaftungs-weise lässt sich der Bauernhof und seine Umgebung auch mit den Worten hügelige Naturlandschaft, Oase der Ruhe sowie Genussstätte beschreiben. 

Die Gastgeber Elfi und Hans üben sich auch gerne als landwirtschaftliche Wissensvermittler und sind um keine Antwort verlegen. Besonders sprudelt es aus ihnen heraus, wenn es um die regionstypische Knolle, die KARTOFFEL geht.

Apropos Kartoffel: im Mühlviertel sagt kein Mensch Kartoffel dazu, sondern das Nachtschattengewächs wird im Dialekt liebevoll „Erdöpfö“ (Erdapfel) genannt. 

Welche Anbau-Vorlieben der Erdapfel besitzt und welche Sorten am Hof von Familie Mayrhofer gepflanzt werden, erfahren Sie im nachfolgenden Beitrag. Begleiten Sie uns auf eine Reise in die Welt der Knollenfrucht und erhalten Sie Tipps und Tricks zum Anbau,
zur Kultivierung, zur Ernte und zur Verarbeitung der Kartoffel.

 

Anleitung als PDF-Datei zum Herunterladen

Teil 1: Saatgut, Bodenvorbereitung, Anbau und Pflege


Sorten / Saatgut

„Violetta“ oder „Laura“, sind klingende Frauennamen, die in diesem Fall aber mit Damen eher weniger zu tun haben. Es sind nämlich Erdäpfelsorten, die Bäuerin Elfi und Bauer Hans auf ihrem Ackerland pflanzen und die sich durch bestimmte Kocheigenschaften auszeichnen.

Die Hauptsorte ist die „Agria“, die vorwiegend eine mehlige Konsistenz aufweist, sich durch sehr guten Geschmack definiert und für alle Gerichte gut zu verwenden ist. Eine hervorragende, speckige Kartoffel ist die „Linzer Delikatess“. Am einfachsten erkennt man die Kartoffelsorte  „Violetta“, die mit ihrer durchgehend blauen Farbe besonders fasziniert. Im Gegensatz zur Erdäpfelsorte „Laura“, bei der die Schale rot ist und das Fruchtfleisch durch eine tief gelbe Farbe gekennzeichnet ist. Die „Mayan“ Type ist eine gelb-rotschalige Kartoffel mit zartem Schmelz.

Seit Jahren verwenden Elfi und Hans ihr eigenes Saatgut, weil sie stolz auf ihre Ernte sind und eine biologische, ökologische Ideologie verfolgen. Mitunter achten die beiden auch auf eine ausgewogene Fruchtfolge. Bäuerin Elfi erklärt uns warum: Es ist nicht ratsam die Kartoffeln immer am selben Feld zu pflanzen, da dadurch die Gefahr von Krankheiten und Schädlingen vermehrt auftritt. Dem Kartoffelacker sollte eine Anbau-Pause von mindestens vier Jahren gegeben werden. Familie Mayrhofer forciert einen Abstand von fünf bis sechs Jahren, bis sie den gleichen Platz wieder mit Erdäpfeln bestellen. Auch für den Boden ist ein monetärer Anbau nicht empfehlenswert, da die Knolle stark zehrend ist und dem Ackerland viel Stickstoff entzogen wird. Die Rotation der Felder ist beim eigenen gezogenen Saatgut umso wichtiger. 

Optimales Setzgut verwenden
Bevor die Setzerdäpfel in den Boden kommen, sollten aus den „Augen“ Keime treiben. Als sogenannten „Augen“ werden die kleinen Vertiefungen in der Kartoffelschale bezeichnet, aus denen später Triebe sprießen. 

 

Bodenvorbereitung - Ansprüche an den Standort


„Damit der Stickstoff wieder in den Boden hineinkommt, düngen wir zuvor unser Feld mit Pferdemist“, erklärt uns Bauer Hans. Schwungvoll steigt er in seinen Traktor mit angebrachtem Miststreuer ein und beginnt mit der Verteilung des organischen Düngers.
Weitere Arbeitsschritte sind das Pflügen und Eggen, um ein lockeres, schollenfreies Bodengefüge zu erhalten.

Tipp von Bauer Hans: Vorangegangene Ernterückstände sollen gut in den Boden eingearbeitet werden. Auch im Gemüsegarten ist es ratsam alte Bestände gut unterzumischen.

Damit die Kartoffel in der Erde zu keimen anfängt, benötigt sie eine Mindestkeimtemperatur von 8 bis 10 Grad. Um anschließend wachsen zu können, mag es die Knollenfrucht etwas wärmer. Bei 15 bis 20 Grad schiebt sie so richtig an, schildert uns Bäuerin Elfi. Eins sollte man immer im Hinterkopf behalten, die Kartoffel ist sehr frostempfindlich. Familie Mayrhofer hält sich daher auch an folgenden Spruch „Setzt mi im Mai, dann kim i glei“. Was bedeutet, dass ein späterer Anbau der Kartoffel ein schnelleres Wachstum der Pflanze zur Folge hat. Aber natürlich kann man auch schon Ende April mit der Feldbestellung beginnen, je nach Lage, Bodenbeschaffenheit und Klimafaktoren. 

Anbau und Hilfsmittel – "Erdäpfelsetzmaschine"


Und dann ist es soweit – nach all den Vorbereitungsarbeiten am Boden geht es in die praktische Umsetzung. Heute ist genau der richtige Tag zum „Erdäpfelsetzen“, sagt Bäuerin Elfi. „Die Sonne lacht, die Erde ist trocken und warm – es sind einfach perfekte Anbaubedingungen." Als Hilfsmittel haben Elfi und Hans einen älteren Steyrer Traktor mit angehängter Erdäpfelsetzmaschine inklusive Sitzgelegenheit, um ihr Ackerland möglichst zeiteffizient zu bearbeiten. Los geht’s! Elfi nimmt ihren Platz ein.

Auf dem lockeren Acker wird durch eine Pflugschar eine Furche gezogen und darin alle 25 - 40 cm eine Knolle abgelegt. Anschließend wird über der Kartoffel ein Damm geformt. Die Reihenweite beträgt vorzugsweise zwischen 70 bis 75 cm.

Der Pflanzabstand und die Pflanztiefe sind bei der Setzmaschine einstellbar und ermöglichen eine gleichmäßige Verteilung. Bei Familie Mayrhofer ist die Erdäpfelsetzmaschine ein halbautomatisches Gerät. Die Erdäpfel müssen hier mit der Hand in ein geschwindigkeitsabhängiges Zellenrad gelegt werden, bevor sie in eine Tiefe von ca. 4 - 5 cm kommen. Fertig sind die schönen Kartoffeldämme.

 

Pflegemaßnahmen und Kultivierung der Erdäpfel


Sobald die ersten Triebe zu erkennen sind, wird die Erde mit einem Hackstriegel abgestreift, damit alle Pflanzen genügend Licht erhalten. Das ist gleichzeitig auch die erste Unkrautregulierung und auch eine Maßnahme, um erneut die Erdäpfeldämme (im Dialekt „Roadln“) erneut „anzuackern“ und einen neuen Damm nach dem Aufgang zu bilden – all das geschieht vor der Blüte. 

Schädlinge


Der natürliche Feind der Kartoffelpflanze ist der Kartoffelkäfer, erzählt uns Bäuerin Elfi schmunzelnd. Als biologisches Bekämpfungsmittel bewährt sich einerseits das händische Absammeln der gelb-braun gestreiften Tierchen oder die Verwendung von Steinmehl, das im Biologischen Landbau herangezogen werden darf. Erwischt man den Befall noch in einem frühen Stadium, kann der Plage mit etwas Glück ein Ende gesetzt werden. Als schöner Nebeneffekt ergibt sich auch eine höhere Widerstandskraft der Kartoffelpflanze. 

Freude, Liebe und Sorgfalt


Als Biobetrieb ist es Familie Mayrhofer einfach ein Anliegen auf chemische Insektizide zu verzichten. Der Anbau der eigenen Lebensmittel ist für Elfi und Hans etwas ganz Besonderes. Die Liebe und Sorgfalt, die damit verbunden ist, macht das fertige Produkt zu einem sehr kostbaren. Nicht zu vergessen sei die Freude an der Arbeit, die Vorfreude an der Ernte und das tägliche Beobachten der Pflanzen und der Natur.

Dann heißt es ca. 150 Tage abwarten, bis die Erdäpfel geerntet werden können.