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Winter
Oberösterreich
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Mythen und heilende Wirkung des Holler-Strauchs

Die Ernte und Verarbeitung der Hollerdolden ist bereits passé und der herrliche Duft schwirrt Bäuerin Maria noch in der Nase herum. Fleißig hat sie die Blüten getrocknet und eine bekömmliche Teemischung daraus gezaubert. Jetzt heißt es wieder etwas Geduld an den Tag legen und die Natur im Auge behalten, bis die schwarzen Beeren des Holunderstrauches Anfang September reif sind.

 

Zwischendurch kommen wir mit Oma Klinser ins Gespräch, die uns so einiges über den mystischen Holunderbusch erzählen kann.

Dort, wo die guten Geister wohnen

Dass der Holunderbusch einen sehr intensiven Geruch hat, wissen die meisten, aber welche Mythen sich um das Gewächs ranken, ist nur wenigen bekannt. Oma Klinser legt großen Wert auf den altüberlieferten Spruch „Vor der Hollerstaud´n ziag i mein Huat und noag mi bis zur Mitt“. Was so viel bedeutet wie, vor dem Holunderbusch ziehe ich meinen Hut und verneige mich vor ihm. Die Schätze des Hollers (Blüten, Blätter und Beeren) sollte man achten und den Strauch niemals leichtfertig umschneiden.

Der Holler ist seit jeher ein glücksbringendes Gewächs, das die Nähe des Menschen sucht und sich auch in der Nähe von Höfen oder am Wald- oder Wiesenrand befindet.

Oma Klinser vom Rotbuchnerhof erzählt uns auch, dass der Holler wohlgesinnte Hausgeister beherbergt und dadurch sehr beliebt in vielen Gärten ist. „Der Strauch beschützt Tiere, Haus und Hof und auch die Menschen, die darin wohnen“, meint sie. Auch dunkle Mächte, Feuer, Blitzschlag, schwarze Magie soll er laut Überlieferung abwehren und Wohlstand und reiche Ernte bringen. Aus dem Hollerbusch-Holz wurden früher die Riegel für Stalltüren geschnitzt und die jungen Frauen nutzten die Pflanze auch ab und an als Liebesorakel. 

Aber nicht nur mystische Erzählungen gibt es über den Holler. Wie wir bereits beim letzten Mal erfahren haben, zeichnet sich der Holunder durch viele gesundheitliche Wirkungen aus. Bäuerin Maria und ihre Schwiegermutter plaudern weiter aus dem Nähkästchen.
 

Heilende Wirkung der Blätter

Bäuerin Maria verrät uns, dass sie die Hollerblätter zur Wundheilung nutzt. Sie legt einfach die Glanzseite des Blattes auf offene Stellen oder Wehwehchen und wechselt den Verband ein bis zweimal täglich. Die Wunde kann zwar etwas nässen, was jedoch ein gutes Zeichen für den beginnenden Selbstheilungsprozess ist.

Hüfts net - so schods net

  • Wussten Sie, dass man Hollerblätter in Wühlmaushügel stecken kann – der intensive Geruch soll anscheinend sehr unangenehm auf die Tierchen wirken.

  • Schluss mit Insekten bei der Grillparty – stellen Sie doch einfach eine Vase mit Holunderblättern auf den Tisch – dann sind Sie die lästigen Viecher garantiert los!

  • Und sollte es doch zu einem Insektenstich kommen, einfach ein Stückchen Holler-Rinde nehmen, dezent damit einreiben und somit den Juckreiz lindern.

Die Zeit der Hollerbeeren ist da!

Langsam, aber sicher werden die Hollerbeeren nach und nach reif. Genauso wie die Blüten, erhalten die Beeren in unterschiedlichen Zeitabständen ihre dunkle Farbe.
Ernten kann man daher von Ende August bis Anfang Oktober, je nach Region und Witterung. Ab dem Zeitpunkt, wo sich die Früchte ins Schwarze umfärben, beginnt der Wettlauf mit den Vögeln. „Wer schneller ist erhält eben die meiste Ausbeute“, erzählt uns Maria mit einem schmunzelnden Blick.

 

Die Ernte


Es ist ratsam die Dolden mit den reifen, dunklen Beeren sorgfältig vom Hollerbusch zu brechen, um diese anschließend fein säuberlich von den Stängeln zupfen zu können. Das sogenannte „Holler-Bedln“ ist schon eine zeitaufwändige Feinarbeit, die bei Familie Klinser von Bäuerin Maria, Oma und den Kindern ausgeführt wird. Neben dieser mühevollen Tätigkeit lassen sich aber sehr fantasievolle Geschichten erzählen oder herzhafte Lieder singen. 

Haben es die Beeren in die Schüssel geschafft, warten sie darauf weiterverarbeitet zu werden. Ob daraus süße Marmelade entsteht, erfrischender Saft gewonnen wird oder zu einem wohltuenden Likör veredelt wird, ist jedem Koch und jeder Köchin selbst überlassen.  

Kindheitserinnerungen


Bäuerin Maria schwelgt gerne mit uns in ihren Kindheitserinnerungen. „Meine Mutter ist oft mit uns in den Wald gegangen – wir haben dort verschiedenen Beeren gesammelt, um anschließend köstliche Säfte und Marmeladen herstellen zu können. Einfach waren die damaligen Lebensverhältnisse und kreativ waren die Hausfrauen mit ihren Kochkünsten.

Rezept als PDF downloaden

Eine Marmelade, die Maria seit jeher kocht, ist die Apfel-Holler-Marmelade.
Das Rezept teilt sie gerne mit uns:

  • 700g verlesene Hollerbeeren
  • 300g klein geschnittener Bio-Äpfel
  • 500g Biorübenzucker
  • 5g Bio-Zitronensäure
  • 10g Bio-Apfelpectin

Zubereitung: 700g verlesene Hollerbeeren mit 300g klein geschnittenen Bio-Äpfeln und 200g Biorübenzucker aufkochen, bis die Früchte weich sind. Dann entweder durch die  „flotte Lotte“ passieren, oder mit dem Pürierstab mixen. Anschließend weitere 300 g Biorübenzucker – vermischt  mit 10g Bio-Apfelpectin und 5g Biozitronensäure – unter die Masse rühren und nocheinmal aufkochen, heiß in Gläser füllen und sofort verschließen; langsam auskühlen lassen.

Für die konventionelle Zubereitung kann man natürlich auch Gelierzucker nach Beschreibung verwenden.

Gutes Gelingen!


Tipp von Bäuerin Maria:
 Hmmmm, genießen Sie die Marmelade im Winter und schwelgen Sie in Ihren Kindheitserinnerungen ...


"Hollerkoch" - Leibspeise für Kinder
Die Kinder lieben „Hollerkoch mit Knödeln“ – dazu gibt man die Hollerbeeren in einen Topf, bedeckt sie gut mit Wasser und kocht diese ca. 30 Minuten lang. Dann gibt man klein geschnittene Äpfel und Zwetschken, je nach Geschmack, dazu und lässt die Mischung weiterkochen. Zum Schluss würzt man mit Zimt und Zucker und dickt mit Schlagobers ein. Dazu kann man köstliche Semmelknödel servieren oder auch das Hollerkoch in Schraubgläser abfüllen.

Hollerbeeren-Saft
Maria verrät uns, dass man den Hollersaft am schonensten gewinnt, wenn die Hollerbeeren in einem Dampfentsafter entsaftet werden. So eine Hollerlimonade mit Soda schmeckt erfrischend, aromatisch, säurearm und kaum süß. Der unverdünnte Saft lässt sich auch gut mit Apfelsaft oder anderen Fruchtsäften mischen.

Tipp: Den gewonnenen Saft in kleine Fläschchen füllen, etikettieren und als Dankeschön an die Liebsten verschenken.

 

Eine gesunde Frucht, diese Hollerbeere


Die Hollerbeeren sind ein wichtiger Eisen- und Vitamin C-Lieferant. Der Saft stärkt nicht nur das Immunsystem, sondern ist zugleich ein hervorragendes Anti-Aging Mittel. 
Maria empfiehlt daher täglich morgens ein kleines Gläschen zu genießen, dann fühlt man sich „pumperlgsund“. 

ACHTUNG: Maria macht uns aber auch aufmerksam, dass die Beeren nicht roh verzehrt werden sollten, da diese leichte Giftstoffe enthalten und zu Unwohlsein führen können. 
Erst beim Abkochen lösen sich die Toxine auf.

Oma Klinsers Gesundheitselixier


Von den Hollerbeeren lässt sich auch ein guter Likör ansetzen. Oma Klinser sagt oft lachend: „Jeden Tag ein Stamperl oder auch zwei – da werd ich nicht krank!“ 
Aber das Rezept dieses „Trunks“ bleibt Oma Klinsers Geheimnis….

Eines ist gewiss: 
Der Hollerstrauch ist im Hausgarten von Familie Klinser nicht mehr wegzudenken und eine wertvolle, mystische und schmackhafte Pflanze!

Wer mehr über die Verwendung von Hollerblüten inklusive toller Rezepte erfahren möchte, findet in Teil 1 Informationen dazu!

  Teil 1: Der Holler in voller Blüte >>

Fotos:
© stonefy – fotolia.com
© scharfsinn86 – fotolia.com