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Winter
Tirol
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Bräuche und Traditionen


„Von der Fastnacht bis zum Osterbrauch: Ausgelassenheit und feierliche Innigkeit in harmonischem Nebeneinander“:
(Auszug aus kultur.tirol.at)

Ostergrab in Patsch
Tiefe Trauer, große Freude: Die österliche Volksfrömmigkeit hat in den Heiligen Gräbern ihren schönsten Ausdruck gefunden. Das Grab in Patsch ist eins davon.
Christus nahe zu sein, seiner Passion nahe zu sein, war seit jeher das wichtigste Motiv, um zu den Orten des Geschehens rund um Jerusalem zu pilgern. Golgatha, die "Schädelstätte", wo das Kreuz stand, und die Grabkammer, wo Christi Leichnam für die kolportierten vierzig Stunden ruhte, bildeten dabei die Zentren der Verehrung. Im Laufe der Zeit wurde das Grab architektonisch gefasst und mit einer Kirche überbaut: Vorbild für die im Laufe des Mittelalters und noch viel stärker im späteren Barock, auch in unseren heimischen Gefilden entstehenden prächtigen "Kulissengräbern". Tatsächlich befriedigten diese Gräber zunächst einmal die fromme Schaulust. Die meterhohen, bunt gemalten Staffagen; die vor allem abends zur Geltung kommenden brennenden Kerzen in den bunt leuchtenden gläsernen Grabkugeln; die Szenen aus dem Alten und aus dem Neuen Testament - all dies machte den österlichen Kirchenbesuch zu einem sinnlichen Erlebnis, der weit über die einfache Liturgie hinausging.
Öffnungszeiten: Das Heilige Grab in der Pfarrkirche Patsch ist aufgestellt von Montag nach Palmsonntag bis Donnerstag nach Ostern

Palmlattenweihe in Imst
Je länger, je lieber! Dieses Motto wird alljährlich am Palmsonntag in der Oberinntaler Gemeinde spannend-eindrucksvoll zelebriert.
"Am Tage drauf hörte die Volksmenge, Jesus komme nach Jerusalem. Da nahmen sie Palmzweige und zogen hinaus, um ihn zu empfangen." So nachzulesen bei Johannes 12, 12-13, und so weit auch der religiöse Hintergrund für einen Brauch, der seit Jahrhunderten ausgeübt wird: das kunstvolle Binden von "Palmzweigen" zu Buschen oder Latten. Natürlich waren und sind es in unseren Breiten weniger Palm- oder Ölzweige, als vielmehr geschmückte Weidenruten, die dafür verwendet werden. Der Sinn aber ist der gleiche. Und so sieht man also am Palmsonntag landauf-, landab die prächtigsten "Gestecke", mit welchen man freudig wedelnd die Ankunft der Herrn szenisch nachempfindet. Wann sich das brauchtümliche Lager in Palmbuschen- und Palmlattenträger aufgespalten hat, ist historisch nicht mehr zu eruieren. Die Imster jedenfalls schlugen sich auf die Seite der zweiteren.
Ein schöner alter Brauch und wer ihn noch nicht kennt, sollte am Palmsonntag unbedingt nach Imst pilgern (Hl. Messe um 8.00 Uhr in der Pfarrkirche) - der dortige "Einzug nach Jerusalem" ist auch etwas für ganz profane Geister!

Aperschnalzen – ein lautstarker Frühlingsgruß
Der Brauch des Aperschnalzens hat mit dem „offiziellen“ Frühlingsbeginn am 21. März eigentlich nichts zu tun. Schon Wochen vorher, je nach Region zu unterschiedlichen Zeiten, hört man in einigen Gemeinden Tirols das rhythmische Knallen der Peitschen. Mit dem Lärm möchte man den Winter vertreiben und das Frühjahr begrüßen.
Vorwiegend junge Burschen treffen sich zu einem bestimmten Termin und zeigen lautstark ihr Können, das sie nach oft monatelangem Üben beherrschen. Denn es ist nicht so einfach im richtigen Rhythmus die Peitschen bzw. Geisseln so richtig knallen zu lassen. Neben körperlicher Kraft wird auch ein gewisses Gespür und Geschick gefordert. „Aper“ heißt schneefrei (althochdeutsch apir = vom Schnee unbedeckt) und das Wort „schnalzen“ bezieht sich auf das Knallen der Peitsche. In Aufzeichnungen aus dem 19. Jahrhundert versteht man unter dem Aperschnalzen die „feyerliche Begrüßung des schneeschmelzenden Frühlings auf den Voralpen durch Geißelgeknall“. Die Peitsche bzw. die Geissel („Goaßl“) besteht aus einem kurzen Stiel (oftmals aus Eschenholz) und einer drei bis vier Meter langen geflochtenen Schnur, die mit Fett eingelassen ist. Am Ende der Schnur befindet sich ein den Ton erzeugendes Baststück oder eine Perlonschnur.
Mit viel Effet schwingen die „Schnalzer“ ihre Geisseln mehrmals kreisartig über den Kopf und erzeugen durch eine ruckartige Gegenbewegung den charakteristischen Knall. Zumeist treten die Aperschnalzer in Gruppen auf, wobei abwechselnd, nach genauer Absprache, die Peitschen in einem stakkatoartigen Rhythmus geschwungen werden. Aus diesem Frühlingsbrauch ist im Laufe der Zeit auch ein Sport geworden. Die besten „Schnalzer“ messen sich bei einzelnen Wettkämpfen sowohl in Einzel- als auch Gruppenbewerben. Wenn der Frühling von vielen Aperschnalzern lautstark begrüßt wird, erübrigt sich vielleicht auch folgender Spruch: „Aperschnalzen, Grasausläuten, hört’s es net von allen Seiten, Winter, du saudummer Narr, wirst denn heuer nimmer gar.“ Terminlich ist das Aperschnalzen nicht ganz eindeutig festzumachen: Die einen beginnen schon zu Neujahr damit und enden an Dreikönig, die anderen halten es für eine Fastnachtsveranstaltung, und wieder andere warten auf wärmere und für´s Schneefreischnalzen realistischere Zeiten. Es handelt sich also um einen Brauch, der kein enges Zeitkorsett und keinen tierisch ernsten Brauchkalender kennt und Spaßes halber vor allem von der männlichen Dorfjugend ausgeübt wird.
Scheibenschlagen am Funkensonntag
Der einst tirolweit verbreitete Brauch des Scheibenschlagens wird heute noch in einigen Orten des Tiroler Oberlandes und des Außerferns gepflegt. Dabei handelt es sich um einen eigentümlichen „Feuerbrauch“.
Bei Einbruch der Dunkelheit trifft man sich an den traditionellen Abschlagplätzen („Scheibenböden“), die meist auf Hügeln rund um das Dorf liegen. In einem lodernden Feuer werden fünf bis zehn Zentimeter grosse Holzscheiben zum Glühen gebracht. Ein Loch in der Mitte der Scheiben ermöglicht es, dass sie mit Hilfe eines langen Haselstockes kunstvoll ins Tal geschleudert werden können: Wie Funken oder Sternschnuppen sausen sie durch die Nacht. Vor dem Abschlag wird ein alter Spruch aufgesagt, der von Region zu Region verschieden ist: „Dia Schaiba, dia Scheiba, die will i iatzt treiba! Schmolz in d´r Pfonna, Kiachla in d´r Wonna! Pfluag in d´r Erd, dass dia Scheiba weit außi geaht!“ (Landeck) Oft wird die Scheibe einer Person gewidmet, der man freundschaftlich oder sogar feindschaftlich verbunden ist. Im letzteren Fall handelt es sich dann um „Schimpfscheiben“. Diese Schimpfscheiben werden vor dem Abschlag von längeren Reimereien begleitet, die von sämtlichen wirklichen oder angeblichen „Untaten“ der betreffenden Person im abgelaufenen Jahr handeln. Wir haben es also mit einem regelrechten „Rügegericht“ zu tun, bei dem öffentlich Hohn und Spott ausgegossen wird. Dass das Scheibenschlagen am ersten Fastensonntag ausgeübt wird, verweist auf die „alte“ Fastenzeit, die in früheren Jahrhunderten ca. eine Woche später begonnnen hat.

Ostern in Tirol
Eine der Höhepunkte im brauchtümlichen Jahreslauf ist das Osterfest. In vielen Gemeinden Tirols hält man an den damit verbundenen, älteren und neueren Traditionen fest: Ölbergandachten, Ratschenklänge, feierliche Auferstehungsfeiern, Speiseweihen, Osterspiele u.v.m. prägen das Geschehen rund um Ostern. Die Bräuche des Volkslebens beginnen hier mit Besinnung und enden im fröhlichen Feiern.
So vielfältig die Bräuche um Ostern, so unterschiedlich sind auch ihre Inhalte. Am Gründonnerstag werden in vielen Gemeinden Ölbergandachten gehalten, die an das schmerzvolle Leiden Jesu Christi erinnern sollen. Ein alter Volksglauben besagt, dass ein an diesem Tag gelegtes Ei von einem Huhn besondere Heilkräfte und Schutzwirkung besitzt. An den nächsten zwei Tagen (bis zum Abend des Ostersamstages) werden die Kirchenglocken durch Ratschen ersetzt. Diese lauten Lärminstrumente sind in unterschiedlichen Grössen aus Holz gefertigt und ihr „Klang“ ertönt eindringlich durch die Orte. Der Karfreitag steht ganz im Zeichen des Todes von Christus: eindrucksvolle Karfreitagsprozessionen (wie in Arzl im Pitztal oder in Nauders), die Hl. Gräber im mystischer Gestaltung und die damit verbundenen Grabwachen sind die Endpunkte der Fastenzeit. Die Auferstehungsfeiern (feierliche Gottesdienste meist zwischen 19.00 und 20.00 Uhr) leiten das eigentliche Osterfest ein. Das Ende der kargen Fastenzeit ist da. Dementsprechend finden in vielen Kirchen am Abend des Ostersamstages bzw. am Ostersonntag Speiseweihen statt: in Körben werden Fleisch (v.a. Schinken), Brot u.a. Nahrungsmittel geweiht und anschliessend daheim verspeist. Am Ostersonntag prägten in früheren Zeiten gemeinschaftliche „Osterspiele“ das Festtagsgeschehen: das ganze Dorf war auf den Beinen, um etwa die schnellsten und trickreichsten Läufer zu ermitteln, die mit einem Ei einen Hindernispacour erfolgreich bewältigen mussten. Heute beschränken sich derartige Spiele weitgehend auf den familiären Bereich. Der Ostersonntag gilt in einigen Gegenden auch als wichtiger Geschenktermin, wo die Taufpaten ihren Patenkindern Geschenke (u.a. auch traditionelle österliche Gebildbrote) überreichen.

Grasausläuten – Frühlingserwachen
Sag' dem Winter laut ade - so könnte man den Brauch des Grasausläutens kurz und prägnant umschreiben. In gewisser Weise will man mit diesem Frühlingsbrauch der Natur etwas nachhelfen. Es war und ist vor allem der bäuerlichen Bevölkerung ein besonderes Anliegen, dass nach den langen Wintermonaten der Boden wieder Früchte trägt - saftiges Gras und bunte Blüten sind dabei die ersten Zeichen.
Der Brauch des Grasausläutens ist eigentlich an keinen bestimmten Termin gebunden - allgemein gilt jedoch, dass er erst nach dem Ostersonntag ausgeübt wird. Meist sind es die dem Osterfest folgenden Sonntage (bis Ende April/Anfang Mai), wo in einigen Gemeinden Tirols (z.B. Tulfes im Stubaital und die Umgebung von Schwaz) vor allem junge Burschen durch die Straßen ziehen. Dabei wird das seit dem 15. Jahrhundert belegte Sprichwort "man hört das Gras wachsen" zur Realität: mit laut klingenden Schellen oder Glocken, die um den Leib gebunden sind, soll das "Gras" zum schnelleren Wachstum gebracht werden. Über Wiesen und Felder, Strassen und Wege ziehen die Grasausläuter - oftmals von den Morgenstunden bis zum Einbruch der Nacht. Bei ausgewählten Bauernhöfen und Häusern machen sie Halt, um besonders "kräftig" , das heisst möglichst laut zu schellen. Für diesen "Dienst" danken die Hausleute den Burschen mit besonderen Nahrungsmitteln wie Krapfen bzw. einer Geldspende.

Maibaumaufstellen – vom Kraxeln und Tanzen
Man muss nicht im "Mai seines Lebens" stehen (nach Friedrich Schiller) - also jung sein - um den Beginn des sogenannten Wonnemonats festlich zu zelebrieren. Das Maibaumkraxeln (das Klettern bis zur Spitze des Baumes) ist ja nur eine Variante dieses so traditionellen Frühlingsfestes.
In früheren Zeiten galt der Mai als wichtiger Monat - das Winterhalbjahr endete und das Sommerhalbjahr begann. Und diesen Übergang verstand man festlich zu begehen. Die Maifeiern waren gesellschaftliche Ereignisse, wo man unter einem "Festbaum" tanzte, sich vergnügte und die wärmeren Temperaturen genoss. Der geschmückte Maibaum stand aber nicht nur symbolisch für einen Festplatz - er war in früheren Zeiten vor allem eine Ehren- bzw. Liebesgabe. So stellte man beispielsweise im 17. Jahrhundert am 1. Mai Ehrenbäume für besondere Vertreter des Gemeinwesens (Stadtoberhäupter, Führungspersönlichkeiten des Militärs, usw.) auf. Als Dank für diese Ehrerbietung gab es Speis und Trank.
Aber auch im zwischenmenschlichen Bereich spielten Maibäume eine wichtige Rolle: so mancher Bursche stellte in der Nacht auf den 1. Mai seiner Liebsten einen kleinen, geschmückten Baum vor die Tür - eben um seine Zuneigung offensichtlich zu machen. Der heutige Maibaum in den Dörfern hat allein gesellschaftlichen Charakter: (meist) Burschenschaften kümmern sich um das Aufstellen des Baumes, der bereits am 30. April vorbereitet und bewacht wird. Denn so manche "Nachbarn" trachten danach, den Baum nächtens zu zersägen bzw. zu stehlen, um dadurch die Besitzer des Maibaumes zu beschähmen. Am 1. Mai kann dann das Fest beginnen: mit Musik, Tanz und nicht zuletzt dem Kraxeln. Wer wagemutig den (glatten, weil geschälten) Maibaum bis zur Spitze erklimmt, dem gilt nicht nur die Ehre, auch besondere Preise warten auf ihn oder sie...