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Oberösterreich
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DER BAUERNHOF

 

Den einen oberösterreichischen Bauernhof, den gibt es nicht. Denn jeder Hof ist anders und das ist auch gut so! 

Viele Jahrhunderte lang haben sich die unterschiedlichen Bauformen in den verschiedenen Tälern und Regionen Oberösterreichs entwickelt. Man plante und baute mit Hausverstand, berücksichtigte die klimatischen Bedingungen, die geographische Lage, nützte vorhandene Rohmaterialien und orientierte sich an der Form der Bewirtschaftung.
Daran hat sich bis heute nichts geändert. So muss ein Ackerbauer eben andere Anforderungen und Ansprüche berücksichtigen als ein Bergbauer, der auf steilen Hängen arbeitet.
Allen gemeinsam ist aber, dass man Bewährtes beibehält und sich gleichzeitig technischen und baulichen Neuheiten öffnet.

Die Unterschiede bei den Gehöftformen ergeben sich durch die verschiedenen Anordnungen der 4 Hauptgebäude - Wohnhaus (wohnen), Stall (Viehhaltung), Stadel (Vorratshaltung) und Wagenhütte (Geräteaufbewahrung). Wir möchten Sie mit den in Oberösterreich bekanntesten und am weitest verbreitetsten Hofformen bekannt machen.

Vierkanthof im Zentralraum ©Brucknergut, Ansfelden

Zentralraum

Im Zentralraum rund um Linz, Wels, Steyr und Enns prägen Vierkanthöfe das Landschaftsbild. Der Vierkanter besteht aus einem einzigen Gebäude, dass einen Innenhof in gleichmäßiger Höhe umschließt. Meist weisen sie ansehnliche Ausmaße auf - es können die Fronten bisweilen bis zu 60 m messen. In der Literatur findet man den Vierkanthof häufig mit dem Beinamen "vollkommenste Gehöftform der Welt". 

Errichtet wurden die Vierkanter sowohl aus Steinen als auch aus gebrannten Ziegeln, welche ursprünglich nicht verputzt wurden und ein Symbol des Reichtums darstellten. Die Höfe haben meist keine ausgeprägte Schauseite sondern präsentieren sich von allen vier Seiten großteils gleichartig.

Mühlviertel Dreiseithof im Steinbloß-Stil ©OÖ.Tourismus/Okolicsanyi

Mühlviertel

Nördlich der Donau findet man am häufigsten die Dreiseit- bzw. Dreikanthöfe. Dabei umschließen drei Gebäudetrakte, die mit einem durchgehenden Dach verbunden sind, einen rechteckigen Innenhof, der zur Straße hin durch eine Tormauer mit einen meist rund geschwungenen Einfahrtstor abgeschlossen ist. Diese Hofform wurde in Verbindung mit dem wunderschönen Blossteinmauerwerk zu einem Markenzeichen für das Mühlviertel. Blossstein bzw. „Stoabloß“ wie man hierzulande sagt, nennt man den Baustil, bei dem die Fassade aus freiliegenden Granitsteinen besteht, die dazwischen nur sparsam mit Kalk ausgefugt wurden.

Auch Vierkanthöfe und Vierseithöfe wurden in dieser Region errichtet - vor allem in den flacheren Gebieten.

Salzkammergut ©www.UrlaubamBauernhof.at

Salzkammergut

Beim typischen Paarhof des Salzkammerguts sind Wohnhaus und Stall von einander getrennt, jedoch im gleichen optischen Erscheinungsbild erbaut. Je nachdem, wie die Beschaffenheit des Geländes ist, können die beiden Gebäude neben-, hinter- oder auch quer zueinander angeordnet sein. 

Aus den Paarhöfen haben sich die Einhöfe entwickelt, wobei sich Wohnbereich, Stallungen und Bergeräume unter einem Dach befinden. Die Höfe erstrecken sich über mehrere Stockwerke. Auch beim Mittertennhof sind alle Bereiche unter einem Dach vereint, wobei sich hier der Stadel (Tenne) zwischen Wohnbereich und Stall befindet.

Innviertler Vierseithof ©Stocketbauer, Utzenaich

Innviertel-Hausruckwald

Die dominierende Hofform im Innviertel ist jene bei der sich Wohnhaus, Stall, Stadel und Schuppen freistehend um einen quadratischen Hof gruppieren - der Vierseithof. Tore bzw. Tormauern stellen die Verbindungen zwischen den einzelnen Gebäudeteilen dar. Der Vierseithof kann auch als "Vorstufe" zum Vierkanthof gesehen werden. 

Der Hausruckhof - ein Vierkanter, bei dem das Wohnhaus aus dem Gebäudeverbund ausbricht - ist die typische Hofform des Hausruckviertels. Das Wohnhaus steht entweder frei oder dockt mit einer Seite an den Stall an. Eine ebenfalls raumtypische Hofform in der Gegend ist der Einhaus-Hof.

Haufenhof in der Nationalparkregion Kalkalpen ©Grossgrub, Vorderstoder

Nationalparkregion Kalkalpen

Im Südosten Oberösterreichs dominieren die Haufenhöfe, auch Gruppenhöfe genannt. Dabei sind unterschiedlich große Einzelbauten unregelmäßig im Gelände angeordnet. Oft sind die Wirtschaftsgebäude rund um das Wohnhaus platziert. 
Diese Anordnung der Gehöfte wird als urtümlichste, in Oberösterreich erhaltene Hofform bezeichnet. Als Baumaterial diente vor allem Stein und Holz, aber auch Ziegel kamen zum Einsatz.

Im Norden der Region, die sich zum Zentralraum hin erstreckt, ist die regionaltypische Hofform der Vierkanthof.