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Wo ist Bertl?

„Bertl!“
„Beeeeeeeeeeertl!“
„Bertl?“

Nein, in der Scheune ist er auch nicht. Aber wie es hier riecht. Einfach himmlisch! Und dieser Riesenberg frisches Heu, der ruft ja förmlich danach, dass mal einer reinspringt. Also gut, Bertl kann ich ja auch nachher noch suchen. Jetzt erstmal die Leiter hoch! Huch, von hier oben sieht alles ganz anders aus. Gut, dass Mama mich nicht sehen kann. Die würde mich sofort runterholen. Viiiiel zu gefährlich für ein Kind aus der Stadt. Dabei liegt hier der ganze Boden voller Heu, was soll schon passieren. Gut, noch eine Sprosse, dann ist genug. Und .... huuuuuiii – mit einem sensationellen Sprung ab ins weiche, trockene Gras.

Groooooßartig! Ich bin ein weltberühmter Klippenspringer.
Gleich nochmal! Doch halt!

Eigentlich wollte ich Bertl suchen. Bertl ist der Hofkater hier und seit dem Tag unserer Ankunft mein Freund. Man muss nur Bertl folgen und entdeckt die spannendsten Sachen. Ja, wenn man Bertl sucht auch. Hihi. Mit Bertl war ich im Kuhstall als ein Kälbchen geboren wurde. Wir haben uns ganz klein gemacht und dann gesehen, wie die süße Baby-Kuh wacklig auf den Beinen stand. Das war vielleicht aufregend! Und wir haben zusammen frische Milch getrunken. Direkt nach dem Melken! Lecker! Bertl hatte genauso einen Milchbart wie ich.
Doch wo steckt der Kerl jetzt? Ich war schon überall! Nein, stimmt nicht. Da hinten in der Werkstatt steht die Tür offen, da war ich noch nicht drin. Am besten, ich gucke mal nach. Oh, dunkel hier. Und ein bisschen unheimlich. Aber ich bin ja kein Hasenfuß sondern ein großer Entdecker!

„Bertl? Beeeertl, bist du hier drin?“

Ah, da hinten wackelt etwas. Was mag das sein ... sieht aus wie ein .....

„Ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh! Hiiilfe!
Lass mich loooooos!
Oh, ich werde gar nicht festgehalten.“

Hmmmm ... ist gar kein  richtiger Mensch. War nur eine Vogelscheuche. Was für ein Schreck! Aber ganz da hinten, da glitzert etwas. Was mag das wohl sein?

 

Moment, da ist ein Geräusch. Jetzt wird’s wirklich ein bisschen unheimlich. Hätte ich nur meine Taschenlampe mitgenommen. Mama hat mir extra für den Urlaub eine neue gekauft. Hätte, hätte, hätte ... hilft jetzt auch nicht. Das Glitzern da hinten ... Silber? Gold? Habe ich einen Schatz gefunden? Wer weiß, wie lange hier schon keiner mehr drin war. Ich muss herausfinden, was da ist. Bertl kann ich später suchen. Also los! Nur Mut! Noch ein paar Schritte ...

„KRACHBUMMSCHÄNGKLINGELING“

„Na, Du kleiner Lausbub, was machst Du denn hier?“

Ich öffne langsam wieder die Augen. Vor mir steht Bauer Josef und hält sich den Bauch vor Lachen. Ich liege inmitten von, ja, was eigentlich? Kleinlaut und schuldbewusst blicke ich nach oben.

„Ich ... ich ... ich suche Bertl.“

Bauer Josef schmunzelt:

„Und da bist Du zufällig hier vorbeigekommen und in die Kuhglocken gestolpert?“

Kuhglocken? Ahhhhhhhhh! Das hat diesen Lärm gemacht. Aber eigentlich verstehe ich gerade gar nichts. Der Bauer hilft mir auf, wir klopfen gemeinsam den Staub von meiner Hose und sammeln die umherliegenden Glocken wieder ein. Bauer Josef erklärt mir, wozu die Kuhglocken gebraucht werden. Und zeigt mir, welche schon sehr alt sind und was die unterschiedlichen Muster und Farben bedeuten. Spannend! Als wir aus dem Schuppen kommen bin ich geblendet. Die Sonne scheint und am Himmel ist kein Wölkchen. Auf dem Weg zum Haus kommt uns Mama entgegen.

„Feeeeeeeelix, da bist Du ja! Komm, wir wollen zum See fahren.“

Und zu Bauer Josef sagt sie:

„Hat der kleine Entdecker wieder etwas angestellt?“

Der Bauer antwortet:
„Nein, nein. Wir haben gemeinsam die Kuhglocken sortiert. Er hat mir sehr geholfen!“

Puhhhh, das ging gerade nochmal gut. Der Bauer lächelt mich verschwörerisch an. Echte Männer halten eben zusammen. Aber jetzt auf zum See. Das Wasser dort ist so klar, dass man den Grund sehen kann und das Planschen und Schwimmen macht einen Riesenspaß. Bauer Josef hat mir einen Kescher geliehen, mit dem ich die kleinen Fischlein aus dem Wasser holen und in meinen Eimer geben kann. Dort kann ich sie gut beobachten. Klar, am Abend gebe ich sie wieder in den See. Vielleicht kriege ich nächstes Jahr eine Angel. Dann kann ich auch mit den Männern auf dem Steg sitzen und schweigen ... Naja, schweigen muss ich noch üben.

Als wir am Abend zurückkommen, winkt uns die Bäuerin ran und gibt Mama ein Glas selbstgemachte Marmelade für das Frühstück. Mama strahlt über das ganze Gesicht. So glücklich habe ich sie schon lange nicht mehr gesehen. Und Bertl, der döst jetzt ganz entspannt auf der kleinen Mauer am Haus in der Abendsonne.

Ich liege im Bett und bin sehr müde. Das würde ich natürlich NIEMALS zugeben. Was für ein wunderbarer Tag! Die Entdeckertour, der See, der leckere Strudel mit Vanillesoße zum Nachtisch. Und Mama hat die ganze Zeit gute Laune ...

Plötzlich knarrt die Tür leise und geht auf.

„BERTL! Na Du kleiner Halunke!“

Bertl springt auf meine Bettdecke und rollt sich zusammen. Ich höre ihn noch schnurren. Dann fallen mir die Augen zu ...

ENDE