Verkehrt hängende Christbäume und festliches Weihnachtsmenü

Weihnachten am Bauernhof, 09.12.2021, Elisabeth Freundlinger

Ob Krampusumzüge, Nikolofeste oder Räuchern: In der Steiermark spielt das Brauchtum stets eine große Rolle. So hat auch der alte Brauch des „hängenden Christbaums“, der heutzutage vielerorts wieder zum Modetrend wird, steirische Wurzeln. Dabei wird der Baum – oft auch verkehrt herum - in der Wohnstube über dem Tisch oder im Herrgottswinkel aufgehängt und mit Lametta, Äpfeln, Nüssen und Lebkuchen geschmückt. Am Rami Hof bei Familie Kaltenegger wird nicht nur Kletzenbrot, sondern auch das „Woaza“ gebacken. Auch für das weihnachtliche Festessen ist gesorgt: Bäuerin Karin vom Eisbacherhof in Schladming schickt euch mit ihren Rezepten weihnachtliche Grüße!

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Mehrere Formen mit Woazabrot im Steinofen gebacken | © Urlaub am Bauernhof / Kaltenegger

Bräuche & Traditionen in der Steiermark

Ob Krampusumzüge, Nikolofeste oder Räuchern: In der Steiermark spielt das Brauchtum stets eine große Rolle.

So hat auch der alte Brauch des „hängenden Christbaums“, der heutzutage vielerorts wieder zum Modetrend wird, steirische Wurzeln. Dabei wird der Baum – oft auch verkehrt herum - in der Wohnstube über dem Tisch oder im Herrgottswinkel aufgehängt und mit Lametta, Äpfeln, Nüssen und Lebkuchen geschmückt.

Ein ganz besonderes Erlebnis ist das Öblarner Krampusspiel, welches von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe ernannt wurde. Bei der öffentlichen Darbietung auf dem Marktplatz zitieren Laienschauspieler mündlich überlieferte Originaltexte aus dem 18. Jahrhundert.

Der Tag der unschuldigen Kinder

Der 28. Dezember ist derTag der unschuldigen Kinder“. Man gedenkt dabei der in Bethlehem am Tag nach Jesu Geburt ermordeten Kinder. Beim Aufkindeln ziehen die Kinder herum und klopfen den Erwachsenen mit geflochtenen Weidenruten auf den Popo. Mit diesem Ritual werden Lebenskraft und Glück von Jung nach Alt übertragen. Heute wird bei den Umzügen oft für karitative Zwecke gesammelt, und es werden je nach Region unterschiedliche Sprüche aufgesagt. Zum Beispiel dieser:

„Frisch und g’sund, frisch und g’sund, ganzes Jahr pumperlg’sund,

gern geb’n, lang leb’n, glückselig sterb’n, Christkindl am Hochaltar,

des wünsch i dir zum neuen Jahr.“

Wenn es weihnachtet am Rami-Hof in Obdach...

Auch am Rami-Hof der Familie Kaltenegger in Obdach in der Steiermark wird Weihnachten noch ganz so zelebriert wie früher einmal. Bäuerin Christa Kaltenegger erzählt: „In normalen (nicht Corona-)Zeiten haben wir zu Weihnachten gern unsere Stammgäste am Hof. Ich schmücke die Ferienwohnungen ja immer der Jahreszeit entsprechend – zu Weihnachten ist das dann mit den duftenden Tannenzweigen und den Strohsternen besonders stimmungsvoll. Am Tag vor Weihnachten stecken wir in unserer Bauernstube Zweigerl hinter die Bilder und Krickerl an der Wand. Ganz besonders festlich wird es, wenn wir unser altes Kripperl aufstellen – das ist schon 120 Jahre alt!“

Das "Woaza" wird nur zweimal im Jahr gegessen

Gebacken wird freilich auch fleißig in der Bauernküche vom Rami-Hof. Ein Highlight ist es, wenn die Bäuerin das Kletzenbrot (nach einem alten Familienrezept) im 400 Jahre alten Holzofen bäckt. Die Vorbereitungen dafür fangen immer schon am Tag zuvor an, denn zuerst müssen die Kletzenbirnen weichgekocht und die Nüsse gut geröstet werden.

Ebenfalls im Holzofen wird das „Woaza“ gebacken, ein Milchbrot, das am Rami-Hof nur zweimal im Jahr gegessen wird: zu Ostern und zu Weihnachten.

Und dann kommt der Heilige Abend. „Am Nachmittag von 24. Dezember fangen wir mit der Stallarbeit etwas früher an als sonst. Dann trinken wir Tee und essen das Kletzenbrot, Kekse und Nüsse. Danach wird das Haus geräuchert. Und derweil hat das Christkind meistens auch schon die Bescherung in der Bauernstube angerichtet und läutet mit dem Glockerl. Nach der Bescherung gehen wir zur Mette, und anschließend essen wir Würstel mit Senf und Kren und Schwarzbrot. Manchmal essen wir halt auch vor der Mette, je nachdem, wann diese stattfindet. Wenn wir Gäste am Hof haben setzen wir uns nachher oft noch alle zusammen. Wir hoffen, dass das bald wieder möglich ist!“

Dreigängiger Menüvorschlag vom Eisbacherhof

Am Eisbacherhof in Schladming können die Urlaubsgäste gemütlich aus dem Fenster zum hofeigenen Rotwildgehege schauen. Die Gastgeberfamilie Keinprecht ist aber auch für ihre hervorragende Kochkünste bekannt – Grund genug für uns, Bäuerin Karin um das Rezept für ein weihnachtliches Festessen zu bitten. Und hier ist der dreigängige Menüvorschlag vom Eisbacherhof!

Orangen-Karotten-Ingwersüppchen

Zutaten:

30 dag Karotten geputzt, 1 Zwiebel, 1 dag Ingwer, 2 EL Butter, Schale von 2 unbehandelten Orangen, abgerieben, Salz, Pfeffer

¼ l Karottensaft, ½ l Gemüsebouillon (Würfelsuppe auch möglich), 1/8 L Orangensaft, 1/16 l Schlagobers 

Etwas Parmesan auf Wunsch

 

Zubereitung:

Karotten putzen, in Scheiben schneiden, Zwiebel und Ingwer schälen, in Würfel schneiden.

Karotten, Zwiebel und Ingwer in Butter 2 Minuten anschwitzen, mit Orangenschale, Salz und Pfeffer würzen, Karottensaft, Orangensaft, Bouillon aufgießen, 1-2 Stunden köcheln lassen, bis die Karotten ganz weich sind. Schlagobers und eventuell Parmesan dazu, mit dem Pürierstab fein mixen und aufschäumen. Serviertipp: Mit gerösteten Weißbrotcroutons und gehackter Petersilie anrichten!

Vegan: anstelle von Butter Öl nehmen, Schlagobers gegen Kokosmilch austauschen

Ragout vom Hirsch aus dem Riedingtal

Zutaten:

1 Zwiebel, 3 EL Rapsöl (Sonnenblumenöl), jeweils 50 g Knollensellerie, Karotte und gelbe Rübe (putzen und in kleine Würfel schneiden), 1 kg Wildfleisch (Schulter, auch andere Teile möglich), Salz, Pfeffer, 1 EL Wildgewürz, 1 EL Tomatenmark

300 ml Rotwein + 300 ml Portwein rot, (evt. 40 ml Balsamico), 1,5 l Bouillon (wenn nicht vorhanden, Wasser)

2 gehäufte EL Preiselbeeren, 2 Reihen Kochschokolade

1 Orange (Schale und Saft) + 1 TL Speisestärke

 

Zubereitung:

Würfelig geschnittenes Wildfleisch in Öl solange rösten, bis die Flüssigkeit fast eingekocht ist. Salz, Pfeffer, Wildgewürz, Tomatenmark dazu geben und kurz mitrösten, mit einem Drittel der beiden Weine ablöschen und auf kleiner Flamme komplett einkochen lassen, dasselbe mit den beiden anderen Drittel der Weine machen. Immer gut rühren.

Mit dem Wasser auffüllen, sodass das Fleisch mit Flüssigkeit bedeckt ist.

Ca. 1 ½ – 2 Std. auf kleiner Flamme köcheln lassen, das Fleisch soll schön weich sein.

Preiselbeeren und Kochschokolade dazu, abschmecken (Orangenschale) Orangensaft mit Stärke anrühren, in das Ragout einrühren und 1 Minute kochen lassen.

Beilagen: Spätzle, Semmelknödel, Kroketten, Rotkraut

Spekulatius- Torte

Zutaten:

Für den Boden:

200 g Spekulatiuskekse, 100 g Butter

 

Für die Creme:

6 Blatt Gelatine, 200 g Schlagobers, 250 g Mascarpone, 50 g Honig, 50 g Zucker, 500 g Topfen

Zimt nach Geschmack

 

Für den Belag:

5 Orangen oder Mandarinenfilets aus der Dose

250 ml Flüssigkeit (zB Orangensaft, Mandarinensaft aus der Dose)

50 g Zucker, 11 g Tortenklar

 

Für den Boden die Kekse klein schlagen/drücken und mit flüssiger, warmer Butter vermengen. Eine Tortenform mit Backpapier auslegen (wichtig), Keks-Buttermischung darauf verteilen und fest andrücken. In den Kühlschrank stellen.

Für die Creme Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Honig, Zucker, Zimt, Mascarpone und Topfen vermengen. Gelatine gut ausdrücken, in etwas warmer Flüssigkeit auflösen und unter die Topfenmasse rühren. Aufgeschlagenen Schlagobers unterheben.

Masse auf dem Tortenboden verteilen und 1 Stunde kühl stellen.

Für den Belag die Orangen von der Schale befreien unds in dünne Scheiben schneiden bzw. die Mandarinen gut abtropfen lassen. Die Torte mit Orangen- bzw. Mandarinenspalten belegen und mit Tortengelee (Orangensaft, Zucker Tortenklar, Zubereitung nach Packungsanleitung) begießen.

 

Karin Keinprecht wünscht allen LeserInnen gutes Gelingen sowie

Frohe Weihnachten und ein gesundes Jahr 2022!

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Elisabeth Freundlinger
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