Wie Kühe zu ihren Namen kommen

Blogartikel // 01. Aug. 2019
Auf Facebook teilen
Auf Twitter teilen

Skistar im Stall

Sie heißen Alma, Berta oder Wetty, manchmal auch Donau oder Isar. Die Namensvergabe folgt bei Milchkühen ganz eigenen Regeln – und ermöglicht eine tiefere Beziehung zu den Tieren, wie der Brixentaler Bauer Josef Fuchs erklärt.

Familie Fuchs hat seit einigen Jahren einen bekannten Skistar im Stall stehen. Wie das geht? Als Milchkuh „Schildi“ zur Welt kam, war Sohn Martin sechs Jahre alt und ein großer Fan der damaligen österreichischen Skirennläuferin Marlies Schild. Da seine Eltern ihm das kleine Kalb schenkten, durfte er sich den Namen aussuchen. Und der kleine Junge musste nicht lang überlegen.

Kuh im Kuhstall © Karin Lohberger

Regeln für Namen

Es ist Tradition, dass Milchkühe Namen bekommen, so wie bei Familie Fuchs auf dem Biobauernhof Fleckl im Brixental. Und es gibt viele, manchmal kuriose Regeln, nach denen die Bauern die Namen vergeben. In Tirol, das landwirtschaftlich von kleinen Bergbauernhöfen geprägt ist, werden Milchkühe also meist noch mit Namen angesprochen. „Der Name eines Kalbes hat bei uns meist einen Bezug zur Mutter“, sagt Bauer Josef Fuchs, der auf dem Flecklhof für das Vieh zuständig ist. In der Regel würde der Name denselben Anfangsbuchstaben haben, wie jener der Mutter. „So behält man die Abstammung im Auge“, sagt der 48-Jährige. „Das ist wichtig, denn die Jungen haben meist die gleichen Macken wie die Alten. So ähnlich wie bei den Menschen.

Mutter mit 3 Kindern bei Kalb auf der Wiese © Karin Lohberger

Wilma, Wetty, Erna und Co.

30 Rinder hat Josef Fuchs in seiner Obhut, 14 davon sind Milchkühe. Sie heißen Wilma, Wetty, Erna oder Gretel. Einige sind auch nach typischen Alpenblumen wie Edelweiß oder Enzian benannt. „Frauennamen waren früher gar nicht so üblich“, sagt Fuchs. Stattdessen hätte man schon mal eine Donau oder Salzburg im Stall vorgefunden. Städte- oder Flüssenamen seien bei Kühen durchaus verbreitet gewesen. Die auf manchen Höfen übliche Gepflogenheit, Rinder nach Familienmitgliedern zu benennen, kommt für Josef Fuchs nicht in Frage. „Es kann immer vorkommen, dass Frauen nicht gut darauf zu sprechen sind, auf den selben Namen wie eine Kuh zu hören“, sagt er und lacht.

Fuchs kennt jede einzelne seiner Milchkühe, ihre äußerlichen Eigenheiten und Charakterzüge. „Man bekommt eine andere Beziehung zu den Tieren, wenn man sie immer mit Namen anspricht“, sagt er. Die Kühe hätten das gern, sie würden ihre Namen kennen und sich angesprochen fühlen. „Sie sind dann auch handzahmer“, so Fuchs. Scheue Rinder, die Angst haben, könnten gefährlich werden.

Bub fuettert Kuehe im Stall © Mario Webhofer

Milchkuhhaltung am Flecklhof

Im Frühsommer, sind die Kühe auf der Alm in der Kelchsau, eine Gemeinschaftsalm, die sich Familie Fuchs mit anderen Bauern teilt. 50 Kühe grasen dort oben auf 1.400 Meter Meereshöhe, ein Senner kümmert sich ums Melken. Fällt der Abschied beim Almauftrieb manchmal schwer? Nein, das sei eigentlich ganz angenehm, sagt Bauer Fuchs. „Im Frühjahr wird es oft stressig. Da kommen wir mit der Arbeit kaum mehr zurecht.“ Sich nicht jeden Tag um die Kühe kümmern zu müssen, sei eine Erleichterung.

Josef Fuchs betreibt die Milchkuhhaltung vor allem aus Leidenschaft. Und, weil er die Landwirtschaft erhalten will. „Wenn wir aufhörten, würde keiner weitermachen“, sagt er. Durch den niedrigen Milchpreis sei das Geschäft eigentlich völlig unrentabel. Die anderen wirtschaftlichen Standbeine des Hofs, vor allem die Vermietung der zwei Ferienwohnungen, würden etwaige Verluste aber auffangen. Zum Glück für die Kühe. Zur Freude der Familie.

almhuetten_tirol (34)