Auf Du und Du mit der Kuh

Blogartikel // 18. Jan. 2018
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„Ah, ihr seids des jetzt“, begrüßt uns Rudi Nussbaumer. Wir sind gerade bei der Dientalm angekommen, vollbepackt mit Kamera-Equipment. Er schüttelt uns die Hand, fester Handdruck. „I bin glei bei enk, setzt’s eich in Gort’n.“

Gesagt, getan: Wir verlassen die Hütte und suchen nach einem freien Platz auf dem sonnigen Fleckerl. Ein kleines Bankerl ist frei. Zwischen unseren Beinen rennt eine weiße Henne hin und her. Bis der Hahn kräht. Dann verschwindet sie. Dafür kommt Tina zu uns. Tina ist Rudis Frau und der Liebe wegen von Bischofshofen an den Hochkönig gezogen. „Habt’s eich a Platzerl gfund’n“, fragt sie und lächelt dabei so herzlich, dass man sie einfach mögen muss.

Bäuerin auf der Dientalm © Matthias Gruber

Als Tina kurz davonhuscht, um Getränke zu holen, schauen wir uns ein wenig um: Viele Familien erholen sich auf den Nachbartischen vom Wandern oder sind hier auch einfach nur zum Essen hergekommen. Mittlerweile ist jeder Tisch besetzt, Rudi schaut bei jedem einmal vorbei, fragt, wie es geht und ob uns die Jause schmeckt – das tut sie!

Brettljause auf der Dientalm © Matthias Gruber

Wir hören Kinderlachen und drehen uns um: Hinter uns erstreckt sich ein großer Abenteuer-Spielplatz inklusive Hängematte und Affenschaukel. Die Kleineren verbrauchen hier ihre letzte Energie nach dem Wandertag, während ihre Eltern bei einem Kaffee wieder zur Kräften kommen. Noch ein Stückchen weiter weg grasen Ziegen, ein paar Kühe schauen von der Ferne zu. „So, jetzt aber“, sagt Rudi, während er sich neben uns auf die gemütliche Sonnenbank fallen lässt. Wir sind schon ziemlich neugierig auf seine Geschichte und fratscheln ihn richtig aus. Seine Geschichte in Kurzform geht so: In Ursprung zur Schule gegangen und dann irgendwann den elterlichen Hof übernommen. „Die Mama hilft aber noch tatkräftig mit und kümmert sich um alle Tiere, die nicht über meine Knie reichen“, lacht Rudi. Früher war die Dientalm eine Milchalm, bewirtschaftet war sie aber immer schon. Und natürlich hat’s auch immer Milch und Käse gegeben.

 

Ziege auf der Dientalm © Matthias Gruber

Anpacken statt Zuschauen: Tag der offenen Stalltür.

Seit sich der Tourismus wieder zurück in Richtung Natur entwickelt hat, halten Rudi und seine Tina kräftig mit: „Eigentlich fordert die Gesellschaft diese Rückzugsorte auf der Alm“ erzählt Rudi. Und ihn freut es, dass das Interesse an den Tieren und der Landwirtschaft im Allgemeinen wieder wächst. Deswegen gibt es auf der Dientalm auch den „Tag der offenen Stalltür“ – und zwar jeden Tag. Immer dann, wenn es etwas im Stall zu tun gibt, dürfen die Gäste mitschauen und mitmachen. Jetzt steht Melken am Programm. Rudi schnappt seine zwei kleinen Mädels, Hannah und Magdalena. Eine auf die Schultern, die andere geht an der Hand. Wohin? Auf die Wiese, um die Kühe in den Stall zu treiben. Die Tiere gehorchen den Rufen von Rudi und traben sofort los, stehen dann in Reih und Glied an, um auf ihren Platz im Stall gelassen zu werden. Rudi lässt uns die Ehre zukommen, als Erste eine der Kühe zu melken. Wir haben zwar Angst uns zu blamieren, tun es aber trotzdem. Auch, weil sich mittlerweile viele Gäste im Stall versammelt haben und auf unsere Performance warten. Ein bisschen unbeholfen drücken wir am Euter der Kuh herum, bis wir schließlich die Melk-Bewegung verstanden haben. Danach geht es eigentlich ganz gut. Wieder was gelernt! Aus gutem Stall.

 

Ausblick von der Dientalm © Matthias Gruber

Bei Rudi und Tina ist die Stalltür jeden Tag offen. Pro Jahr haben sie um die 1.000 Gäste, die schauen wollen, wie das denn so abläuft, auf der Dientalm. Und hier kann man auch einiges lernen: In der Familie Nussbaumer ist man besonders stolz darauf, 14-jährige Kühe und Mütter von elf Kälbern im Stall zu haben. „Bei uns bleiben nur die gutmütigen Tiere auf der Alm, so richtige Charakterviecher“. Warum? Weil ja auch Kinder melken dürfen und sogar eine Urkunde dafür bekommen.

Melkdiplom © Matthias Gruber

Besonders hartnäckig arbeitet Rudi daran, den Mythos der lila Kuh bei den Gästen aus der Stadt zu entkräften. Und den Konsumenten zu erklären, wie das mit der Milch wirklich funktioniert. Wer sich besonders dafür interessiert, der kann auch über Nacht bleiben. Drei Zimmer zu je vier und drei Betten stehen zur Verfügung. Allesamt mit Dusche und WC ausgestattet. Dass die Urlaub am Bauernhof Vermietung problemlos funktioniert, dafür sorgt Tina. Wer immer schon davon geträumt hat, sich die Milch für den Morgenkaffee selbst zu melken, ist auf der Dientalm herzlich willkommen. Haustiere dürfen übrigens gerne mitgebracht werden. Das alles erfahren wir, während eines der jungen Kälber genüsslich an unserem Haarzopf knabbert. Merke: Niemals mit dem Rücken zu einer Kuh stehen.

Blumenstrauß © Matthias Gruber

Im Winter bietet die Dientalm Ruhe. Und zwar als Selbstversorgerhütte. Dann sind Rudi und Tina und ihre Mädels inklusive Oma Gretl im Tal und kümmern sich um den Bauernhof und die Tiere, die bestimmt ungeduldig von der Alm träumen. Bis es dann wieder so weit ist und der Almauftrieb mit bunten Blumen und Verzierungen gefeiert wird. Auf der Dientalm ist besonders … … dass die Kinder am großen Spielplatz herumlaufen können, während die Erwachsenen auf der Terrasse zwar den Überblick behalten, aber bei einem Kaffee entspannen können. Auf der Dientalm wohnen … … ganz viele Kühe und Kälber, denen man beim Tag der Offenen Stalltür beim Leben zuschauen und sie selbst melken kann. Dafür gibt es sogar eine Urkunde! Auf der Dientalm kann man … … entweder mit dem Auto direkt hinfahren oder hinwandern. Vor Ort gibt es über den Sommer Schmankerl aus der regionalen Küche und über den Winter eine Selbstversorgerhütte, die man mieten kann. Auf der Dientalm findet man … … eine glückliche Familie, die gemeinsam mit Oma Gretl den Laden schmeißt. Und ganz viel Inspiration, wie man aus einem schönen Ort ein noch schöneres Erlebnis machen kann.

Familie Nussbaumer von der Dientalm © Matthias Gruber