Bäuerliche Architektur am Ramsbergerhof

Blogartikel // 24. Juli 2020
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Der Ramsbergerhof in Ramsau am Dachstein hat viele Besonderheiten, die über alte bäuerliche Architektur erzählen. Seine Besitzer wissen dies zu schätzen. Zu Besuch bei der Familie Kahr

Ramsbergerhof, Ramsau am Dachstein © Die Sennerin, Eva-Maria Nagl

Auf edle Art und Weise nimmt er seinen PIatz am Fuße des Dachsteins ein. Ohne ein Wort zu sagen, weiß man sofort, dass er viel zu erzählen hat. Seine Fassade erzeugt eine gewisse Ehrfurcht – doch erst wenn man sich die Feinheiten anschaut, kommt man der ganzen Geschichte nahe.

Ramsbergerhof, Bäuerliche Architektur © Die Sennerin, Eva-Maria Nagl

Über eine gut versteckte Nebenstraße führt ein Weg durch einen ruhigen Lärchenwald. Wer den Blick für einen kurzen Moment vom imposanten Dachsteinmassiv abwendet, der darf inmitten von weiten Feldern ein kleines Juwel entdecken: Der Ramsbergerhof in Ramsau am Dachstein ist mittlerweile 415 Jahre alt und seit Kurzem wieder zum festen Wohnsitz der Familie Kahr geworden. ,,Als meine Mutter im Jahre l95l heiratete, war ihr Wunsch, den Hof zu modernisieren, nicht ganz leicht umsetzbar. So entschloss sie sich gemeinsam mit meinem Vater, den Lärchenhof zu bauen. Genau das war unser Glück, denn so blieb das alte Bauernhaus in seiner ursprünglichen Form bestehen", erzählt Brigitte, die zusammen mit ihrem Mann Andreas den alten Hof zu neuem Leben erweckte.

Familie Kahr, Familienfoto © Die Sennerin, Eva-Maria Nagl

Der Hof stand nie ganz leer. Er wurde sporadisch vermietet. Gott sei Dank hat die gute Seele unseres Hauses, Annal, das ganze Anwesen viele Jahre lang in Schuss gehalten, bis es 1999 bei der Nordischen WM zum Österreich-Haus erkoren wurde. Damals erkannten auch meine Eltern den enormen Wert des alten Gebäudes und wir beschlossen, etwas daraus zu machen. Für uns war es aber sehr wichtig, die alte bäuerliche Architektur in ihrer Schönheit und Sinnhaftigkeit so gut wie möglich bestehen zu lassen und diese auch für die nächsten Generationen zu erhalten", erzählt Brigitte, während sie den Töchtern Johanna und Greta beim Küchentisch in der alten Stube Zöpfe bindet.

Ferienwohnung am Ramsbergerhof © Die Sennerin, Eva-Maria Nagl

,,Zu unseren wichtigsten Eckpfeilern gehört mittlerweile die Arbeit mit Altholz. Dabei ist es uns ein besonderes Anliegen, Altholz von heimischen Höfen und Gebäuden zu verwenden und es nach sorgfältiger Bearbeitung und Verarbeitung bestmöglich zur Geltung zu bringen. Dass Altholz seit einigen Jahren wieder voll im Trend liegt, hat seinen Grund: Es besticht durch seine Einzigartigkeit und wird in jedem Raum zum Blickfang. Und uns ist es eine große Freude, unser Fachwissen einzusetzen, Altholz fachgerecht aufzubereiten und dadurch ein Gebäude im Innen- oder Außenbereich zu veredeln“, so Herbert Oppeneiger.

Ramsbergerhof, Kachelofen © Die Sennerin, Eva-Maria Nagl

"Da Tenn" (Die Tenne)

Öffnet man die schwere Holztüre zur neuen Tenne, zeigt sich ein Bau, in dem ursprüngliche Elemente wie Altholz, Stein und Gemäuer in Kombination mit neuen Utensilien harmonisch ineinanderfließen. Leinen, Loden und Leder zieren die Räume, in denen Holz dominiert. Vereinzelt sind alte Gegenstände, wie Bauernkästen, Werkzeug oder Küchenutensilien, behutsam und liebevoll als Dekoration aufgestellt. Eine Komposition, die auf Zeitreise einlädt.

,,Holzdecken machten früher den Charme einiger Räume aus. Zudem waren dicke, schwarze Tram (heute würde man Balken sagen) angebracht. Wir haben in der Tenne versucht, diesen Baustil aus früheren Zeiten in die Gästezimmer, die hier entstanden sind, zu integrieren. Genauso behutsam sind wir mit der alten Architektur im Bauernhaus selbst und in unserer Privatwohnung vorgegangen", erklärt Andreas und ergänzt: ,,2001 wurden zunächst die Grundmauern aufgemauert. Der obere Teil des Gebäudes wurde ausgehöhlt, nur die Fassade blieb stehen. Innen wurde dann gedämmt. 2008 war das Haus inklusive der Apartments fertiggestellt. 2012 wurde der Neubau vom Stall gestartet, Fertigstellung war 2017. Das Ergebnis erfüllt uns mit Freude und zugleich Stolz. Es ist nicht selbstverständlich, dass eine junge Generation etwas ,Altes', wie beispielsweise diesen Hof, zu schätzen weiß. Sollte jemand am Wert und der Schönheit alter Gebäude zweifeln, ist er bei uns zur Besichtigung jederzeit herzlich willkommen."

Ramsbergerhof, bäuerliche Architektur © Die Sennerin, Eva-Maria Nagl

Altes gehört geschätzt

Die ersten Sommerfrischler kamen in den 30er – Jahren auf den Ramsbergerhof - seither hat sich viel getan.

,,Mittlerweile sind wir ein ganzjährig geöffneter Familienbetrieb. Neben vielen Stammgästen empfangen wir vor allem Naturfreunde und Wanderer bzw. Wintersportler", erzählt Brigitte und zeigt alte Bilder in der Stube im Erdgeschoss. Was in diesem Raum besonders ins Auge sticht, ist ein alter Kachelofen.

,,Ein Kachelofen gehört zu einem Bauernhaus einfach dazu - genauso wie alte Antiquitäten. Und wer einen alten Hof renovieren möchte, der sollte auf all diese Unikate gut Acht geben. Genauso ist es mit der Architektur. Meist gibt es einen Grund für bestimmte Bauweisen. Zum Beispiel wurde bei der Ausrichtung der Höfe auf das Wetter geachtet oder auf Umweltgefahren, wie Lawinen und Hochwasser. Früher wurde sehr viel mit Hausverstand gebaut. Deshalb sollte man sich bei einer Renovierung nach der alten Architektur richten und nicht alles neu erfinden wollen. Neu machen kann jeder. Aber aus etwas Altem, das schon Leben hat und eine Geschichte transportiert, etwas zu kreieren, das für die Ewigkeit in seiner Ursprünglichkeit bestehen darf, das ist etwas Besonderes und ein wahres Geschenk", meint Brigitte.

Für künftige Bauherrn hat Andreas einen abschließenden Tipp: ,,Bei alten Gebäuden, wie unserem Hof, muss man immer mit Überraschungen rechnen. Und es gibt nur wenige Architekten, die mit altem Baustil gut umgehen können. In unserem Fall waren es jedenfalls viele kleine Handwerksbetriebe, die mit ihrem Wissen und der Kenntnis traditioneller Bauweisen ideale Partner für dieses Bauprojekt waren. Daher möchten wir nochmal ein großes Dankeschön an all unsere Helfer aussprechen, die mit Hirn und Herz dabei waren."

Ramsbergerhof, Hoftafel © Die Sennerin, Eva-Maria Nagl