Vom Bergbauernbub zum Familienvater, Koch und Gastgeber

Blogartikel // 13. Feb. 2020
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Der Bergbauernhof Irxner in Schladming blickt auf eine lange, schicksalhafte Geschichte zurück. Eines ist damals wie heute jedoch eine wahre Konstante: Der herzliche Umgang mit Gästen aus Nah und Fern. Willkommen ist hier jeder, auch bellende Mieter auf vier Pfoten.

Johannes Höflehner sieht sich nicht als den typischen Bauer, sofern es diesen Stereotyp überhaupt gibt. Mit seinen vierzig Jahren hat er weite Teile der Welt gesehen, bereiste über ein Dutzend Mal Länder in Asien und Amerika und lernte andere Kulturen und Gepflogenheiten kennen. Seine Conclusio: „Gerade in Asien wirken die Menschen zufriedener, wenngleich sie mit weniger auskommen müssen, als wir Europäer.“

Die Masse an Angebot und Fortschritt, verbunden mit dem stetigen Drang nach mehr Leistung hinterlässt unaufhörlich seine Spuren. Und lässt die Menschen nach Ruhe, Natur und Frieden suchen. Diese Sehnsucht führt einen Teil von ihnen, vorwiegend Familien, nach Schladming auf den Bergbauernhof Irxner.

Johannes Höflehner vor Bergkulisse © Daniel Gollner

Weihnachten mit Familie und Gästen

Die alten Gemäuer haben schon vieles gesehen: Waren Heimat von familiären Schicksalen, stemmten sich mit aller Kraft gegen Gewitterstürme und boten stets einen warmen Platz an kalten Wintertagen. Heute lenkt Johannes Höflehner mit Frau Caroline die Geschicke, Sohn Julian hilft bereits eifrig mit.

Johannes wuchs hier auf und lernte das Leben am Berg von Kindesbeinen an mit all seinen Sonnen- und Schattenseiten kennen. Missen möchte er diese Erfahrungen nicht. Wegziehen tut es ihn ebenso nicht. Vielmehr geht es ihm darum, seinen Gästen die Landschaft und Natur, die er bestens kennt, näher zu bringen. „Seit ich mich erinnern kann, haben wir am Irxnerhof nie alleine Weihnachten gefeiert. Gemeinsam mit den Gästekindern saßen wir unterm Weihnachtsbaum, sangen Lieder, sprachen Gedichte, feierten die Geburt Jesu Christi.“ Aus diesen Abenden entstanden Freundschaften fürs Leben.

Generell darf man sich über einen sehr großen Stammgästeanteil freuen. Mit vielen verbinden Johannes und seine Frau herzliche Geschichten, nette Erlebnisse. Einer Gästefamilie wiederum verdankt er das Glück, heute noch eine Mutter an seiner Seite zu haben: „Die Mutter eines Gästekindes rettete meiner einst das Leben, als diese sich sehr schwer verletzte. Sowas schweißt ewiglich zusammen.“

Bauer mit Söhnen auf dem Weg zur Fütterung © Daniel Gollner

Gelernte Hausmannskost

Den Irxnerhof selbst krempelte man nach der Übernahme ein wenig um: Stellte die Milchwirtschaft ein, „zu viel Aufwand für zu wenig Geld“, versorgte das Haus mit funktionierendem W-Lan und garantiert beste regionale Küche, für die Johannes als gelernter Koch selbst verantwortlich ist:

„Wir bieten unsere Zimmer und Ferienwohnungen mit Frühstück oder Halbpension an. Aufgrund der abgeschiedenen Lage können wir es unseren Gästen nicht zumuten, jeden Abend wegfahren zu müssen.“ Die Witterungsverhältnisse würden das zudem nicht immer zulassen, braucht man im Winter schon mal Schneeketten, um den Hof zu erreichen.

Auf den Teller kommt, was die eigene Landwirtschaft und die umliegenden Produzenten hergeben: „Die Leute kommen zu uns wegen der regionalen Küche, sie wollen die typische Hausmannskost.“ Ab und an darf es was Kreatives aus anderen Ländern sein, aber eben nur zum Drüberstreuen, nicht als Standardangebot.

Tauschen möchte Johannes nicht: „Ich möchte nicht in die Stadt ziehen, sondern genau dableiben, wo ich bin.“ Auch wenn es nicht immer einfach ist, im Hinblick auf wachsende Auflagen und Verbote. „Wir bieten ,Urlaub mit Hund‘ an, gerade dieses Thema verlangt derzeit Sensibilität. Almbauern, deren Vieh und die vorbeiziehenden Wanderer mit ihren Vierbeinern hatten in der Vergangenheit nicht die beste mediale Berichterstattung. Vieles ist passiert, das auf beiden Seiten verunsichert und dazu führte, dass einige Schladminger Wanderwege für Hunde aktuell gesperrt sind.“ Die Beweggründe der Landwirte kann Johannes verstehen, „an deren Willen scheitert es nicht, vielmehr sei es eine Frage der Haftung“.

Majoran im Kräuterbeet © Daniel Gollner

Für die Nachwelt erhalten

Leichter wird es nicht, findet er: „Die beste Zeit zum Aufwachsen hatte meine Ära. Meine Eltern hatten es schwer in der Nachkriegszeit, mein Sohn wird es aufgrund der wachsenden Vorschriften auch nicht leichter haben.“ Doch die Zeit war immer schon im Wandel. Was kommt, vermag niemand zu sagen.

Was jedoch hier am Irxnerhof alle mit Sicherheit wissen ist, dass sie an einem wunderschönen Fleck Erde leben dürfen und diesen für die Nachwelt und die Gäste noch lange in dieser Form erhalten möchten.

Bub nascht im Gemüsegarten  © Daniel Gollner