Der Filmacher von „Bauer unser“ im Interview

Blogartikel // 23. Juli 2018
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„Weg mit den Klischees!“ - Robert Schabus, Regisseur des mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilms „Bauer unser“ im Interview mit Edith Sabath-Kerschbaumer

„Mir würde kein Beruf einfallen, der so vielfältig ist, wie der des Bauern und der Bäuerin. Es gibt so viele unterschiedliche Arbeitsfelder auf Höfen, die sich die Kleinteiligkeit noch bewahrt haben. Aber es gibt Bauernhöfe, wo es leider nicht mehr so ist.“ Robert Schabus über seine Herkunft, Strukturwandel, Realität in der Landwirtschaft, Verantwortung von Politik und Konsumenten.

Schabus mit Edith und Marlies © UaB Kärnten
Zur Person: Robert Schabus 47 Jahre, Filmemacher im sozial dokumentarischen Bereich hat Philosophie, Pädagogik und Medienkommunikation studiert und ist als einer von 3 Brüdern auf einem Urlaub am Bauernhof -Betrieb im Gailtal/ Kärnten aufgewachsen und lebt in Klagenfurt.

Inwiefern hat dich das bäuerliche Umfeld in deiner Entwicklung geprägt?

„Das Aufwachsen am Bauernhof war unglaublich reichhaltig und vielfältig. Man lebt bei der Arbeit und auch mit der Arbeit, was in anderen Berufen nicht üblich ist. Wir mussten natürlich auch als Kinder helfen. Es gab eine Holzwerkstatt, wo wir schon als Kinder Holzregale für unsere Zimmer selber gebaut haben. Man macht viel für sich selber, lebt von den eigenen Produkten, hat mit Tieren, Natur und Maschinen zu tun. Sozial ist es mitunter ein enges Feld, weil man den ganzen Tag zusammen ist, oftmals auch generationsübergreifend und das ist manchmal nicht einfach. Wir hatten als eine der ersten „Troatkästen“ zur Vermietung. Es hat immer geheißen: „Seid freundlich zu den Gästen sein“! Das ist uns damals auch nicht schwergefallen, es waren ja auch Kinder dabei. Mit manchen ist man fast zusammen aufgewachsen, weil sie ja jedes Jahr gekommen sind.“

Wie ist die Idee zum Film „Bauer unser“ entstanden?

Durch mein Aufwachsen am Hof und die Verbindung zu meinem Bruder und seiner Frau, die den Hof heute führen, hatte ich eine Innensicht auf diesen Beruf. Mich hat dieser komisch- romantische Blick der Werbung auf die Landwirtschaft – der Bauer, der mit der Hand über die Weizenähren streicht, seine Kuh spazieren führt oder wo die Tiere sprechen können - immer sehr geärgert. Ich wollte dieses verklärte Bild - dass zum großen Teil vom Handel aber auch von der Tourismusbranche gezeichnet wird - ein wenig zurechtrücken.

Ich wollte ein Bild der Landwirtschaft zeichnen, wie sie ist, zeigen wie es den Menschen dort geht, wie das politische Spiel funktioniert, wer Druck ausübt und wer an der Landwirtschaft verdient.

Der Bauernhof - ein Stück heile Welt?

Der Urlaubsort Bauernhof ist vielleicht deshalb besonders, weil er nahe an der bäuerlichen Arbeit, den Tieren, nahe an jenen Menschen ist, die unsere Nahrungsmittel erzeugen. Der Bauernhof ist ein Ort, wo die Arbeit etwas Persönliches ist. Alles was man tut, hat unmittelbare Auswirkungen auf einen selbst, auf die Tiere und Umwelt- man trägt große Verantwortung! Aber der Bauernhof ist keinesfalls eine heile Welt, weil die Arbeitsverhältnisse nicht gut sind, die Stundenlöhne schlecht sind und weil die Preise für die bäuerlichen Produkte im Keller sind!

Wo bleibt die Verantwortung des Konsumenten?

Wenn ich vor dem Supermarktregal mit 15 Sorten Milch stehe, wie soll ich als Konsument wissen welche gut ist? Dann vom Konsumenten zu verlangen „Kauf die teure Milch, damit die Bauern einen höheren Erlös haben“! ist falsch. Und bei veredelten Produkten wird´s dann noch viel komplizierter für die Konsumenten, zu wissen, wo die einzelnen Bestandteile herkommen. Es ist ein Trick der Politik, sich auf die Konsumenten auszureden. Der sogenannte „Freie Markt“ muss gestaltet werden. Der internationale freie Wettbewerb funktioniert einfach nicht, weil es bereits eine Landes- oder Bundesgrenze weiter ganz andere Produktionsmethoden gibt. Ein österreichischer Milchbauer kann mit einem aus Norddeutschland einfach preislich nicht mithalten.

Was hat zum Preisverfall in der Landwirtschaft geführt- bzw. welche Lösungen gibt es?

Es gibt ein Interesse der Wirtschaft, dass Lebensmittel billig sind, damit genug Geld da ist, dass in unsere Konsumwirtschaft fließen kann. Wir haben in Österreich einen sehr konzentrierten Lebensmittelhandel. Wenn da eine der Supermarktketten den Preis senkt, gehen alle anderen mit. Dieser starke Wettbewerb drückt die Preise auf Dauer immer weiter nach unten. Die Marge für den Handel bleibt aber immer die gleiche. Dieser Wettbewerb wird auf dem Rücken der Bauern ausgetragen. Auch ganz grundsätzlich bildet sich der Wert der bäuerlichen Produkte im Preis überhaupt nicht mehr aus. Das ist wieder nur möglich, weil die Landwirtschaft subventioniert wird. Aber eigentlich sind die Lebensmittel nicht so billig, wie wir glauben. Denn am Monatsletzten zahlen wir über die Steuern auch die Subventionen mit. Das ist auch für die bäuerlichen Familien eine sehr unbefriedigende Situation. Um es provokant zu formulieren: Man könnte auch den Produkten im Supermarkt wieder den Preis geben, den sie wert sind. Und wir subventionieren dann die Menschen, die sich die Lebensmittel nicht mehr leisten können. Dann wäre auch transparenter, was da eigentlich passiert. Eigentlich werden nicht die Bauern subventioniert, sondern unser Wirtschaftssystem.

Wo stehen wir in 10 Jahren?

Wenn die Rahmenbedingungen sich nicht ändern, wird sich die Anzahl der Betriebe sicherlich weiter stark verringern. Gerade bei den Nebenerwerbsbetrieben ist dann beim Generationswechsel die Frage, wer sich das überhaupt noch antut. Man müsste eigentlich jeden belohnen der sich das antut.

Wir bezeichnen uns als selbst als Botschafter der bäuerlichen Welt, welchen Tipp kannst du uns geben?

Nichts zu behübschen und nichts zu verklären, die Realität ist das Um und Auf. Man kann den Leuten die Wahrheit zumuten, die bäuerliche Welt ist wie sie ist und sie ist eben mehr als romantische Handarbeit im Sonnenuntergang. Bäuerliche Arbeit bedeutet Maschineneinsatz, und auch, dass der Fleischhauer die Tiere abholt. Die Kluft zwischen Konsumenten und Bauern ist auch deshalb so groß geworden weil die Klischeebilder die Realität nicht abbilden. Daher weg mit den Klischees, die Stalltüren aufmachen und Leute einladen. Schule am Bauernhof ist ein positives Beispiel dafür.

Was suchen die Gäste bei UaB

Die Gäste suchen wohl ein Art von Ursprünglichkeit, so etwas wie eine Verbundenheit zum Leben. Und das ist am Bauernhof schon auch noch zu finden. Aber es wird weniger.

Sein bekanntestes Projekt "Bauer unser"