Eine Auszeit weit weg vom Alltag

Blogartikel // 18. Juni 2020
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Als Salzburgexpertin kann ich es kaum glauben. Hintermuhr? Wo das wohl ist? Da muss ich doch tatsächlich erst einmal googeln. Aha, im Salzburger Lungau. Aber eben entgegengesetzt der Richtung, die ich sonst meist einschlage.

Die Hinfahrt gestaltet sich sehr angenehm. Nach der Autobahnausfahrt St. Michael links rauf und dann immer geradeaus. Muhr – Ziel erreicht, das ging ja schnell. Ach so – nein, Hintermuhr suche ich, wird wohl noch ein Stück sein. Ich fahre vorbei an der Kirche, die frühsommerlich blühenden Wiesen entlang, immer weiter ins Tal. Den letzten Hof hinter mir gelassen frage ich mich, wo sich dieses Pöllitzgut wohl verbirgt? Ah dort oben, das muss es sein! Einmal um die Kurve, den Nationalparkschranken passiert, fahre ich rauf.

Pöllitzgut in Muhr © Bernd Suppan

Dieses wunderschöne Anwesen beeindruckt mich. „Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers“, kommt mir gerade in den Sinn, als mir die Gastgeberin Heidi Rauter entgegenkommt, um mich zu begrüßen.

Der alte Hof inklusive Troadkasten und Tenn wurde in jahrelanger Arbeit mit viel Herzblut renoviert und erstrahlt nun in modernem Glanz. Zwei Ferienwohnungen und der Troadkasten beherbergen Gäste, die genau das suchen, was es hier gibt, während es vielerorts längst fehlt: die Möglichkeit einer echten Auszeit weit abseits des hektischen Alltagsgeschehens.

Troadkasten am Pöllitzgut © Bernd Suppan

Das Pöllitzgut liegt am Rande des Nationalparks. Umgeben von idyllischer Natur bietet sich der Hof deshalb als Ausgangspunkt für Wanderungen und Radtouren an. Den Drang unbedingt etwas unternehmen zu müssen einmal überwunden, kann man sich natürlich auch einfach raus setzen und der Stille lauschen und diesen fast mystischen Ort auf sich wirken lassen.

Die Ferienwohnungen selbst versprühen ein Gefühl von Luxus und Leichtigkeit. Designelemente wechseln sich mit historischen Einrichtungsgegenständen ab. Es fehlt wirklich an nichts. Und die Geschichte des Hauses kann man bei jedem Schritt spüren und manchmal sogar hören.

Etwas ruhiger dürfen es auf dem Pöllitzgut auch die Tiere angehen. Vier Muttertkühe mit ihrer Nachzucht leben hier. Es sind Pustertaler Sprinzen, eine alte Nutztierrasse, die inzwischen als hochgefährdet gilt. Außerdem gibt es Isländerpferde und eine gemischte Schafherde – Dorperschafe, alpine Steinschafe und Juraschafe. Die Kühe, Isländer und Schafe verbringen ihren Sommer weiter oben auf der Alm. Am Hof bleiben die Hühner, die vorher auf einem Bio-Legebetrieb zuhause waren. Nachdem sie ihren Legehöhepunkt überschritten hatten, sind sie aufs Pöllitzgut übersiedelt. Hier dürfen sie sozusagen ihre Pension in der wundervollen Natur genießen, wenn sie Lust haben ab und zu ein Ei legen und damit die Gäste am Hof überraschen. Eine kleine Gegenwelt zur industriellen Landwirtschaft.

Das Halligalli der großen Touristenhotspots sucht man am Pöllitzgut vergebens. Und das wird gottseidank auch so bleiben.