Mohnzelten & Wollwerkstatt beim Landurlaub im Waldviertel

Blogartikel // 27. Feb. 2017
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“Im Sommer grillen wir zusammen, und dann kommen die Gäste und sagen, ‘Schau, Maria. Da oben, die Sterne. So viele und so klar! Es ist so schön bei Euch hier im Waldviertel. So eine gute Luft. Wir schlafen hier so entspannt, herrlich diese Stille.’ Weißt Du, Elena, das wird immer mehr wert”, spricht Maria und sieht mir mit ihrem gütigen Blick tief in die Augen. Ein schelmisches Lächeln huscht über ihr Gesicht: “Aber jetzt kosten wir erst mal die frischen Mohnzelten, die ich heute Morgen gebacken habe. Für die Gäste mache ich das immer, und hab’ so eine Freude wenn es ihnen dann auch schmeckt.” Da bin ich nun gespannt, denn gute Mohnzelten kenne ich ja noch aus meiner Kindheit bzw. von der eigenen Oma, die selbst einen guten Teil ihres Lebens hier im oben im Waldviertel, und noch dazu ganz in der Nähe von Oma Rienesl, Freitzenschlag bei Groß Gerungs, verbracht hat.

Und dann kommt er, der Biss in die besten Mohnzelten meines Lebens! Ich bin sprachlos vor Genussglück.

“Willst’ Dir welche mit heim nehmen? Komm, ich pack’ sie Dir ein”, lacht Maria da.
Sagenhafte 12 Stück der köstlichen, mit viel Liebe von Hand gemachten Mohnzelten packt sie mir ein – und lässt es sich nicht nehmen, die schöne Kuchenschachtel dazu auch noch mit einem echten Stück handgesponnener Wolle zuzubinden.

Mit Liebe von Hand gemacht: So lautet das Motto der fröhlichen Achtzigjährigen.

Maria Rienesl ist schon etwas Besonderes. Längst hat ihr Sohn das Tagesgeschäft ihrer Privatzimmervermietung im Waldviertel übernommen, und doch lässt es sich die wahrlich rüstige Oma (und Ur-Oma, wie sie stolz betont!) nicht nehmen, sich nach wie vor mit Dingen wie “dem Internet, Emails und meinem Computer” zu beschäftigen ..! Voller Selbstverständlichkeit zeigt sie mir ihren Eintrag im Netz und betont, dass sämtliche Anfragen mittlerweile “über den Computer” kommen: “Kaum jemand ruft heute noch an”, bedauert sie. “Aber wenn sie dann erst mal da sind, ach was haben wir jedes Mal für eine Freude zusammen”, sagt sie voller Freude über ihre Gäste. “Noch heute habe ich Leute, die mehrere Wochen bei uns buchen. Weil es so schön ist, und sie hier wirklich entspannen können. Und wir machen’s einfach, aber gut, das ist ihnen allen das Liebste”, sagt sie mit Stolz in der Stimme.

In Maria Rienesl’s Küche schließlich ist es, wo Gäste wirklich ankommen und zu Freunden, ja zu Familie werden. Herrlich, die Offenheit der “lieben alten Dame” von Welt!

Voller Rührung zeigt sie mir eine bunte Sammlung teils alter, teils neuer Fotos, Weihnachtskarten und Andenken ihrer vielen vielen Gäste, die über Jahrzehnte bei ihr ein und aus gegangen sind. Zu vielen hat sie noch Kontakt, und einige sind ihr bis heute treu geblieben: “Da schau, der erste Eintrag im Gästebuch … August 1983!” – “Ein Monat vor meiner Geburt”, stoße ich überrascht aus und muss erneut lächeln. Rührung packt auch mich, als wir uns nach wenigen Stunden des Zusammenseins aufmachen, die Tradition der “lieben Gäste unseres Hauses” fortzusetzen und ein Selfie aufnehmen, welches ich ihr verspreche zu entwickeln und zuzuschicken. Wie meiner eigenen Oma, eben.