Er trägt sein Erbe in die Zukunft

Blogartikel // 20. Feb. 2019
Auf Facebook teilen
Auf Twitter teilen
Auf Google+ teilen

Die Ruhe, die Landschaft, die eigenen Kindheitserinnerungen und das Freiheitsgefühl, welches die Gäste am Bergbauernhof der Familie Ganahl finden, lässt diese immer wiederkehren und gibt Jungbauer Thomas Ganahl recht:

Zuhause ist es eben am schönsten.

Thomas Ganahl zog es nie in die weite Welt hinaus, um zu verstehen, dass es Zuhause am schönsten ist. Nein, er wusste das schon immer. Am elterlichen Bergbauernhof in der Gemeinde Bartholomäberg im Montafon aufgewachsen, lernte er schon als Kind eine Freiheit kennen, die heute noch so manchem Erwachsenen fremd ist. „Ich habe schnell verstanden, dass ein Leben am Bergbauernhof mit viel Arbeit verbunden ist. Aber ich hatte auch das Privileg, als junger Bub alleine durch den Wald zu streunen und mit dem Fahrrad viele Kilometer zu fahren, ohne die Angst zu haben, dass ich gleich an eine vielbefahrene Straße gelange. Oder die vielen fröhlichen Nachmittage, wo wir gemeinsam mit den Nachbarskindern auf alten Go-Karts mit Holzrädern unsere Runden drehten, wie es einst schon unsere Väter getan haben.“ Es sind jene Erinnerungen, die bleiben. Und um solche Momente zu erleben, zieht es immer wieder Gäste aus Nah und Fern auf den Hof der Familie Ganahl. Manche Stammgäste kommen schon seit 50 Jahren hierher. Mit deren Kindern ist Thomas aufgewachsen und mit deren Eltern war einst der Vater erwachsen geworden. Die Schnelllebigkeit der Zeit einerseits und die Suche nach Ruhe andererseits sowie der Drang nach dem Verstehen, wie gesunde Lebensmittel nachhaltig und ehrlich produziert werden, diese Sehnsucht leitet die Menschen. „Wenn man selbst berufstätig ist und einen der Alltagsstress fest im Griff hat, interessiert einen der Trubel an den Stränden wie Lignano eher weniger. Statt ans Meer fährt man in die Berge. Urlaub am Bauernhof ist der ideale Ort zu Erholung. Die Eltern können die Kinder einfach mal Laufen lassen und müssen nicht besorgt hinterherrennen.“

Bauer bei der Stallarbeit © Daniel Gollner

Von Generation zu Generation

Schon dem Großvater von Thomas war seinerzeit bewusst, dass es mit der Milchwirtschaft alleine kein Überleben gibt, früh begann man mit der Zimmervermietung. Zu Spitzenzeiten, wenn alle Zimmer im Bauernhaus vermietet waren, wurde der Vater von Thomas schon mal kurzerhand mit seinen Brüdern in den Stall ausquartiert, wo man ihnen ein Zimmer ausbaute und einrichtete. Der Vater selbst entdeckte schließlich einen neuen Zweig in der Milchwirtschaft für sich: Die Produktion von Käse. Sauerkäse um genau zu sein. Ein Produkt, für welches das Montafon weithin bekannt ist. Was mit einem kleinen Arbeitsbereich in der eigenen Hofküche begann, wuchs über die Jahre mit den Ideen von Thomas zu einer eigenen Käserei heran: „Ich habe mir viele Betriebe angesehen, die auch diesen Weg gegangen sind. Vor einem Jahr haben wir begonnen, eine neue Käserei zu bauen, mit der wir in der Lage sind, verschiedene Sorten zu produzieren.“ Ein Konzept, das hält, was von ihm erwartet wurde. Denn die Gäste können bei Besichtigungen und Verkostungen den Blick über den Tellerrand hinauswagen und selbst sehen, wie viel Arbeit es in einem Berggebiet braucht, bis ein Lebensmittel am Tisch ist. „Wir wollen Bewusstsein schaffen, wie der Weg vom Gras zum Lebensmittel funktioniert“, erklärt Thomas. Ob auf der bewirtschafteten Alm oder am heimatlichen Hof, bei Almfesten oder in den Gastronomiebetrieben, welche die Familie Ganahl mit ihren erzeugten Waren beliefert. „Wenn wir schlachten, dann vermarkten wir alles selbst. Wir sprechen die Betriebe an, die Qualität aus der Region haben wollen und dem Gast das vermitteln können. Der Konsument achtet immer mehr darauf, wo was herkommt. Viele kommen zu uns und essen unser Fleisch, obwohl sie sonst darauf verzichten. Hier können sie es mit gutem Gewissen genießen.“

Bauer in der Hofkaeserei © Daniel Gollner

Bio aus Überzeugung

Die Linie der Qualität und dem achtsamen Umgang mit dem, was einem die Natur gegeben hat, zieht sich durch. Ob in der Fleischverarbeitung oder bei der Milchwirtschaft. Man ist seit 1996 aus Überzeugung Biobetrieb, obwohl es keinen Cent mehr in die Kassen bringt: „Es gibt von der Molkerei keinen Biomilchzuschlag, weil es für sie aufgrund des kleinen Tales und der geringen Milchmenge nicht rentabel ist, unsere Biomilch separat abzuholen. Normal steigt man unser solchen Bedingungen aus, wir leben diese Philosophie jedoch aus Überzeugung“, zeigt sich Thomas stolz. Fortschrittliches Denken ist eben keine leere Floskel: „Innovativ sein und investieren ist ein klarer Weg, den wir mitverfolgen werden.“ Ob es dann gleich ein Melkroboter sein muss? Das kann Thomas noch nicht sagen, aber Fakt ist, dass es gerade auch im Fütterungsbereich neue Techniken gibt, die die Arbeit immens erleichtern.

Stellt sich letztlich noch die Frage: Warum tut man sich diesen Knochenjob an? „Weil ich ein Idealist bin. Ich bin hier aufgewachsen und habe den Betrieb von meinem Vater übernommen, welcher mir stets gelehrt hat, welche Werte im Leben zählen. Er hat nie gejammert und aus allem das Beste gemacht. Dieses Erbe möchte ich fortführen. Für mich ist das nie zur Debatte gestanden, auch meinen beiden Geschwistern war das stets klar. Und dabei spielt noch etwas ganz Zentrales eine Rolle: Denn wer, wenn nicht wir Bauern, soll die Kulturlandschaft erhalten? Ich glaube, es ist vielen nach wie vor nicht bewusst, dass Almen und Skipisten längst verwachsen wären, würden wir nicht Landschaftspflege betreiben. Letztlich würde mir einfach etwas fehlen, wenn ich dies alles nicht mehr hätte. Nur ein Haus am Land allein? Damit könnte ich nicht glücklich werden.“ 

Abholung der Milch vom Hof © Daniel Gollner
Das könnte dich auch interessieren ...