Es is afoch schen!

Blogartikel // 23. März 2021
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Urlaub am Bauernhof beschert nicht nur den Gästen schöne Erinnerungen. Auch die Gastgeber denken gern an gemeinsam Erlebtes zurück und freuen sich auf bessere Zeiten.

Eine Serie quer durch die Bundesländer von Elisabeth Freundlinger

Gabi Kerndler vom Kerndlerhof im niederösterreichischen Bergland hat schon eine besondere Beziehung zu ihren Gästen. „Letzten Sommer war eine Familie bei uns, langjährige Stammgäste, die Kinder sind inzwischen im Teenager-Alter. Wir haben uns natürlich genau an die Distanz-Vorschriften gehalten, obwohl wir uns auch ständig testen. Irgendwann sind mir die Jugendlichen auf der Treppe entgegengekommen, haben sich kurz umgeschaut, ob uns eh keiner sieht, und dann sind wir uns in die Arme gefallen und haben alle geweint. Stell dir vor: Teenager!“

Aber wenn man mit dem Herzen hinter der Vermietung steht, wie Gabi Kerndler, dann wird es mitunter emotional. Oder, wie die Bäuerin vom Kerndlerhof es ausdrückt: „Wenn du moanst was du tuast, dann g‘spirn des die Gäst. Und des kommt dann a wieder z’ruck.“

Bäuerin mit zwei Mädchen und Kitz am Kerndlerhof in Niederösterreich © Kerndler

Zwischen Donau und Berg

Mittereichen liegt am Scheitelpunkt der großen Donauschlinge Ybbs und Wieselburg. Für Urlauber eröffnen sich in diesem Teil des Mostviertels viele unterschiedliche Möglichkeiten, von den Radwegen entlang der Donau in der Wachau bis zu Wandertouren im Bergland um den markanten Ötscher. Auf dem Kerndlerhof gibt es für die Gäste von Urlaub am Bauernhof drei Familienzimmer und vier Suiten, eine davon mit dem vielsagenden Namen „Ötscherblick“. Außerdem stehen ein weiträumiger Spielplatz und sogar ein überdachtes Schwimmbad bereit. Alles tipp-topp. „In den letzten Monaten haben wir alle Zimmer neu g’farbelt und den Spielplatz erweitert“, berichtet Gabi Kerndler, denn „wir wollen eine Qualität bieten, die wir uns selber wünschen, wenn wir auf Urlaub fahren.“

Hofansicht Kerndlerhof in Niederösterreich © Kerndler

Gemeinsam schaffen wir das!

Seit dem Jahr 1894 ist der Hof im Besitz der Familie. Gabi und Ehemann Hans haben den Betrieb von den Eltern übernommen und inzwischen an Sohn Lukas weitergegeben. Jetzt leben und arbeiten drei Generationen am Hof. Die Stärke der Kerndlers ist der Zusammenhalt der Familie. „Wir bilden eine starke Gemeinschaft“, erzählt Gabi Kerndler. „Alt und Jung können gut miteinander. Jeder hat seine Marotten, und jeder von uns weiß und kann etwas anderes. Gemeinsam können wir alles schaffen.“

Familie Kerndler vom Kerndlerhof in Niederösterreich © Kerndler

Wo das Essen herkommt

Seit 1973 vermieten die Kerndlers an Gäste. Die Familie sieht dies nicht nur als zusätzliche Einnahmequelle, sondern vor allem als große Aufgabe. „Die Gäste verbringen die wichtigste Zeit ihres Lebens bei uns, ihren Urlaub – das sehen wir als Verantwortung. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass sie sich wohl fühlen.“

Weil Urlaub immer auch bedeutet, neue Erfahrungen zu machen, können die Gäste – so sie das wollen – überall mit dabei sein. Ob das nun im Stall ist oder in der Küche, wo Gabi und Sohn Lukas regionale Produkte zubereiten – denn auf Wunsch gibt es am Kerndlerhof Vollverpflegung. „Wir gehen miteinander in den Garten und pflücken das Gemüse, dann schauen wir gemeinsam, was wir damit machen können. Das Fleisch auf unseren Tellern kommt von unserem Hof und hat einen Namen. Diese Wahrheit vermitteln wir auch den Gästen. Unsere Tiere haben vom ersten bis zum letzten Tag ein gutes Leben, und wenn es vorbei ist, darf man ruhig auch ein bisserl traurig sein. Aber es darf dann aber auch gut schmecken. So ist das Leben, so sind unsere Lebensmittel. Die Gäste schätzen diesen ehrlichen Umgang“, meint die Bäuerin.

Ziege mit Kitz am Kerndlerhof in Niederösterreich © Kerndler

Jacky, Rosa & Co.

Das Tierwohl spielt auf dem Kerndlerhof eine große Rolle. Eine wirklich tolle Idee will Gabi auch als Tipp an andere Vermieterinnen weitergeben: Auf dem Kerndlerhof werden die Kleintiere nämlich im Kinderwagerl transportiert. „Wir haben da schon einen richtigen Fuhrpark beieinander, und ich polstere alle Kinder- und Puppenwagerln sorgfältig mit Heu und Stroh aus“, erzählt Bauernhof-Gabi, wie sie von den Gästekindern genannt wird. „Seit die Kinder die Viecher nicht mehr so umeinandazahn, haben wir auch keine ‚Zerliebunsfälle‘ mehr.“ Im Schongang gelangen die kleinen Fellnasen ganz behutsam vom Stall ins Freigehege und wieder retour. Die Kinder haben ihren Spaß daran, und die Tiere schätzen die Fürsorge. „Die Hasen hupfen inzwischen freiwillig hinein, und die Mamakatze hat letztens ihre Jungen sogar gleich im Wagerl zur Welt gebracht, weil‘s dort so fein ist.“

Auf Facebook postet die Bäuerin stets die News aus dem Streichelzoo. Ob das nun die Abenteuer von Labradorhündin Jacky sind oder die Geburt von Zwerghängebauchferkel Rosa.

Schaf und Hase am Kerndlerhof in Niederösterreich © Steve Haider

Alles dran!

Gabi Kerndlers ganz besondere Geschichte handelt vom siebenjährigen Pauli und Meerschweinchen Emma. „Wir haben beim Mittagessen auf den Buben gewartet und ihn schon überall gesucht. Plötzlich ist er hereingestürmt, total aufgeregt. – Wo warst denn so lang?, haben wir ihn gefragt. – Ich hab nicht zum Essen kommen können, denn die Emma hat ein Junges gekriegt! Das ist ganz schnell aus ihrem Popo geflutscht! Und das Baby ist schon ganz fertig, alles ist dran: Augen und Hände und Füße und Fell!“

Die Bäuerin lächelt: „Ich glaub‘ dieses Erlebnis vergisst Pauli nie mehr. Ich auch nicht.“

Mädchen mit 2 Hasen am Kerndlerhof in Niederösterreich  © Kerndler
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