Heuer ist alles anders

Blogartikel // 12. Feb. 2021
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Hofgeschichten aus einem etwas anderem Winter

Was für ein Winter: Schnee, Sonnenschein … und Lockdown. Gastgeber vermissen ihre Gäste! Wie haben die bäuerlichen Vermieterinnen und Vermieter eigentlich die letzten Monate verbracht?

Urlaub am Bauernhof-Betriebe zeigen sich persönlich.
Eine Serie quer durch die Bundesländer von Elisabeth Freundlinger

Ein Jahr lang haben Andreas Käferle und seine Frau Christina die neue Hütte geplant. Nachdem die Sommergäste weg waren, haben sie angefangen, zu bauen. Von 29. August bis 20. Dezember hat das gedauert, „eine Marathongeschichte“, wie Bauer Andreas sagt. Am 26. Dezember hätte das Chalet eingeweiht werden sollen. Hätte … denn dann kam der Lockdown, und die Buchung musste storniert werden.

„Gerade, wo wir so viel investiert haben, hat uns das schon hart getroffen. Normalerweise sind wir den ganzen Winter ausgebucht, und jetzt ist viel Schnee da – aber kein Gast.“

Bauer Andreas Käferle vom Kärntner Hauserhof sieht der Zukunft dennoch halbwegs gelassen entgegen. Die neue Hütte ist so schön geworden, das Interesse der Gäste ungebremst.

Mit drei Kindern (10, 8, 3) – zwei davon im schulpflichtigen Alter – war von Entspannung im Lockdown jedoch keine Rede. „Die ganze Energie, die sonst ins Vermieten fließt, ist im Home-Schooling draufgegangen“, lacht Andreas. „Zum Glück hat meine Frau das übernommen, die hat die besseren Nerven. Ich habe mich derweil um die Computerg‘schichten gekümmert.“

Almhütte vom Hauserhof in Kärnten im Winter © Hauserhof / Käferle

Perfekte Lage

Auf dem Hauserhof wird schon seit 1999 vermietet. 6 Ferienwohnungen auf zwei Häusern waren das bisher, 4 im Gästehaus und 2 direkt am Hof. Der schöne, alte Bauernhof, dessen Geschichte bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht, hat eine besondere Lage: direkt in der Region Nassfeld, nur zehn Minuten vom Pressegger See entfernt. Die Gegend ist winters wie sommers ein Hit. Das war aber nicht immer so, wie Andreas Käferle erzählt: „Der Tourismus ist bei uns erst nach der Jahrtausendwende so richtig losgegangen, als mit dem Ausbau des Skigebiets begonnen wurde – deshalb hatten wir hier anfangs auch nur Wintergäste am Hof. Der Sommertourismus hat dann erst allmählich nachgezogen. Durch die Gästecard, die die Region Nassfeld bereitstellt, sind wir jetzt das ganze Jahr über eine Top-Destination.“

Der See, die Berge, die Nähe zu Italien und Kärntens größtes Skigebiet. Das alles ist das Nassfeld. Diese Region ist auch besonders gastfreundlich. Die – kostenlose – Gästekarte ermöglicht die freie Nutzung von Gondelbahnen und Sessellift. „Für aktive Familien kommt da schon eine Ersparnis von 80 Euro pro Tag zusammen“, meint der Bauer vom Hauserhof.

Aussenansicht vom Hauserhof in Kärnten © Hauserhof / Käferle

Was die Gäste wollen

„Zur selben Zeit, als das Skigebiet ausgebaut wurde, hat mein Vater das Gästehaus aufgebaut. Als meine Frau Christina und ich 2008 den Betrieb übernommen haben, haben wir sukzessive in Qualität investiert. Denn es ist uns wichtig, dass die Gäste bei uns gut aufgehoben sind.“

So hat sich der Hauserhof mit den Jahren zu einem wahren Kinderparadies entwickelt, und die neue Hütte hat’s ebenfalls in sich. Dass es sie gibt, kam erst nach längerem Überlegen zustande. „Eigentlich wollten wir die beiden Ferienwohnungen im Bauernhaus renovieren. Wir haben die Gäste gefragt, was sie sich vorstellen und festgestellt, dass sie kein weiteres Appartement wollen – davon gibt‘s rundherum eh jede Menge – sondern eben ein Chalet, eine Hütte. Also haben wir diese Ferienwohnungen stillgelegt, nützen sie nur noch privat, und haben stattdessen die Hütte geplant. Nach den vielen Gesprächen mit unseren Gästen war uns klar, dass es etwas werden sollte, was nicht so alltäglich ist. Etwas richtig Schönes. Bei der Innengestaltung haben wir gut überlegt, welche Materialien wir verwenden wollen und auch, wie sich das gut reinigen lässt. Deshalb ist die Hütte jetzt reinigungsoptimiert! Und wir haben über die Bedürfnisse von Familien mit kleinen Kindern nachgedacht. Damit sie sich das ständige Stiegensteigen sparen, liegen die zwei Schlafzimmer unten. Im 1. Stock ist ein geräumiger Wohnraum und oben haben wir dann das Highlight für die größeren Kinder gebaut: den Schlafboden.“

Der Schlafboden ist ein gemütliches, schön gestaltetes „Matratzenlager“. Perfekt, um eine ganze Nacht lang durchzuquatschen und Gruselgeschichten zu erzählen. Tja, selber schuld. Wenn man Kinder fragt, wie sie es haben wollen, kommt dann so etwas Tolles heraus.

Innenansicht Schlafzimmer Hütte vom Hauserhof in Kärnten © Hauserhof / Käferle

Ein Herz für Kinder

Gästewünsche sind für das Vermieterpaar wichtiges Thema. „Wir haben Stück für Stück die Landwirtschaft zurückgefahren und uns auf Kinder- und Babybauernhof spezialisiert, weil die Vermietung das ist, was wir am liebsten machen.“

Diesem Motto entsprechend hat sich auch die Tierwelt am Hauserhof geändert. Jetzt gibt es außer den für die Landwirtschaft notwendigen Mastkälbern einen kuscheligen Streichelzoo mit Ponies, Katzen, Meerschweinchen, Hühnern, Schafen und Hasen. Die Milchkühe und Milchziegen werden im Sommer regelmäßig mit den Gästen auf der Alm besucht. Da sehen diese dann auch gleich, wie das Melken geht.

Weil die neue Hütte direkt am Hof liegt, können die Gäste vom Chalet für sich sein und dennoch das volle Angebot nützen. Gerade in Zeiten wie diesen ist das eine feine Möglichkeit. „Ja, wir haben jetzt vieles auf kontaktlos umgestellt. Das war mein Werk in diesen gästelosen Monaten“, sagt Bauer Andreas. „Ich habe die Homepage erneuert und die Gästemappe digitalisiert – das funktioniert jetzt mit einem QR-Code. Außerdem habe ich eine Möglichkeit eingerichtet, dass die Gäste unsere Hofprodukte über WhatsApp bestellen. Falls wir also weiterhin angewiesen sind, Kontakte zu meiden, sind wir vorbereitet.“

Eigentlich war noch für diesen Sommer eine zweite Hütte geplant … aber Andreas zögert noch mit der Entscheidung. „Vielleicht warten wir noch ein Jahr. Allerdings ist die Anfrage schon jetzt sehr groß. Wahrscheinlich riskieren wir es“, denkt er laut.

Immerhin hat der Hauserhof schon so manche Krise überstanden, etwa, als 1904 alles abgebrannt ist. „Man darf sich halt nicht unterkriegen lassen“, sagt Andreas. „Damals haben alle zusammengehalten und den Hof wieder aufgebaut. Heute arbeiten wir auch zusammen – meine Mutter, meine Frau und ich – und wir werden auch diese Krise schaffen.“

Kinder beim Grillen am Hauserhof in Kärnten © Hauserhof / Käferle
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