HOFOffice am Land

Blogartikel // 28. Apr. 2021
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Büro mit Ausblick

„Als freie Journalistin kann ich von überall ausarbeiten“, erzählt Marie. „Ich brauche nur mein Handy, den Laptop und eine gute Internetverbindung. Ich habe schon oft mit dem Gedanken gespielt, mal den ganzen Sommer außerhalb der Stadt zu verbringen. Weil ich projektorientiert arbeite, geraten mir Beruf und Freizeit sowieso immer durcheinander. Manchmal hänge ich am Abend oder auch am Wochenende ewig am Telefon, dafür habe ich auch schon so manchen sonnigen Wochentag mit einem guten Buch im Park verbracht. Jedes Mal denke ich dann: Warum sitze ich nicht längst am Strand oder in einer Almhütte? Statt zur Kaffeepause aus dem Fenster zu starren, könnte ich doch einen Waldspaziergang machen! Im Grünen kriegt man nach dem Arbeiten den Kopf viel schneller wieder frei.

Aber bisher habe ich die Idee nie umgesetzt. Solange mein Mann an die Bürozeiten gebunden war, kam das für mich sowieso nicht infrage. Bis jetzt jedenfalls.“

Maries Lebensgefährte Simon ist Steuerberater. Für ihn ist der Tag ganz klassisch eingeteilt: Von 9 bis 5 sitzt er im Büro, danach ist Feierabend. Und dann kam das Homeoffice. Was noch vor einem Jahr undenkbar war, funktioniert mittlerweile problemlos. Inzwischen verbringt Simon nur noch einen Tag pro Woche im Büro. Die restliche Zeit hat er sich im Schlafzimmer verschanzt, wo er sich eine Büronische eingerichtet hat. „Telefongespräche und Mails kann ich von daheim aus genauso gut erledigen“, sagt er. „So richtig gemütlich ist es freilich nicht.“

Und auf einmal ist Maries Traum von einem Longstay-Urlaub wieder da.

Hausbank für zwei © Ralph Fischbacher

Sommerfrische

Österreich zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Wer es sich leisten konnte, fuhr auf Sommerfrische. Die von der Hitze Geplagten entflohen der heißen Stadt und begaben sich mit Kind und Kegel aufs Land. Zur Erholung wählte man einen Ort mit gesundem Klima und viel Natur. Das Urlaubsdomizil musste auch vom Hauptwohnsitz aus gut erreichbar sein, damit die Männer wochentags ins Büro pendeln konnten. Die Frauen blieben mit den Kindern und Dienstboten im Grünen.

Durch die Möglichkeiten zu Fernreisen geriet dieser Trend immer mehr ins Abseits – Urlaub wurde zu einer Zeit, in der man wild abfeierte, Spektakuläres sah und wilde Abenteuer erlebte. Und das alles möglichst weit weg. Dank Klimawandel, immer heißeren Sommern und aktuellen Pandemie, gewinnt die Idee der Sommerfrische heute aber wieder an Bedeutung.

Es ist der Mix aus nachhaltigem Denken, Umweltbewusstsein und dem Bedürfnis nach optimaler Erholung, der diesen Trend zum Slow-Tourism dieser Tage wieder aufleben lässt.

Freilich haben sich viele Vorzeichen geändert. Man bleibt zwar länger an einem Ort, dennoch wird nicht hin- und hergefahren. Stattdessen loggt man sich zwischendurch via Skype, Zoom, Teams (oder wie sie alle heißen), in die Videokonferenz und zum Kundengespräch. Gependelt wird bestenfalls von der Hängematte unterm Apfelbaum zum Schreibtisch auf der Terrasse. Eine stabile Internetverbindung macht‘s möglich – und die findet man heutzutage auch auf dem entlegensten Bergbauernhof.

Kellerstöckl Weinek im Südburgenland © Markus Lackinger

"HOFOffice" oder Tapetenwechsel

„Ja, wir trauen uns“, sagt Marie.

Nach längerem Überlegen und Abwägen hat sich das Paar für einen Aufenthalt in Stadtnähe entschieden. „Die meisten von Simons Kunden sind – wie wir ja auch – in Wien zu Hause. Da er immer wieder mal persönlich mit den Leuten reden will und zeitweise in seinem Büro vorbeischauen muss, peilen wir das Burgenland an. Wahrscheinlich wird es ein Kellerstöckl, mitten in einem Weingarten. Sechs Wochen am Stück: Wie cool bitte ist denn das?“

Auch Simon ist begeistert. „Wir haben gerade die für uns richtige Location gefunden. Zwei Räume sind dabei, das ist fein, damit wir uns nicht gegenseitig beim Arbeiten stören – auch wenn wir beide davon träumen, mit unseren Laptops auf dem Bankerl vorm Haus zu sitzen. Aber da geht unsere Fantasie vielleicht zu weit.“

„Warten wir’s ab“, lacht Marie, die sich sicherheitshalber schon einen leistungsstarken Anbieter für mobiles Internet herausgesucht hat. „Natürlich bieten unsere Vermieter auch W-LAN an, aber ich geh gern auf Nummer sicher. Für meine Recherchen brauche ich ein stabiles Netz. Der mobile Internetwürfel gibt uns Unabhängigkeit und Flexibilität. Und die Möglichkeit, das Projekt „Arbeitsurlaub“ in Zukunft auszubauen. Dann fahren wir das nächste Jahr ins Salzkammergut!“

Frühstückstisch am Bauernhof im Freien © Bernd Suppan

Lebensraum Bauernhof

Ihre Location für das Projekt Sommerfrische hat das Paar über die Homepage von Urlaub am Bauernhof gefunden. „Ursprünglich wollten wir auf einen Bauernhof mit ganz vielen Tieren fahren. Wir durften das ja beide als Kinder selbst erleben und erinnern uns heute noch gern daran, wie herrlich das war, barfuß über die Wiesen zu laufen, Katzenbabys zu streicheln und das Frühstücksei selbst aus dem Nest zu holen. Die Vorstellung, so richtig gut ausgeschlafen zu sein, frisch gebackenes Biobrot zu frühstücken und danach mit dem Arbeiten anzufangen, ist schon sehr verlockend“, sagt Simon.

„Oder auf einen Reiterhof“, schwärmt Marie. „Dann könnte ich nach der Arbeit Reitstunden nehmen. Das wollte ich immer schon mal!“

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Breites Angebot

Für dieses Jahr wird es dann wohl eher der Drahtesel werden, die Fahrräder sind schon bereitgestellt. Die beiden freuen sich darauf, nachmittags mit den Rädern von Buschenschank zu Buschenschank zu ziehen und die vielen regionalen Spezialitäten zu kosten. Für das Pärchen ist das Kellerstöckl eine wirklich gute Wahl. „Wir hätten nicht gedacht, wie vielfältig das Angebot von Urlaub am Bauernhof ist“, sagt Simon. „Wenn wir mal Kinder haben, wird es sicher ein Kinderbauernhof!“

Das breite Angebot von Urlaub am Bauernhof macht’s möglich: Neben dem klassischen Bauernhof mit Kühen, Schweinen und Schafen gibt es zum Beispiel auch noch die Weinbauernhöfe im Osten Österreichs. Oder die Reiterhöfe und Vitalhöfe, die Biobauernhöfe und die Kinderbauernhöfe. Viele Bauernhöfe verfügen über barrierefreie Ferienwohnungen, und oft findet sich am Hof auch noch ein Wellnessbereich mit Sauna und Pool. Ferienwohnungen sind nicht nur geräumiger als Hotelzimmer, sie geben auch mehr Freiheit. (Ganz abgesehen von der zurzeit notwendigen Distanz.)

Bei allen Möglichkeiten, für sich zu bleiben, ist der größte Unterschied zum Hotel aber der Familienanschluss auf dem Bauernhof. Hier kann man in ein ganz neues Leben hineinschnuppern: Mithelfen, miteinander kochen und tolle Gespräche führen. Bauern leben im Jetzt, im Einklang mit der Natur und den Jahreszeiten – und sie kennen keine strikte Trennung zwischen Arbeit und Erholung. Deshalb bieten sich Bauerhöfe so perfekt als Urlaubsziele für all jene an, die nach einer Balance zwischen ihren verschiedenen Lebensbereichen suchen, die länger weg sein und doch nicht einsam sein wollen.

Paar wandert über Wiese zum See © Markus Lackinger

Gesunde Balance

Entweder Arbeit oder Freizeit, Sport oder Nichtstun, gut essen oder gesund … Muss es eigentlich immer das Extrem sein? Wie ungesund das ist, zeigt sich tatsächlich im stetigen Anstieg der Burn-out Erkrankungen. Ob das Leben wirklich so konzipiert ist?

„Für uns nicht mehr!“, sagt Marie. „Drastisch ausgedrückt, haben wir bisher fünf Tage lang bis zur Erschöpfung geschuftet und dann zwei Tage durchschlafen. Oder halt im Urlaub das Maximum an Erholung, Spaß und Aktivität herausgeholt – was dann oft wieder auch ganz schön in Stress ausgeartet ist. Mit HOFoffice werden wir einen Gang runterschalten. Wir erledigen unsere Jobs, aber wir können zur selben Zeit auch die Natur genießen. Wir sind raus aus den vier Wänden und haben doch alles dabei, was wir für den Alltag brauchen. Die Laptops, die Fahrräder, die Wanderschuhe und gute Bücher. Was will man mehr?“

Skulptur im Garten beim Kinderferienhof Ederbauer © Markus Lackinger