#WieWirLeben: Islandpferdheimat am Keltenberg

Blogartikel // 24. Apr. 2018
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Pollenitzen heißt im Windischen „freies Feld" und war einst eine Keltensiedlung. Auf diesem freien Feld oberhalb von Feldkirchen in Kärnten liegt der Kristanhof, früh erbaut aus den Steinen der alten Stätte und umgeben vom mächtigsten Kreuzungspunkt aller bekannten Erdenergie-Linien Kärntens. Ideale Voraussetzungen, um kinderfreundlichen Pferden eine gute Heimat zu bieten. Kaum zu glauben, aber auch Qualitätswein wird hier auf 750 Meter Seehöhe kultiviert. Besuch am Kraftberg.

Oma Erna mit Enkelin am Isländerhof Köck © Daniel Gollner

Die Mama ist die wichtigste Person am Hof

knallt Birgit ein dankbares Statement als Gesprächsauftakt über den Holztisch am Köck’schen Reiterhof. Ganz klares Rollenverständnis forciert zwischenmenschliche Familienharmonie. Die eindrucksvoll zitierte „Mama“ kümmert sich um die Gäste und die Vermietung, Birgit um den Reitbetrieb und ihr Mann Florian dirigiert die Maschinen und legt selbst Hand an, wo seine Kraft gebraucht wird. Heute leben vier Generationen parallel und harmonisch auf einem der schönsten Plätze Kärntens. Das muss ich einfach sagen. Oma Frieda ist übrigens ehrenvolle 93 Jahre alt. Chapeau! Es muss doch das Klima hier oben sein, das auch den Trauben zu gefallen scheint.

Aussicht vom Isländerhof Köck © Daniel Gollner

Kraftort mit Seeblick

Die Pollenitz ist nach eindringlicher Betrachtung, so stelle ich fest, sicher eine naturgewaltige Hommage an das Südlich-Alpine. Ein gewisser Herr Christian Mikunda (Anmerkung: Theaterdramaturg und Kreator ansprechender internationaler Markenwelten) hat für das südlichste Bundesland Österreichs gar den Begriff des Garten Eden geprägt. Immer wieder damit konfrontiert, wollte ich es einfach nicht glauben, wahrhaben. Dieser Hochmut, dachte ich. Eine unverschämt oberflächliche Beliebigkeit eines Außenstehenden, derartige Vollkommenheit wie einen Schleier jungfräulicher Unschuld über einen Fleck Berg-See-Landschaft zu legen. Er tat es trotzdem. Und doch hat er recht. Vielleicht muss man einfach erst mal selbst hier oben stehen, sitzen, reiten, liegen, im besten Fall übernachten – noch besser – zusätzlich hofeigenen Chardonnay und/oder Zweigelt über einen von Alltagssorgen abgestumpften Gaumen gleiten lassen. Jawohl. Aber dann bitte den Blick auch über den nahen Ossiacher See streifen lassen, ohne Ziel, einfach nur so, weil es gut tut und der See so schön da liegt. Zu Füßen der Pollenitz, dem freien Feld. Unscheinbarer Bergrücken und immer noch touristischer Geheimtipp. Touristenmassen haben hier oben nichts verloren.

Ausreiten am Islandpferdehof Köck © Daniel Gollner

Pferde, die Ruhe ausstrahlen

Birgit kümmert sich mittlerweile um 55 Island-Pferde. 35 davon sind Schulpferde. Die Absolventin der Pädagogischen Hochschule in Salzburg reflektiert dabei völlig unbeeindruckt ihre bis zu 16-Stunden- Arbeitstage. So viel ist sie auf den Füßen, in der Hochsaison. Also Mai bis September. Non-stop ohne Jammerei. „Ich bin so aufgewachsen, das ist ganz normal“, beschreibt sie das, was alleine beim Gedanken daran bei manch anderer Berufsgruppe flimmerndes Unbehagen auslösen würde. Gut geerdet sind sie hier scheinbar alle. Und sollten die kleinen Urlaubsgäste die Zufriedenheit nicht immer gleich spüren wollen, dann gibt es auch noch einen großen Spielplatz mit Karussell, Rutsche und Trampolin, Streichelzoo mit Zwergziegen, Hasen, Meerschweinchen, Schafe, Katzen und Schildkröten. Zusammengefasst: Kraft- und Spielort, Beschäftigungsoase für Kids. Liebe Eltern, könnt ihr diese Nachricht entschlüsseln?

Weinrebe © Daniel Gollner

Birgits Bruder, der Nebenberufsprädikatswinzer

Gerhard Köck nützt die geschützte, nebelfreie Lage für den Anbau von Rösler, Zweigelt, Sauvignon Blanc und Chardonnay. Was nebenberuflich passiert, erzielt beständig überregionale Anerkennung. Zahlreiche Auszeichnungen zeugen vom Geschick des Bruders für den Bergweinbau auf gut einem Hektar Fläche in Mittelkärnten.

Vier Generationen Bauernfamilienzusammenhalt, isländische Pferdeheimat und prämiertes Weinbaugebiet. Das ganze nebenbei noch im Schoße keltischer Hochkultur. Sicher, man kann Hotels, Thermen und Chaletdörfer auf die immergrüne Wiese pflanzen. Auf einen Berghang. In eine Seebucht. An die Adria. Wohin das Immobiliengeschick will. Mit ausreichend Kapital könnten die letzten schönen, unberührten Plätze zwischen Alaska und Neuseeland touristisch erschlossen werden. Die Pollenitz aber bleibt, so wie sie ist. Garantiert. Weil sie immer schon da war. Stolzer Bergrücken, bitte sei weiterin ein gutes Zuhause für noch ganz viele Generationen von Landwirten, Pferdeenthusiasten und Urlaubs-SehnsüchtlerInnen, die dich zu schätzen wissen und stets das Ultralokale suchen. Alle anderen nehmen Kärnten oft leider nur noch als Durchzugsland auf ihrem Auto-Navi wahr. Am Weg in den Süden. Sommerstau meistens inklusive. Diese Narren.

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