Jetzt krieag ma zruck, was ma über die Jahre aufgebaut haben!

Blogartikel // 05. Feb. 2021
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Hofgeschichten aus einem etwas anderem Winter

Was für ein Winter: Schnee, Sonnenschein … und Lockdown. Gastgeber vermissen ihre Gäste! Wie haben die bäuerlichen Vermieterinnen und Vermieter eigentlich die letzten Monate verbracht?

Urlaub am Bauernhof-Betriebe zeigen sich persönlich.
Eine Serie quer durch die Bundesländer von Elisabeth Freundlinger

So schön! Ein halber Meter Schnee liegt rund um den Hönigshof (auf Steirisch: "Henizoufer“) im steirischen Fischbach. Normalerweise würden jetzt die Gästekinder durch den Schnee purzeln, aber in diesen Semesterferien bleibt es ruhig. „Das ist eine völlig neue Erfahrung für uns“, erzählt Bauer Franz Kerschenbauer. „Sonst haben wir den Winter über immer wieder Gäste am Hof. Und diesmal … Weihnachten, Silvester ohne Leut … Aber was soll ich sagen? Wir haben es bisher eigentlich sehr genossen. Wir haben sogar ein Puzzle gelegt! Das war zwischendurch auch einmal gemütlich.“

Zu tun gibt’s ja auf einem Bauernhof mehr als genug. „Na, an Arbeit mangelts uns nicht. Jetzt war endlich Zeit, alles zu erledigen, was man sonst vor sich herschiebt.“

Bäuerin Gerti bestätigt: „Die vielen Verschiebungen waren schon mühsam. Da haben wir uns auf die Gäste gefreut, und dann mussten wir wieder absagen … aber ja, wir haben uns bemüht, das Beste draus zu machen. Ich habe die Homepage auf Vordermann gebracht und mich darum gekümmert, den Kontakt mit unseren Stammgästen zu halten. Für den Sommer schaut es sehr gut aus. Wenn alles passt, dann sind wir ausgebucht.“

Luftaufnahme vom Hönigshof in der Steiermark  © Werner Steinkellner

Gäste und Freunde

Die Sehnsucht nach Urlaub, nach Reisen, Ortsveränderung, nach Natur, guter Luft und gesundem Essen ist bei den Menschen größer denn je. Auch die Stammgäste vom Hönigshof freuen sich schon auf den Moment, wenn sie mit dem Auto an der Hoftafel mit den beiden Kirschen vorbeirollen. Ihren Urlaubs-Vermietern geht’s da genauso. „Wir pflegen die guten Beziehungen zu unseren Gästen, und das kommt dann zurück. Das ist so eine Freude!“

Mit Optimismus übersteht man auch Engpässe und Einschränkungen. Die fröhlichen Kerschenbauers finden immer einen Grund, zu lachen. Neben dem „heimlichen Chef“, Kater Flufl, leben zurzeit drei Generationen am Hof: die Großeltern, die Eltern und die Kinder Elias, 22, Johannes, 19, und Jasmin, 17. „Die Jugendlichen trifft der Lockdown schon sehr hart“, sagt Gerti, „normalerweise sind unsere Drei tagsüber kaum daheim anzutreffen.“ Das Positive: „Jetzt unternehmen wir halt viel miteinander als Familie, das kommt sonst immer irgendwo zu kurz. Wir Eltern genießen das sehr. – Und ich bin in diesen Zeiten echt froh, dass unsere Kinder schon groß sind und sich das Studium beziehungsweise Lehre und Schule so gut selbst organisieren.“

katze-im-netz-hoenigshof-stmk-urlaubambauernhof © Gertrude Kerschenbauer

Positiv bleiben ist das Motto der Kerschenbauers: Es ist echt schade, dass die hofeigene Jausenstation, wo Familie Selbstgemachtes für Gäste und Ausflügler anbietet, geschlossen bleiben muss, aber: „Wir essen jetzt eben alles selbst!“, lacht Bauer Franz.

Die idyllische, hügelige Oststeiermark ist eine sehr traditionsverbundene Region, in der auch das Essen eine große Rolle spielt. Buschenschenken gehören zum Landschaftsbild wie die Apfelbäume und Weingärten. Das milde Klima macht das Thermen- und Vulkanland besonders fruchtbar, deshalb wird die Oststeiermark auch oft als „Garten Österreichs“ bezeichnet.

familienfoto-hofschilder-hoenigshof-stmk-urlaubambauernhof © Wolfgang Baumgartner

Holzarbeiten

Wenn es die Landwirtschaft (Milchwirtschaft und Forstwirtschaft) zulässt, widmet sich Franz seinem Hobby. Seine Holzbänke, die er aus Baumstämmen fertigt, sind bei den Gästen besonders beliebt. „Leider ist der Winter für die Holzarbeit keine so gute Jahreszeit. Es muss ja alles im Freien stattfinden. Aber ein bisschen was geht immer, und jetzt wird es ja bald wärmer. Derweil kümmere ich mich um Renovierungsarbeiten im Gästehaus. Da finde ich immer was zu tun.“

Hausbank am Hönigshof in der Steiermark © Gertrude Kerschenbauer

Volle Kraft voraus!

Der Hönigshof ist ein ganz alter Hof. Der Bauernhof (1527 zum ersten Mal urkundlich erwähnt) hat sich sukzessive vergrößert. Zuerst kam das Gästehaus, dann die Sauna, dann ein großer Seminarraum, und schließlich das Institut für Massage und Fußpflege, das von Franz‘ Schwester Andrea, einer diplomierten Gesundheitstrainierin, geleitet wird. Für die Gäste vom Hönigshof ist das ein gern genutztes Zusatzangebot. „Wir raten immer, die Behandlungen gleich mitzubuchen, denn die Termine sind gar nicht leicht zu kriegen.“

Am Hönigshof wurden bereits in den 1960er Jahren im Bauernhaus Gäste beherbergt.

Das heutige Gästehaus war ursprünglich als Wohnhaus gedacht, doch Schicksalsschläge veränderten den Plan. So wurde Jahre später das Haus fertiggestellt. Ab 1999 wurde das Gästehaus in verschiedenen Abschnitten ausgebaut und der bestehende Teil renoviert. Heute umfasst es sechs Ferienwohnungen, zwei Zimmer, einen Aufenthaltsraum sowie einen Lift.

Hofansicht Hönigshof in der Steiermark © Gertrude Kerschenbauer

Flexibilität ist gerade in Zeiten wie diesen ein wichtiger Faktor in der Vermietung. Am Hönigshof können die Gäste ihr Frühstück – oder bei Halbpension auch das Mittagessen – in den eigenen vier Wänden ihrer Ferienwohnung einnehmen. „Das ist ja das große Plus der Urlaub am Bauernhof-Betriebe: Die Gäste stehen uns nah und wir halten engen Kontakt – aber dennoch kann man räumliche Distanz halten, wenn es notwendig ist.“

Als Vermieter sind die Kerschenbauers „alte Hasen“, seit 1991 sind sie Mitglied von Urlaub am Bauernhof. Bäuerin Gerti ist sowieso mit vollem Herzen dabei. In den letzten Wochen hat sie an weiteren Verbesserungen getüftelt. Noch ist sie nicht ganz durch mit ihren Lockdown-Erledigungen. Den Hausprospekt wird sie sich noch vornehmen. Damit im Sommer alles für die Gäste bereit ist.

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