Kleine Hexenküche am Bauernhof

Blogartikel // 09. Nov. 2017
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Schließt man die Augen, hört man die Glocken der Ziegen läuten. Und wenn diese für einen kurzen Moment beim Grasen stillhalten, hört man … nichts. Wir sind beim Herzoghof im Pinzgau angekommen. Anita Widauer und ihr Mann Johannes konzentrieren sich in ihrem Betrieb auf zwei Dinge: Bio von Kopf bis Fuß und Kräuter. Aber beginnen wir von vorne!

Obwohl Anita nie Bäuerin werden wollte, ist sie am Ende doch auf einem Bauernhof gelandet. Wo die Liebe hinfällt eben. Und Anitas Liebe hat es sich ab 1997 am Herzoghof gemütlich gemacht. Ein Jahr später ist Sohn Johannes und später noch Tochter Magdalena auf die Welt gekommen.

Familie Widauer © Matthias Gruber

Ganz unbeholfen war sie also nicht, als sie das Werk ihrer Schwiegereltern übernommen und die Zimmervermietung am Bauernhof weiterentwickelt hat. Recht bald wurde umgebaut und die Urlaub am Bauernhof-Zimmer allergikergerecht hergerichtet. Wie das kam? Ganz einfach: Anita ist selbst Allergikerin und wollte ihren Gästen genau das bieten, was auch sie sich wünscht: Eine Atmosphäre zum durchatmen! Überhaupt macht Anita ihre Arbeit sehr gut. Ihr Biofrühstück ist in der ganzen Region berühmt – da kommt nichts auf den Tisch, das den strengen Bio-Richtlinien widersprechen könnte.

Es gehören immer Zwei dazu.

Einer, dem die biologische Landwirtschaft mindestens genauso am Herzen liegt, wie Anita, ist ihr Mann. Johannes, der Hoferbe, ist Bio-Bauer mit jeder Faser seines Körpers. Für so viel Leidenschaft haben die beiden 2014 den Bio-Award Salzburg bekommen. „Das hat uns nur noch mehr angestachelt, weiter zu machen und noch genauer zu werden“, erzählt Johannes. Hört man ihm beim Reden dazu, merkt man gleich: Der meint es ernst. Bio ist am Herzoghof Pflicht, nicht nur ein Marketing-Schmäh.

Johannes Widauer © Matthias Gruber

Eine Kräuterhexe, die im Pinzgau gelandet ist.

Anitas Leidenschaft gilt aber nicht nur den biologischen Lebensmitteln. Sie ist außerdem eine Kräuterhexe. Anita hat nämlich den TEH (traditionelle europäische Heilkunde) Lehrgang in Unken absolviert und als fleißige Bäuerin ihr neu erworbenes Wissen sofort in das Angebot für die Gäste aufgenommen. Während sie uns erzählt, was sie mit dem Kräuterwissen vorhat, beginnt es leise zu Nieseln. „Kein Problem“, lacht Anita. Johannes hat ihr eine Holzhütte mit offener Front für genau dieses Salzburger Wetter gebaut. Dorthin flüchten wir jetzt.

Anita hat bereits alles für einen Salben-Workshop vorbereitet. Eine Pechsalbe und eine Ringelblumensalbe sollen es werden. Alle, die schon einmal mit TEH in Verbindung gekommen sind, wissen um die Kostbarkeit der beiden Salben. Wie der Workshop ankommt, wollen wir wissen. Überraschend gut, erzählt Anita. Es kommen nicht nur Gäste, die bei den Widauers Urlaub machen, sondern auch Interessierte aus dem Ort, die mehr über Kräuter lernen möchten. Mit Hingabe gibt Anita ihr Wissen weiter. Und zwar vom Stengel bis ins Glas. Gemeinsam gehen wir im Kräutergarten Ringelblumen sammeln, um das Pech hat sich Johannes schon vor unserer Ankunft gekümmert. Schnell merken wir: Anita hat einen richtigen Narren an der Naturkosmetik und den Heilmittelchen aus der Natur gefressen.

Und mit Johannes hat sie einen Partner, der sie beim Experimentieren unterstützt und sich sehr gerne als Versuchskaninchen zur Verfügung stellt. Vor allem, weil er selbst unter einer Bienenallergie leidet, gegen die in der Natur ein Mittelchen gewachsen ist. Und zwar Spitzwegerich. Dieses Wissen war einer der Gründe, warum Johannes seinem Sohn erlauben konnte, die Bienen vom Opa zu übernehmen, um diese nach Bio-Richtlinien zu pflegen.

Wir sind mittlerweile schon einige Stunden am Hof und finden, dass es ein bisschen wie das Paradies ist, in dem die Seele ein wenig durchatmen kann. Das hat sicher viel damit zu tun, dass die Widauers ihre Arbeit sehr ernst nehmen. Johannes mit seiner Kreislaufwirtschaft, die zwar mehr Arbeit macht und niedrigere Erträge bringt, aber von vorne bis hinten biologisch ist. Und Anita, die jedes Kräuterl am Hof per Namen kennt und genau weiß, was sie damit anfangen kann. Deswegen ist Johannes auch im Vorstand von Bio Austria im Pinzgau, wo er viele Ausbildungen absolviert, um am neuesten Stand zu bleiben. Und dann gibt es ja noch die Jungen, die schon mit ganz eigenen Ideen am Start stehen: Johannes Junior zum Beispiel möchte Mais anbauen. „Dann machen wir das halt“, antwortet der Papa. Vor allem auch, weil er den Ackerbau für die Königsdisziplin im biologischen Anbau hält. „Meinen Kindern möchte ich das Beste geben und den Konsumenten auch“, sagt Johannes. Bio fängt bei einem selber an, weil es eine Lebenseinstellung ist. Und diese können Urlaub am Bauernhof-Gäste am Herzoghof lernen und im besten Fall mit nach Hause tragen.

Kräutergarten © Matthias Gruber

Am Herzoghof ist besonders …

… dass mitten am Hof eine „Kräuterhexe“ sitzt und Gäste ins Geheimnis der Heilkräuter nach TEH einführt. UND dass der Herzoghof ein Vorzeige-Biobetrieb ist, an dem man Kreislaufwirtschaft live miterleben kann.

Am Herzoghof wohnen …

 … Johannes und Anita und ihre Kinder Magdalena und Johannes Junior.

Am Herzoghof kann man …

… lernen, wie man Salben aus natürlichen Zutaten wie Ringelblumen oder Pech macht, in Erfahrung bringen, was es mit einer Bio-Landwirtschaft auf sich hat. Und das möglicherweise beste Bio-Frühstück genießen und dabei ein 100% reines Gewissen haben.

Am Herzoghof findet man …

 … viele Kräuter, Rinder, Ziegen, Kätzchen, eine liebevoll gefertigte Holzhütte, die bei warmem Sommerregen den perfekten Unterschlupf bietet.