Kochen ist sichtbar gemachte Liebe

Blogartikel // 18. Jan. 2018
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Essen ist wie Poesie, die man sich auf der Zunge zergehen lässt. Es ist wie Musik, die wir genießen und die uns gleichzeitig verbindet. Die Küche eines Landes ist immer ein Spiegel seiner Kultur, des Zeitgeistes, der Lebensgewohnheiten und Vorlieben seiner Bewohner. Es ist wahrscheinlich die schönste Art näher zu rücken, zu kommunizieren, zu entdecken, dass man verwandt ist und doch so verschieden.

„Kochen ist sichtbar gemachte Liebe“, schreibt die berühmte Haubenköchin Sissy Sonnleitner, die es wie keine andere versteht, über den Geschmack die verblüffende Gemeinsamkeit dreier Regionen zu definieren und die sympathischen Unterschiede heraus zu kochen: die Alpe Adria Region mit drei verschiedenen Sprachen, Landschaften und Kulturen (Deutsch, Slawisch, Romanisch), die in ihren Ursprüngen doch so vieles gemeinsam haben. Die Herkunft ihrer Speisen, die Zubereitungsarten, die Gewürze haben Grenzen stets ignoriert. So wie sie echten Genießern fremd sind.

 
Kasnudel © Johannes Puch

Vergesst die Gastfreundschaft nicht, denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. Hebr 13,2

Kann man denn die Eigenheiten eines Landes besser erleben als über den Geschmack ihrer Speisen, über die Art zu essen, zu trinken, zu feiern und Brauchtum zu leben?

Man sitzt unter einer alten Linde in einem Bergdörfl irgendwo in Slowenien, löffelt bedächtig den Hadnsterz in die Schwammerlsuppe, trinkt den herben Wein der Region, lauscht der Sprache, die so anders klingt und blickt über Landschaften, die so bekannt anmuten. „Eine Küche, die nicht im Volk verwurzelt ist, verliert ihre Seele“, davon sind die Slowenen überzeugt. Sie sind stolz auf 1200 Nationalgerichte, auf ihre kräftigen Suppen, die zarten Forellen aus den klaren Flüssen, die einfachen und deftigen Gerichte aus Getreide. Auf ihre köstlichen Struklj, die Gibanica und die Potica. Die Weine, die rund um Maribor oder in der Goriska Brda gekeltert werden, lassen sich trinken, ebenso die klaren Schnäpse, die nach alter Tradition gebrannt werden.

Wie gemütlich sitzt man in einer Buschenschenke auf einem Kärntner Bauernhof zusammen, wo sich am Jausenbrettl selbstgemachte Köstlichkeiten, Speck, Salami, Glundener Kas, Topfen, Bauernbrot türmen. Die Kärntner Küche ist eine einfache Küche mit bäuerlichen Wurzeln. Es sind die gesunden Produkte wie würziger Käse, Fleisch von Almochsen, Lämmer von den Tauernalmen, Fische aus den sauberen Seen und natürlich die zahlreichen Spielarten der Kärntner Nudeln, die die Küche so liebenswert machen.

Das südliche Lebensgefühl inhaliert man in einer Hafenkneipe in Muggia oder Piran, wo sich der Geschmack des Meeres auf der Fischplatte und die Kraft der Sonne im Wein vereinen. Friaul, das ist deftige Frico, cremige Risotti, das ist geräucherter Käse aus Karnien, Prosciutto aus San Daniele, Wein aus sieben Weinbauregionen, die mittlerweile in aller Welt geschätzt werden.

 

Mit jeder Grappa, jedem Schnapserl, jedem Wiljomka nimmt man einen Schluck Lebensgefühl der drei Regionen zu sich. Mit jedem Bissen kostet man ein Stück Lebenszufriedenheit. Mit jedem Glas Wein, Bier oder Most das pralle Leben von den Bergen bis zum Meer. Jede Region hat ihre Eigenheiten, die sich zu einem köstlichen Ganzen vereinen. Da hilft nur, sich durchzukosten: Guten Appetit, Dober tek, Mandi!

 
Kulinarik in Villach © Edward Gröger