Zu Besuch am Schafflhof

Blogartikel // 10. Okt. 2017
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Lein - kein alltägliches Produkt

Kindheitserinnerungen von Opa Hans – die Geschichte der Leingewinnung

Der Lein hat am Betrieb schon fast einen ideologischen Stellenwert. Flachs wurde am Hof schon immer angebaut und Opa Hans kann sich noch sehr gut an die Zeiten erinnern, wo die Ernte und Verarbeitung noch händisch durchgeführt wurden. „Flachsraufen“ oder „Flachsfangen“ hat man dazu gesagt.

Opa Hans beim Erklären © Werner Platetter

Dabei wurde der Flachs samt den Wurzeln ausgerissen und gebündelt. Gesellig waren sie diese Zeiten – hat man sich doch am Abend zusammengesetzt, um die Bündel über einen Kamm (Riffel) zu scheren und die Pollen vom Stamm herunterzureißen. Keine Abendgestaltung mit Handy, Fernseher oder Computer, wie in der heutigen Zeit – einfach miteinander reden und sich bei Gesprächen amüsieren – die Arbeit erledigte sich da fast wie von selbst. Waren die Bauersleut, Knechte und Dirnen mit diesem Arbeitsschritt fertig, wurden die gewonnenen Fasern anschließend wieder am Feld ausgebreitet und für zirka 2 Wochen zum „Retzen“ (Verwittern) liegen gelassen. Dieser Vorgang war notwendig, um den Spelz bei der weiteren Verarbeitung leichter von der Faser lösen zu können. Die Pollen mit den enthaltenen Leinsamen wurden in der Sonne getrocknet und mit dem Dreschflegel ausgedroschen. Die Reinigung des Leinsamens funktionierte mittels einer „Windfege“ oder einer „Staubmühle“. „Und im Winter?“ In den Wintermonaten wurden die Stängel „gebrechelt“. Das sogenannte Schwungrad trennte den Spelz von der Faser – die fertigen Fasern wurden zu einem Flachszopf gebündelt. Nach dieser spannenden Erzählung zeigt mir Opa Hans, wie ein Flachszopf in Echt aussieht. Ach wie lustig … die Farbe des Zopfes und meine aschblonden Haare sind fast ident – ökologische Haar-Extensions, was sagt man dazu.

Leinenzopf als Haarextension © Werner Platetter

Tja und heute übernimmt der Mähdrescher diese mühevolle, arbeitsreiche Aufgabe.

In einer Präsentation von Stefan Fölser wird erklärt, wie die Flachsgewinnung im Mühlviertel früher ausgesehen hat.

Flachsanbau im Mühlviertel um das Jahr 1900.pdf

Das Leinfeld im Auge

Nur einen Katzensprung vom Hof entfernt, befindet sich heuer das Leinfeld von Familie Kainberger. Gemütlich spaziere ich mit den Bauersleuten Renate und Christian dorthin. Zirka 1,4 Hektar hat Christian Mitte Mai vom Öllein angebaut. Die Blühphase ist zirka einen Monat später und ist besonders schön anzusehen. Einfach eine Augenweide, denn die Blüten schimmern bläulich in der Sonne. Dieses Jahr ist der Flachs wegen einer längeren Trockenperiode sehr kurz gewachsen – aber die Qualität des Samens beeinträchtigt das Gott sei Dank nicht.

Bauer Christian zeigt wahren Einsatz für den Lein

Dass der Lein die Leidenschaft von Junglandwirt Christian ist, ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Dennoch hat er so viel Wissenswertes und Beeindruckendes von seinem Vater gelernt, dass er selbst von dieser Spezialkultur überzeugt ist.

Spaziergang zum Leinfeld mit den Bauersleuten © Werner Platetter

Er weiß welcher Saatzeitpunkt am günstigsten ist, welche Fruchtfolge er beachten muss, wie er den Boden biologisch kultiviert und wann der Lein seine Reifephase erreicht. Christian zeigt mir den momentanen Reifezustand des Leins – dazu bricht er die Leinkapsel auf und pickt 2 Samen heraus – die Samen sind im Moment noch ganz weiß und weich.

Bauer Christian beim Erklären zum Thema Leinanbau © Werner Platetter

Erst zwei Wochen vor der Ernte erhalten sie ihre braune, typische Farbe. Mitte August wird dann mit Hilfe eines speziellen Mähdreschers gedroschen. Genau wie früher wird die Lein-Kapsel von der Flachsfaser getrennt. Der gewonnene Samen wird auf einem Kipper luftgetrocknet und das Flachsstroh zu Rundballen gewickelt.

Unausgereifter Leinsamen vom Feld © Werner Platetter
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