Maibaum - so a Griss um an Bam
(So ein Gerangel um einen Baum)

Blogartikel // 08. Apr. 2019
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„1.Mai, kommt alle herbei – der Maibaum steht, auf geht´s zur gemütlichen Plauderei!“

Wer findet den schönsten Maibaum bei Urlaub am Bauernhof in Oberösterreich? Plan dir gleich ein paar Tage Urlaub am Bauernhof ein und sei dabei! Ab 1. Mai steht in jeder Gemeinde mindestens ein Prachtexemplar, die Traditionen sind in den Regionen Oberösterreichs etwas individuell, nur eine Gemeinsamkeit geht überall durch den Magen: lokale Kulinarik, Most und Bier!

In den Gebirgstälern der Nationalparkregion Kalkalpen werden besonders fleißige, freiwillige Helfer, engagierte, ehrenamtliche Obleute, „runde“ Geburtstagskinder oder in freudiger Erwartung stehende Paare vom Freundes- bzw. Vereinskreis auserwählt und mit dem Setzen eines Maibaums vor deren Haus geehrt. Etwas ganz Besonders sind die kleineren „Kinderbäume“, die von Familien oder Freunden für besonders kluge Köpfe, zum Pflichtschulabschluss oder Schulwechsel aufgestellt werden.

Die ganze Aktion wird bereits langfristig geplant:

Nach Rücksprache mit den Bauern sieht man Anfang April da und dort kleine Männergruppen, mit Motorsägen bewaffnet, durch die Wälder huschen. Gesucht werden stämmige, 25-30 m hohe Fichtenbäume, von denen händisch - an einem geheimen Ort – die Rinde abgeschält wird.

Zur Dekoration wählt man spezielle Zutaten:

Besonderes Augenmerk liegt auf dem Wipfel. Den nimmt man von der Lärche, speziell aus der Region Hinterstoder bis Roßleithen, und setzt ihn ganz oben auf den Fichtenstamm. Dazu kommt eine lange, bunte Girlande, die auf „Waschlier“ (lokale Bezeichnung einer Liane aus dem Wald) gebunden wird. Ab jetzt heißt es achtsam sein, denn so ein vorbereiteter Maibaum ist begehrtes Diebesgut! „Ehrliche Räuber“ hinterlegen freundlicher Weise einen Hinweis, wo der Baum zu finden und gegen Einsatz auszulösen ist!

Unterdessen kümmern sich die Frauen beim Kaffeekränzchen um die Dekoration. Drei unterschiedlich große Kränze aus Tannenzweigen werden gebunden, mit farbenfrohen Stoffstreifen verziert und um den Baumstamm gehängt. Manchmal findet der Beschenkte auch einige seiner persönlichen Utensilien vom untersten, größten Kranz baumeln – von Kochtöpfen über Gartengeräte bis zu speziellen Kleidungsstücken war schon alles dabei! Ist das Meisterstück fertig, geht es an die Zustellung.

Maibaum-Kranz © Ursula Schwarzgruber

Elisabeth´s Tatsachenbericht

Unsere Regionsobfrau Elisabeth vom Ferienhof Mittermair hat´s persönlich zum 40-iger er- und durchlebt! Die Landjugend stand mit Umtata-Trallala und dem prachtvoll geschmückten Maibaum vor ihrer Tür. Mit „Puh“ und „Ach“ hievte man diesen in mehreren schweißtreibenden Schritten, unter wohlgemeinten Anleitungen der Umstehenden, äußerst vorsichtig in das vorgesehene Erdloch. Da blieb der überraschten Elisabeth nichts Anderes übrig, als rasch ein paar Tische und Stühle aufzustellen und das Mostfass anzuzapfen – die Jause hatten die Gäste wohlweislich gleich im Rucksack mitgebracht.

In der Feierlaune schwindet oft die Aufmerksamkeit und schon hat man’s verpasst, schwups ist der Baum weg! Sich die Maibaum-Trophäe zu holen ist das Ziel der anderen, was grundsätzlich gar nicht so einfach ist, da zum Umlegen und Abtransport nur Muskelkraft eingesetzt werden darf! Tja, und wozu ist das alles gut? Na klar! Als Lösegeld gibt´s nämlich die nächste g´scheite Jausn‘ und a Kistn‘ Bier!

Elisabeth hatte die kritischen 3 Tage, an denen gestohlen werden darf, mit übernachtigen Augenringen überstanden. Ihr Baum stand noch auf seinem Platz und sie durfte sich bis Oktober daran erfreuen.

Brettljause ©  (c)Andreas-Röbl

Wenn der Maibaum im Oktober auch noch steht...,

... erfolgt das "große Umsägen" unter musikalischer Begleitung eines Ziehharmonikerspielers. Nachbarn und Freunde stehen mit Ratschlägen und weniger hilfreichen Handgriffen zur Seite, denn manchmal wird die Sägearbeit erschwert und Sand und Bier über das Sägeblatt geschüttet. Hört man endlich den Schrei „Baum fällt“, ist die Maibaumtradition in diesem Jahr positiv beendet. Gefeiert, getanzt und gelacht wird allerdings noch die nächsten 1-3 Tage, oft mit bis zu 300 Personen, wobei das eine oder andere persönliche Gedicht nicht fehlen darf mit den Schlussworten:

„…und ois Guate wünschn die Maibaumsetzerleut“.

Das Holz wird manchmal für einen guten Zweck versteigert oder heizt den Kachelofen im Winter, bis es wieder heißt „Alles neu macht der Mai“!