MOSTPRESSEN
Zu Besuch am Radlerbauernhof Moser

Blogartikel // 24. Juli 2018
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Der Hof von Familie Moser

Obst-, Wein- und Ackerbau und deren Veredlung stehen bei Familie Moser an erster Stelle. Aber auch die eigene Mostschenke und die Vermietung der sieben Zimmer und zwei Ferienwohnungen sind ein wesentliches Standbein. Auf neun Hektar Acker wird neben Dinkel auch Gerste und Mais angebaut. Stolze 200 Obstbäume und 0,5 Hektar Wein zählen zum Besitz von Familie Moser und bieten das perfekte Fundament für die Most-, Saft- und Edelbranderzeugung. Diesen wertvollen Schatz und zugleich Lebensgrundlage hat sich Familie Moser über die Jahre aufgebaut.

Der Erfolg gibt ihnen recht und kann sich sehen und verkosten lassen.

Mit Hilfe von moderner Kellertechnik und fundiertem Wissen werden im Jahr rund 6.000 bis 9.000 Liter Most und 3.000 bis 5.000 Liter Saft am Hof produziert. Bei einem guten Weinjahr – wie es zum Beispiel 2017 war – kann man sich ebenso über 2.000 Liter Traubensaft und 1.000 Liter Weißwein freuen.

Welche Schritte für einen guten Most wesentlich sind, bekomme ich von Andreas erklärt.

uab_ooe_radlerbauernhof moser 05 © Werner Platetter

Über die Schulter g´schaut beim Mostpressen!

Mosterzeugung vom Profi erklärt

Der ausgebildete Mostsommelier Andreas nimmt mich mit in die heiligen Hallen der Mostproduktion. Welch ein Glück, dass Familie Moser genügend eigenes Obst vom Hof hat und wenig bis gar nichts zukaufen muss. Falls ein Produkt ausgeht, auch kein Problem, denn es müssen keine Verträge mit Handelsketten oder Gastronomiebetrieben eingehalten werden. 6.000 bis 9.000 Liter Mostwerden im Jahr hergestellt und 3.000 bis 5.000 Liter Saft produziert. 2017 ist das Obst schon früher von den Bäumen gefallen und Andreas ist bei meinem Besuch bereits fertig mit all der Arbeit. Gerne erklärt er mir die Vorgänge zur Mostproduktion und wirft mit mir einen Blick in den Press- und Gärraum.

Schritt 1: Fallobst Klauben

Mit Hilfe einer Klaubemaschine wird das Obst gesammelt, ohne es zu beschädigen. 1.000 kg Obst in einer Stunde sind damit leicht zu schaffen. Geklaubt wird wirklich nur das Fallobst. Das Obst wird weder heruntergeschüttelt, noch von den Bäumen gepflückt. Erst wenn es von selbst abfällt macht sich Familie Moser an die Arbeit. Die Natur gibt hier den Ton an! Die Verwendung gesunder, reifer Früchte ist eine wichtige Voraussetzung, um einen erfrischenden, vollaromatischen Gärmost zu erhalten.

 

uab_ooe_hofgschichtn_radlerbauernhof moser 04 © Werner Platetter

Schritt 2: Reinigung und Sortierung

Die Reinigung der Rohware nimmt ebenso einen zentralen Stellenwert ein. Hygiene ist das oberste Gebot für ein gutes Produkt! Hier wird ein Großteil der Mikroorganismen entfernt, um Fehlgärungen bzw. fehlerhafte Moste zu vermeiden. Aus diesem Grund kommt das Obst vorab in einen großen Behälter, in dem die Früchte von allen Seiten mit Wasser bespritzt werden und immer in Bewegung sind. Die Funktion ähnelt einem sprudelnden Whirlpool. Bevor der Reinigungsvorgang abgeschlossen ist wird das Obst erneut von den Helfern begutachtet und – wenn nötig – schlechtes Obst entfernt.

uab_ooe_radlerbauernhof moser 09 © Werner Platetter

Schritt 3: Zerkleinern und Mahlen zur Maische

Mit Hilfe eines Förderbandes gelangt das Obst in die Zerkleinerungstrommel, wo es zermahlen wird. Fertig ist die sogenannte Maische.

uab_ooe_radlerbauernhof moser 10 © Werner Platetter

Schritt 4: Pressystem

Danach kommt die Maische in die Zentrifuge, in der sich der Bar-Druck ständig erhöht. Der gewonnene Saft gelangt über eine Pumpe in die Edelstahltanks.

Schritt 5: Presssaft Schwefeln und Klären

Der Schwefel schützt den Most vor Luft (Oxidation) und verhindert damit das Entstehen von unerwünschten Mikroorganismen. Der vorhandene Presssaft enthält oftmals noch Stoffe wie Kernteilchen oder Schalen. Mittels Absetzen muss dieser „Trub“ von der Gärung abgetrennt werden. Das Ergebnis ist ein sauberes, reintöniges Produkt.

Schritt 6: Beigabe Reinzuchthefe und Gärung

Durch die Beigabe von Hefe kommt es in wenigen Tagen zur Gärung. Dabei wird Zucker in Alkohol umgewandelt. Der Gärspund zeigt an, wie weit die Gärung vorangeschritten ist. Den Zucker- und Säuregehalt muss Andreas daher immer im Auge behalten. Während dieser Zeit hört man es im Gärraum ganz schön blubbern und der Schwefelduft ist deutlich wahrzunehmen.

uab_ooe_radlerbauernhof moser 08 © Werner Platetter

Schritt 7: Gärabschluss nach 2 bis 3 Wochen – Umziehen in einen anderen Tank

Anschließend wird der Most von der Hefe abgezogen, damit der Hefetrub das Aroma nicht verändert. Bis der Most in den Flaschen ist können die vorhandenen 1.500-Liter-Tanks sicher zwei- bis dreimal belegt werden.

Schritt 8: Lagerung

Hier ist es wichtig, dass keine Luft zum Most dringt und die Tanks oder das Fass spundvoll sind. Kühle Temperaturen sind ebenso das A und O bei der Lagerung. Um die Reintönigkeit zu bewahren wird der Most auch grob filtriert.

uab_ooe_radlerbauernhof moser 07 © Werner Platetter

Schritt 9: Verkostung

Natürlich muss der edle Most auch durch den Gaumen von Mostsommelier Andreas wandern. Bei der Verkostung lassen sich die unterschiedlichen Obstsorten deutlich erkennen. Die Geschmacksrichtungen der Moste reichen von mild, halbmild und kräftig bis resch. Natürlich gibt es auch sortenreine Moste mit exklusivem Charakter. Der Cuvée besteht aus Apfel/Apfel beziehungsweise Birne/Birne und der Mischlingsmost aus Apfel/Birne. Die Sortenvielfalt hat in den letzten Jahren stark zugenommen und der Most ist vom einfachen Durstlöscher in vergangener Zeit zum Qualitätsprodukt geworden.

Schritt 10: Abfüllung beim Partnerbetrieb Schober in Naarn

Die Abfüllung passiert außer Haus beim Partnerbetrieb Schober in Naarn und funktioniert mittels sterilisierten Geräten und Flaschen. Das Abfüllsystem ist in diesem Betrieb besonders ausgeklügelt und sucht weit und breit ihresgleichen.

uab_ooe_hofgschichtn_radlerbauernhof moser 11 © Andreas Moser

Schritt 11: Verkauf und Genuss in der Mostschenke

Und dann kann mit dem spritzigen Getränk in der Mostschenke angestoßen werden.

„G’sundheit – sollst leb’n“,

so lautet der Trinkspruch der Most trinkenden Genießer!

uab_ooe_radlerbauernhof moser 06 © Werner Platetter

Auszeichnungen – Siegeszug und Medaillenregen

Die Bescheidenheit oder – wenn man so will Genügsamkeit – von Familie Moser gefällt mir besonders gut. Hätten die beiden doch jeglichen Grund abzuheben, denn die Auszeichnungen und der Medaillenregen in den vergangenen drei Jahren für ihre Qualitätsprodukte sind enorm.

Den Titel zum Produzent des Jahres in Österreich hat Andreas 2015 und erneut 2017 verliehen bekommen. Zweimal diese Auszeichnung abzusahnen ist schon beachtlich und unterstreicht das Können und vor allem die hohe Qualität der Produkte. In drei unterschiedlichen Kategorien den Sieg einzufahren, macht nicht so schnell wer nach. Mitunter zählt der Radlerbauernhof Moser auch zu den oberösterreichischen Qualitätsmostproduzenten und die Mostschenke wurde seitens der Landwirtschaftskammer mit dem „Most & Kost“-Siegel ausgezeichnet.

Bei der Genusskrone Österreich 2016/2017, die höchste Prämierung für regionale Lebensmittel, wurde die Edelbrandspezialität „Apfel-Birne“ als Gewinner gekrönt. Im Gespräch erzählt mir Andreas, dass er sich durch all diese Ehrungen und Auszeichnungen natürlich geschmeichelt fühle und er auch sehr stolz darauf sei, dennoch haben die Rückmeldungen und die Zufriedenheit der Gäste für ihn ebenso hohe Priorität.