Dorthin reisen, wo die Sorgen fernbleiben

Blogartikel // 15. Okt. 2020
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Am Bio Bauernhof Leitenmüller wohnt der sanfte Tourismus. Mitten in Ramsau am Dachstein hat sich die Familie Stocker einen Ort der Nachhaltigkeit, Ruhe und Erholung geschaffen. Weil man sich auf die Werte der Natur besinnt. Für kostbare Lebensmittel und unbezahlbare Erlebnisse.

Oft sind es die kleinen Dinge, die gewisse Momente zu etwas ganz Besonderem machen: Reife Kirschen pflücken, um diese noch am Baum sitzend mit einem diebischen Grinsen genüsslich zu vernaschen oder ganz leise im Stall das frischgeborene Kalb besuchen, welches sich noch schüchtern hinter der Mutterkuh versteckt.

Am Bio Bauernhof Leitenmüller in Ramsau am Dachstein findet man solche Momente jeden Tag. Weil Anton und Regina Stocker hier einen Ort geschaffen haben, wo Ruhe und Entschleunigung zuhause sind und wo der Gast in das Leben am Bauernhof miteinbezogen wird. Weil dadurch Stammgäste zu Freunden werden, ein herzliches Geben und Nehmen den Alltag bestimmt und man sich so gegenseitig Kraft gibt. „Wenn ein Gast zu mir sagt, dass unser Hof für ihn Heimat bedeutet, ist dies das größte Kompliment, was ich bekommen kann“, ist Regina stolz. Sie selbst ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und lernte die Arbeit im Stall und auf der Wiese bereits im frühen Kindesalter kennen. Während ihre Schulfreundinnen in den Sommerferien vergnügte Badetage verlebten, arbeitete sie am Hof mit. Eine Kindheit, die prägte. Im positiven Sinne. Denn auch wenn es nicht immer einfach war, so waren es doch Werte, welche noch heute eine große Bedeutung in ihrem Leben einnehmen.

Hofgeschichte Leitenmüller Hof aus der Vogelperspektive © Daniel Gollner

Radfahren statt Tanzparkett

Auf einem Ball der örtlichen Landwirtschaftsschule lernte sie schließlich ihren Mann Anton kennen und lieben. Statt das Tanzbein zu schwingen, unterhielten sich beide den ganzen Abend über ihre gemeinsame Leidenschaft, das Rennradfahren. Kurze Zeit später wurde geheiratet, Regina zog auf den Bauernhof ihres Mannes. Der glücklichen Ehe entsprangen fünf Kinder. Heute sind fast 30 Jahre ins Land gezogen, seitdem beide den Leitenmüllerhof bewirtschaften. Ein klassischer Milchviehbetrieb mit komfortablen Landwohnungen für Familien, Ruhesuchende und Menschen, denen Nachhaltigkeit und Authentizität wichtig sind. Und wo Kinder gerne Fragen stellen dürfen. „Einmal musste ich für das Frühstück Milch holen gehen. Da kam ein Gästekind auf mich zu und meinte: Bei euch kommt die Milch aus dem Stall? Komisch, bei uns kommt sie aus dem Kühlschrank“, schmunzelt Regina. Solche Erlebnisse zeigen ihr, wie wichtig es ist, aufzuklären und Einblick zu geben. Dass es nicht einfach ist, bestreitet keiner. „Der Milchpreis stagniert seit über 50 Jahren, aber die Investitionskosten für moderne Gerätschaften steigen. Trotzdem schätzen wir unser Bauernleben sehr. Wir wissen, was wir daran haben und können uns selbst erhalten, wenn es darauf ankommt.“
Hofgeschichte Leitenmüller Innenbereich © Daniel Gollner

Den Einklang zwischen Mensch und Tier, den schätzen auch die Gäste. „Wir hatten jahrelang einen deutschen Arzt als Stammgast. Dieser benötigte alleine eine Woche, um sich von seinem Berufsstress zu erholen, eine weitere Woche verbrachte er damit, jeden Tag mit Wanderungen in der Natur zu genießen und in der dritten Woche war er vollends erholt und konnte sich wieder auf seinen Alltag freuen. Viele Gäste genießen das Wanderangebot der Region rund um Schladming und den Dachstein. Andere wiederum verbringen den ganzen Tag bei uns am Hof.“ Und manchmal reist die Arbeit mit in den Urlaub, weswegen eine Internetverbindung unabkömmlich ist. Für Regina, die noch nie ein Handy besessen hat und auch nie eines besitzen will, ein Umstand, der der heutigen Zeit geschuldet ist. „Der Mensch verändert sich, alles verändert sich.“

Hofgeschichte Leitenmüller Blumentöpfe aus Ton © Daniel Gollner

Wo große Probleme plötzlich klein werden

Wenn ihr Geist unruhig wird, sucht sie den Weg hinauf auf die Berge: „Wenn du dort oben zwischen den Felsen stehst, wirken alle Probleme, die man noch im Tal hatte, plötzlich klein und unbedeutend. So, als würden sie gar nicht existieren. Dieses Gefühl der Leichtigkeit bekomme ich nur da. Und wenn die Berge und die Region so etwas in mir auslösen, obwohl ich hier ja leben darf, dann frage ich mich, was löst das in einem Menschen aus, der das erste Mal bei uns auf Urlaub ist?“

Eine Frage, die der hohe Stammgästeanteil am Leitenmüllerhof wohl beantwortet. Und dessen Antwort alle jedes Jahr wiederkehren lässt. Um genau dieses Gefühl wiederzufinden und aufleben zu lassen. Dank der heilenden Kraft der Natur.

Hofgeschichte Leitenmüller Schwein im Stall © Daniel Gollner