Kulturgutmanagement quersubventioniert.

Blogartikel // 09. Apr. 2018
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Elisabeth Berger lebt einen offenen Kulturbegriff.

Sie betreibt aber sicher kein Heimatmuseum und musiziert auch nicht mit ihren Stammgästen. Letzteres wurde zumindest bis dato noch nicht überliefert. Nein. Sie ist einfach nur Bergbäuerin am Lötschenberg in der Gegentaler Einöde. Gemeinsam mit ihrem Daniel tut sie das , was auch schon Generationen davor taten, sehr viel Leidenschaft, Traditions- und Brauchtumsbewusstsein voraussetzt und noch dazu wenig Ertrag bringt. Bergbauernlandwirtschaft, die Kulturlandschaft schafft. Ein empathisches Plädoyer für mehr Jobdescriptions by Herzblut.

Kind nimmt Ei aus dem Nest © Daniel Gollner
Wenn Elisabeth Berger spricht, flitzt dem Gegenüber eine Ladung Stolz ins Gesicht. Überhaupt nicht aufdringlich, sogar eher bescheiden. Trotzdem spürt man deutlich, dass sie den Berufsstand der Landwirtin als etwas höchst ehrenvolles ansieht und das einfache Landleben liebt. Der Priglhof der Bergers ist zwar ein Bergbauernhof, aber trotzdem über eine gut befahrbare Straße schwindelfrei zu erreichen. Seit über 50 Jahren werden hier oben, unweit von Villach (ca. 20 Autominuten vom Zentrum der Draustadt bis zur Hofhaustüre der Bergers) nicht nur Forst- und Landwirtschaft betrieben, sondern auch Gäste beherbergt. So wie es schon Elisabeths Großeltern getan haben. Damals (Achtung!) teilten die sich gar das eigene Bad mit den Hofgästen. Ist auf den ersten Blick harter Stoff, hat aber beim zweiten Hinsehen was vom guten Gründungsspirit von AirBnB. Warum also nicht. Coole Großeltern.
Kind kuschelt mit der Katze © Daniel Gollner

„Wir zeigen das normale Leben. Seit über 50 Jahren“

In Sachen „Promitauglichkeit“ braucht man Elisabeth aber so-was-von-gar-nichts vormachen. Bundespräsident Dr. Thomas Klestil besuchte mit seiner Margot 2002 den höher gelegenen Teil des Gegendtals, das weiß die Bäuerin noch sehr präzise. Passiert ja auch nicht alle Tage, dass das Staatsoberhaupt persönlich am Hof vorbeischaut. Im Fall von Klestil fungierte der Priglhof als Ambiente für Wirtschaftsinterviews. Soweit, so gut. Die VIP-Dichte ist dennoch erträglich hier oben, um es mit einem Schuss Ironie zu formulieren. In der Regel sind es nicht Putin, Merkel oder Macron, sondern Familien, die ihren direkten Erben das gute, weil einfache Leben zeigen möchten, was aus statistischer Sicht auch mehr als gut gelingt. Wie könnte man ansonsten die hohe Zahl an Stammgästen erklären? Den Priglhof muss man schließlich auch finden wollen.
Kalb wird von Kindern gestreichelt © Daniel Gollner

„Zone für Potentialentfaltung“

„Kinder dürfen bei uns schreien, laut Musik hören. Sie dürfen spielen, einfach nur sein ohne viel nachzudenken“, spricht Elisabeth Berger von der Urlaubs-D.N.A. Die Fast-Alleinlage macht es möglich. Kinder sind ja die eigentlichen Urlaubsmacher. Und solange man den 14. Geburtstag noch nicht erlebt hat, sind Ferien am Bauernhof meistens echt cool. In den folgenden Lebensphasen wird es dann abrupt uncooler, aber spätestens mit den eigenen Kindern würden viele wieder auf den Hof zurückkehren. Weil Erinnerungen nun mal das beste Marketingtool sind. Dort wo unsere Emotionen kleben bleiben, da nehmen wir die Bilder, Düfte und Geschmäcker auf lange Zeit mit. Tief drinnen schlummert die Sehnsucht nach Reindling und Bauernbrot. Nicht nur bei den Bergers, auch bei den zahlreichen KollegInnen, die ihre Höfe und Gästebetten der Reisewelt öffnen. Wobei vor allem die hofeigene Bauernbrotkreation garantiert schützenswert wäre.
 
Ob des Brotes wegen oder nicht. Manche Reisende frönen der dualen Urlaubsleidenschaft. Auf eine Woche Adria mit Sonne, Sand und viel Strand folgt dann noch der Priglhof mit Katzen, Ponys und Hasen. Wenn Sie jetzt eher Grado, Branzino und Pinot Grigio visualisieren, dann ist das nichts sündhaftes, sondern nachvollziehbar. Aber denken Sie bitte beim nächsten Mal an meine Worte. Am besten kurz bevor Sie auf der A10 (Tauernautobahn) das Schild „Abfahrt Villach - Ossiacher See“ sehen. Ob Sie Freunde finden werden, kann ich nicht garantieren. Ob Ihnen die Ausstattung der Zimmer und Ferienwohnung mehr zusagen, als manche Designsuiten zwischen Umag und Pula, weiß ich auch nicht. Was Sie aber ganz, ganz sicher finden: Viel Freiraum. Ein starkes Analogsignal in Ihrem Leben. Garantiert.

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