Räuchern & Rauhnächte - Brauchtum bei Urlaub am Bauernhof in Oberösterreich

Blogartikel // 03. Dez. 2019
Auf Facebook teilen
Auf Twitter teilen

Geheimnisvolle Düfte am Bauernhof

Wenn duftender Heilkräuter-Rauch durch das Bauernhaus und den Stall strömt, ist die Zeit des Lichtes nicht mehr weit. In den 12 mystischen Rauhnächten zwischen Weihnachten und den Heiligen Drei Königen, die bereits bei unseren Vorfahren als "Heilige Nächte" verehrt wurden, vertreibt man böse Geister, negative Energien und Krankheiten. Das Ritual des Räucherns wurde mit Ehrfurcht zelebriert und von Generation zu Generation weitergetragen.

Wir haben uns auf die Suche nach Urlaub am Bauernhof Gastgeberinnen gemacht, die den Brauch des Räucherns am Hof leben. Bäuerin Anneliese Stockinger vom Bauernhof Braus in Rohrbach und Bäuerin Annemarie Reifeltshammer vom Bauernhof Himetsberger in Ried im Innkreis haben uns einen Einblick rund ums Räuchern und die geheimnisvollen Rauhnächte gegeben. In den folgenden Interviews erfährst du interessante Details.

Räuchern am Bauernhof Braus im Mühlviertel

UaB: Liebe Anneliese, wann wird bei euch im Mühlviertel geräuchert?
Anneliese: Bei uns am Bauernhof wird grundsätzlich das Brauchtumsräuchern zelebriert. Und dies geschieht in der Advent- und Weihnachtszeit – das sogenannte Rauhnachtsräuchern. Früher wurde zu den Jahreskreisfesten, aber auch zu besonderen Ereignissen im Leben wie Geburt, Hochzeit und Tod geräuchert. Auch bei Krankheiten oder Seuchen, um die Keime abzutöten. Weit verbreitet waren auch Räucherrituale, um vor Unwettern zu schützen. So hat sich zum Beispiel bis heute die „Königskerze“ Pflanze den Beinamen Wetterkerze erhalten und darf daher in keiner Schutzräucherung vor Gewittern fehlen.

UaB: Warum wird bei euch geräuchert?
Anneliese: Das Räuchern soll Mensch und Tier von „schlechten Energien“ befreien. Es soll Glück und Segen für den gesamten Bauernhof bringen und uns vor Unheil bewahren.
 

UaB: Wie wird richtig geräuchert?
Anneliese:
Dazu verwenden wir eine Räucherpfanne mit glühenden Kohlen, auf die wir die Kräuter legen. Wir gehen damit durch alle Zimmer im Bauern- und Ferienhaus und durch den Stall.
 

Räuchern im Stall © Anneliese Stockinger

UaB: Welche Kräuter verwendest du beim Räuchern?

Anneliese: Wir haben einen gut durchsortierten Kräutergarten, wo ich die verschiedensten Kräuter selber pflanze und ernte. Die restlichen Zugaben suche ich mir in meiner Umgebung auf den Wiesen, in den Wäldern und entlang des Baches. Wichtige Kräuter sind zum Beispiel: BEIFUSS, SALBEI, FICHTENHARZ, EISENKRAUT, ENGELWURZ, FRAUENMANTEL, GOLDRUTE, HOLUNDER, JOHANNISKRAUT, KÖNIGSKERZE, LABKRAUT, LAVENDEL, MÄDESÜSS, MINZE, MISTEL, ROSE, ROSMARIN, SCHAFGARBE, WACHOLDER etc. Es gibt aber auch fertige Räuchermischungen zu den verschiedensten Themen zu kaufen.

 

Räuchern Kräutergarten Braus © uab_ooe_raeuchern-Kraeutergarten Braus

In unserem Weihnachtsvideo könnt ihr euch gerne Inspirationen zur Weihnachtszeit am Bauernhof holen und die dazugehörigen Rituale wie zum Beispiel das Räuchern ansehen.

Räuchern am Bauernhof Himetsberger im Innviertel-Hausruckwald

UaB: Liebe Annemarie, wo haben die Rauhnächte eigentlich ihren Ursprung? Wo kommen Sie her?
Annemarie: Die Rauhnächte haben für mich etwas Mystisches. Überlieferungen zufolge haben die Rauhnächte germanische und keltische Wurzeln und sollen am Ende des Jahres das Sonnenjahr mit dem Mondjahr wieder in Einklang bringen. Die Menschen feierten den magischen Zeitpunkt, wenn die längste Nacht des Jahres vorbei war und sich das Licht über die Dunkelheit erhob. Am bekanntesten sind in unserer Region die Rauhnächte rund um die Weihnachtszeit vom 24. auf den 25. Dezember, zu Silvester vom 31. Dezember auf 1. Jänner und vom 5. auf den 6. Jänner.

UaB: Warum wird das Räucher-Ritual bis heute weitergetragen?
Annemarie: Damals als auch heute ist das Räuchern besonders im ländlichen Raum, vor allem in der Weihnachtszeit, verbreitet. Durch ein erhöhtes Gesundheitsbewusstsein, die Rückbesinnung auf Altbewährtes, Glaube, Entspannung, Reinigung oder auch Schutz vor schlechten Mächten gewinnt dieser Brauch wieder an Beliebtheit.

Doch man macht dies nicht nur, um die bösen Geister und negative Energien zu vertreiben, sondern auch, um Wohnräume zu aromatisieren und den Duft zu genießen. Der Gedanke, durch das Räuchern Haus, Hof, Mensch und Tier zu schützen, steht bei uns natürlich im Vordergrund. Besonders ausgiebig geräuchert wird am Heiligabend. Ab und an wird auch noch zu Silvester und in der Nacht zum Dreikönigstag am 6. Jänner nachgeräuchert. Ich persönlich sehe das Räuchern als eine wunderschöne Geste und ein ehrenvolles Ritual, das frühere Traditionen und altes Wissen mit modernem Leben verbindet.

UaB: Welche Utensilien oder Beimengungen verwendest du zum Räuchern?
Annemarie: Zum Räuchern nehme ich gerne:

  • reinsten Weihrauch
  • das beliebte Räucherkegel Rezept, das ich euch gerne verrate.
     

Bäuerin Annemaries Räucherkegel Rezept:

  • Gewünschte Kräuter sammeln (z.B.: Lavendel, Holunder, Bartflechte, Beifuß, Engelwurz, weißer Salbei, Mistel, etc. )
  • klein schneiden oder mahlen, ev. Harz fein reiben und alles mischen
  • etwas Tapetenkleister in Wasser anrühren und über die Kräuter gießen 
  • Kegeln oder Kugeln formen, je nachdem wie groß das vorhandene Räuchergefäß ist. Auf Backpapier legen und einige Tage trocknen lassen.
  • Räuchergefäß mit Teelicht oder Messingplatte aufstellen, dies ist die einfachste Anwendung vom Räuchern. Vorsicht: die Schüssel nur mit Küchenrolle auswischen und Reste nicht in den Abguss spülen.
Räucherkugel © Annemarie Reifeltshammer