Striezel flechten mit der Bäuerin

Blogartikel // 29. Nov. 2017
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Geflochtene Tradition

Im Alten Gehöft am Lormanberg der Familie Schöllauf genießen die Gäste Auszeit vom Alltag. Die Ruhe in idyllischer Umgebung, die wunderschön eingerichteten Hütten, aber vor allem ein spezielles Begrüßungsgeschenk bleibt den meisten noch lange in Erinnerung.

Der Allerheiligen-Striezel hat hierzulande eine lange Tradition. Im 19. Jahrhundert wurde das sogenannte Armenbrot rund um den Feiertag den Bedürftigen und Hungerleidenden geschenkt. Da vielerorts der 1. November außerdem als „Godntag“ bekannt war,— jener Tag, an dem Tauf- bzw. Firmpaten ihre Patenkindern besuchten — wurde auch zu diesem besonderen Anlass der allseits beliebte Striezel als Geschenk eingeführt. In der Küche der Familie Schöllauf hat der beliebte Striezel das ganze Jahr über Saison.

Genussvoller Empfang

„Eigentlich hatten wir nie geplant, Zimmer zu vermieten, es hat sich mit der Zeit einfach so ergeben“, erzählt Maria Schöllauf. Gemeinsam mit ihrem Mann Josef renovierte sie das Haus ihres Vaters, kurz darauf sollten die benachbarten Bauernhäuser folgen. Mittlerweile gehören einige Zimmer und vier Häuser zu dem „Mini-Dorf“ in Kirchberg an der Raab, welches die Familie liebevoll betreut. Die Besucher genießen hier wunderbare Stunden inmitten unberührter Natur und als besonderes Begrüßungsgeschenk erhalten sie natürlich den berühmten Striezel.

Für die Zubereitung des Zopfes aus Germteig werden Mehl, Salz, Germ, Zucker, Butter, Milch und Rosinen mit einem Knethaken vermischt. Den besonderen Geschmack macht außerdem der Zitronenabrieb aus, denn diesen stellt die leidenschaftliche Bäckerin selbst her. Dafür trocknet sie die abgeriebenen Zitronenschalen auf dem Kachelofen, was die Stube nicht nur mit einem herrlichen Duft erfüllt, sondern außerdem für ein großartiges Aroma sorgt.

Die Kunst des Flechtens

Nach dem Rasten wird der Teig auf einem Holzbrett kräftig geknetet. Die Enkelkinder Matthias und Irina unterstützen ihre Oma in der Striezel-Bäckerei: Geschwind teilen sie den Teig in zwei Hälften und formen daraus anschließend jeweils sechs runde Kugeln, welche zu langen Rollen gedreht werden. Während Matthias im Handumdrehen zwei gleichmäßig große Striezel zaubert, beweist Irina Fingerspitzengefühl bei der Zubereitung eines Kinder-Striezels. Die Kunst, einen Sechs-Zopf zu flechten, haben sie natürlich von ihrer Oma gelernt. Die Form des Striezels ist übrigens auf die Antike zurückzuführen: Zur damaligen Zeit schnitten sich Witwen den geflochtenen Zopf ab, um ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen.

Abschließend wird der Striezel mit einem Ei bestrichen und mit Hagelzucker bestreut. Nun muss der Hefeteig mindestens eine halbe Stunde ruhen, bevor er bei 180 Grad für 25 Minuten auf mittlerer Stufe im Ofen bäckt. Gibt man dem Germ nicht ausreichend Zeit zu gehen, bilden sich anschließend Risse im Striezel. Während die Familie gespannt auf das Ergebnis und die Kostprobe wartet, füllt sich die Küche allmählich mit dem unverkennbaren Duft. Maria Schöllauf genießt diese Momente besonders: „Es ist so schade, dass viele Leute heutzutage nicht mehr selbst kochen oder backen. So lernen die Kinder die wunderbaren Düfte und Gerüche aus der Küche niemals kennen.“