Strudelzeit beim Öllerbauer

Blogartikel // 03. Nov. 2017
Auf Facebook teilen
Auf Twitter teilen
Auf Google+ teilen

Inmitten des Naturparks Pöllauer Tal liegt der Bauernhof „Beim Öllerbauer“. Die Besonderheit der Region wird auch in der Backstube des Hauses gelebt.

Dass in der Küche von Maria Heil viel und regelmäßig produziert wird, ist nicht zu übersehen: 20 Kilo Mehlsäcke, große Vorratsdosen und unzählige Eierkartons türmen sich in der hellen Backstube. Neben verschiedensten Keks-, und Brotsorten zählt vor allem der Strudel zu den Spezialitäten der gelernten Konditorin. Für den Teig wird Mehl, Wasser, Öl, Salz, Essig und ein Ei geschwind vermischt und heftig geknetet. Glaubt man der Tradition, so muss die Masse 99 Mal geschlagen werden. Und danach mindestens eine halbe Stunden rasten.

Die Birn in der Birn

Mindestens zwei Tage in der Woche verbringt Maria Heil regelmäßig in ihrer Backstube. Die Liebe zum Backen war schon immer gegeben, die Idee, die Ware auch zu verkaufen entstand vor mehr als zwanzig Jahren im Rahmen der Landesausstellung Pöllau. Damals wurden die Gast- und Landwirte um Produkte aus der heimischen Küche gebeten. Familie Heil steuerte ihre berühmten „Nervenkekse“ nach einem Rezept von Hildegard von Bingen sowie Lebkuchen bei. Die Lebkuchen vom Öllerbauer repräsentieren die GenussRegion Pöllauer Hirschbirne: Jene regionalen Leckerbissen werden mit einem eigens angefertigtem Ausstecher in Birnenform produziert, denn drinnen ist, was draufsteht — nämlich die „Birn in der Birn.“

Der Strudelteig wird nun auf einem feuchten Tuch ausgebreitet und geduldig lang gezogen. „Heiraten darf man erst, wenn man den Strudelteig so dick auftragen kann, dass man darunter eine Zeitung lesen könnte“, lacht die passionierte Bäckerin. Danach wird die Masse mit warmer Butter bestrichen. Während der eine Strudel mit Apfelstücken, Zimt und Zucker gefüllt wird, wurden für den zweiten Teig bereits Birnen und Topfen vorbereitet — Enkeltochter Hanna hilft tatkräftig mit, spezialisiert sich jedoch schnell auf die vorzeitige Verkostung. Um allen Geschmäckern gerecht zu werden, wird eine Hälfte zusätzlich mit Rosinen bestückt. Anschließend dreht Maria Heil die Strudelteige vorsichtig zusammen, bestreicht sie mit Milch und schiebt die Bleche in den großen Backofen.

Zusammenhalt im Familienbetrieb

Direkt am Hof führt der bekannte Hirschbirnwanderweg vorbei. Folgt man diesem ein paar Schritte, gelangt man zu dem idyllischen Ferienhaus. In einem urigen Landhaus hat die Familie zwei wunderschöne Ferienwohnungen inklusive einer Sauna errichtet. Um die Vermietung der Ferienwohnung sowie die Landwirtschaft kümmert sich Sohn Martin gemeinsam mit seiner Frau. Allerdings legt Maria Heil großen Wert auf den Zusammenhalt: Da sie früher nie die Gelegenheit hatte, sich gemeinsam mit ihrem Mann eine Auszeit von den Pflichten am Hof zu gönnen, möchte sie ihren Kindern dies unbedingt ermöglichen.

Der Duft von Frischgebackenem erfüllt mittlerweile das ganze Haus. Der Teig ist goldbraun, als Frau Heil die Strudel aus dem Ofen zieht. Vorsichtig schneidet sie den Strudel an und bedeckt die Stücke mit Staubzucker. Sowohl optisch als auch geschmacklich unterscheidet sich der selbstgemachte Strudelteig auf den ersten Blick – beziehungsweise Biss – um Welten von der gekauften Alternative. Auch Maria Heil ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Denn wenn man schon etwas isst“, so die Landwirtin, „dann sollen wir zumindest was Gescheites essen!“