Kleines Wein-Lexikon

Blogartikel // 21. Jan. 2021
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Die Önologie, die Wissenschaft vom Wein, verwendet viele Fachvokabel. In Österreich sollten Weinliebhaber noch ein paar zusätzliche Begriffe kennen. Ein kleines alpenländisches Weinlexikon – von A wie „ausg’steckt“ bis Z wie „Zweigelt“.

Ausg'steckt

So sagt man in Österreich, wenn ein Buschenschank geöffnet hat. Erkennen kann man dies am „Buschen“ aus Nadelzweigen, der außen beim Eingangstor angebracht ist.

uab_noe_Heurigen_Winzer_Ausgsteckt © weinfranz

Buschenschank (auch: Buschenschenke)

Bezeichnung für ein Lokal (besonders in der Steiermark und im Südburgenland), in dem Winzer selbst erzeugten Wein ausschenken. Ebenso Most, Sturm, Trauben- und Obstsaft aus eigener Produktion sowie einfache, hausgemachte Speisen. Ein Buschenschank hat nur zu bestimmten Zeiten im Jahr geöffnet. Lediglich Besitzer bzw. Pächter von Wein- oder Obstgärten dürfen ihn betreiben. In Niederösterreich ist eher der Begriff  "Heurigen" gebräuchlich. Hier geht's zum Artikel "Heurigenkultur - Ausg'steckt is!"

Butte

Tragekorb aus Weidengeflecht, Holz, Zinkblech oder Kunststoff. In ihm werden bei der händischen Weinlese die Trauben gesammelt und transportiert.

Doppler

Weinflasche mit zwei Litern Inhalt, also eine Doppelliterflasche. Volkstümlich auch „Austro-Magnum“ genannt. Früher eher schlecht beleumundet, da im Doppler häufig einfacher, minderwertiger Wein verkauft wurde. Heute kaum mehr verwendet.

Grüner Veltliner

Die mit Abstand beliebteste Weißweinsorte Österreichs. Einheimische Rebe, auf etwa einem Drittel der Weinbaufläche angebaut (bzw. auf 47 % der Weißweinfläche) – v. a. in Niederösterreich und im nördlichen Burgenland.

Weinreben im Sonnenlicht in Spitz in Niederösterreich © Uwe Grinzinger

G'spritzter

Mischgetränk aus Wein und Soda- bzw. Mineralwasser. Normalerweise im Mischungsverhältnis 1:1, beim "Sommerg’spritzten" auch mit mehr Wasser als Durstlöscher.

Es finden sich regional noch weitere Abwandlungen, wie zum Beispiel der  "Kaiser G'spritzte " in den zusätzlich ein Schuss Hollunderblütensirup kommt.

Hauer (auch: Weinhauer)

Der „Winzer“ bzw. „Weinbauer“. Also jene Person, die den Weinbau beruflich ausübt. Abgeleitet von der Haue, mit der man den Boden im Weingarten traditionell bearbeitete.

Heckenklescher (auch: Rabiatperle)

Abwertende bis scherzhafte Bezeichnung für Weine minderer Qualität, speziell für die Weinsorten Uhudler (Burgenland) und Schilcher (Steiermark). Deren säurebetonter Geschmack könne einen Bären aus dem Winterschlaf aufwecken, meinte der Volksmund. Nach übermäßigem Genuss dieser Weinsorten pralle („klesche“) man in Hecken oder werde gar rabiat. Heute werden aus beiden Sorten auch hochwertige Weine hergestellt.

Heuriger

Entweder der Jungwein der letzten, heurigen Ernte. Oder das Lokal, in dem dieser ausgeschenkt wird (besonders in den Weinbaugebieten in Wien und Umgebung gebräuchlich). Der Begriff „Heuriger“ ist nicht geschützt. Er kann somit ein klassischer Buschenschank sein oder auch ein „ganz normaler“ Gastgewerbebetrieb – in letzterem Fall mit größerem Speisenangebot und ganzjährig geöffnet. Hier geht's zum Artikel "Heurigenkultur - Ausg'steckt is!"

Paar beim Heurigen in Niederoesterreich © Ralph Fischbacher

Junker

Spritzig-fruchtiger Jungwein aus der Steiermark, jedes Jahr schon Anfang November erhältlich – wenige Tage vor dem Martinifest.

Kellergasse

Schmale Gasse oder Hohlweg, wo sich kleine Häuschen in Zeilen oft dicht aneinanderreihen – auf einer oder beiden Seiten der Gasse. Prägen v. a. das Landschaftsbild in niederösterreichischen und burgenländischen Weinbaugebieten. In den idyllischen, teilweise denkmalgeschützten Kellergassen wohnte traditionell niemand. Dort wurde der Wein gepresst (in Presshäusern) und gelagert (in Weinkellern). Heute gibt es fallweise Ferienwohnungen in Kellergassen-Häuschen. Das gesellige Kellergassen-Leben in Slow-Motion kann man auch bei Kellergassenfesten oder -führungen erleben. Hier geht's zum Artikel "Kellergassen - Dörfer ohne Rauchfang".

Kellergasse Zellerndorf © Weinviertel Tourismus - Robert Herbst

Klapotetz

Windmühlenartige Holzkonstruktion in südsteirischen Weingärten. Mithilfe des Windes und einer Art „Propeller“ erzeugt der Klapotetz klappernden Lärm. So sollen gefräßige Vögel aus dem Weingarten vertrieben werden.

Region Süd-West-Steiermark © Harry Schiffer

Stifterl

Kleine Weinflasche mit 0,375 Liter Inhalt, die in die Luft ging: In den 1950ern beauftragte die Fluglinie Austrian Airlines das Weingut Stift Klosterneuburg mit der Lieferung von Wein in kleinen Flaschen – die offizielle Geburtsstunde des „Stifterls“, namentlich abgeleitet vom Stift. Inzwischen manchmal auch für 0,2- und 0,25 Liter-Flaschen gebraucht.

Sturm

Populäres, trübes Herbstgetränk. Gepresster Traubenmost, dessen Gärung gerade begonnen hat. Mit jedem Tag der Gärung nimmt die Süße ab, der Alkoholgehalt zu. Übrigens: Beim Anstoßen mit Sturm sagt man "Mahlzeit!", nicht "Prost!"

Weinberge in Spitz an der Donau in Niederösterreich

Zweigelt

Häufigste Rotweinsorte Österreichs (13 % der Rebfläche bzw. 42 % der Rotweinfläche). Hergestellt durch Kreuzung aus Blaufränkisch und St. Laurent, benannt nach seinem Schöpfer, Dr. Fritz Zweigelt. Früher hieß der Zweigelt Rotburger.

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