Wein, Marillen und viele alte Geschichten

Blogartikel // 02. Apr. 2020
Auf Facebook teilen
Auf Twitter teilen

Die Wachau und ihr Hinterland

Wo die Donau Sandstrände bildet, wo Burgruinen aus dicht bewachsenen Weinhügeln ragen, und wo pittoreske Städtchen von alten Zeiten erzählen – dort liegen die Wachau und der Nibelungengau. Seit dieser Landstrich in den 50er Jahren zur Kulisse vielgesehener Heimatfilme wurde, blüht hier nicht nur die Marille, sondern auch der Tourismus. Nun, das Donautal im Herzen Niederösterreichs hat seinen Besuchern ja auch viel zu bieten. Da sind der Weißwein und die schmackhafte regionale Küche, da sind die Burgruinen und die mittelalterlichen Ortschaften, da ist der Donauradweg, und da ist das dichte Netz an Wanderwegen. Und da ist vor allem das herrlich milde Klima, das den Besuch in der Wachau und ihrem Hinterland zu praktisch jeder Jahreszeit zu einem wunderbaren Ereignis macht. Hier werden nicht nur Sehnsüchte geschürt, sondern auch erfüllt. So nimmt es nicht Wunder, dass das Gesamtpaket Wachau vor 20 Jahren von der UNESCO geadelt und zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Am authentischsten und mittendrin erlebt man das alles auf einem der Urlaub am Bauernhof-Betriebe dieser Region.

Weingaerten in der Wachau © Niederösterreich-Werbung - Michael Liebert

Eine kleine Städtereise ...

Im Osten, also stromabwärts, beginnt die Wachau mit der altehrwürdigen Handels- und Weinstadt Krems. Galerien, Museen und Theater haben die hübsche Stadt fest in der österreichischen Kulturszene verankert. Besonders lohnend ist ein Spaziergang durch die Altstadt mit den schönen Bürgerhäusern.

Nur wenige Kilometer weiter westlich wartet einer der meistbesuchten Orte Österreichs: Die kleine Stadt Dürnstein mit ihren malerischen Gässchen und der romantischen Ruine begeistert jährlich unzählige Besucher aus aller Welt. Ein eher unfreiwilliger Gast war Richard Löwenherz, der im 12. Jahrhundert hier (oder in einer anderen Burg im Nibelungengau) gefangen gehalten wurde. Der Legende nach wurde der englische König dereinst von seinem treuen Sänger Blondel befreit. Überhaupt ist ja die Wachau aufgrund ihrer bewegten Historie ein Eldorado für alle, die sich gern von Geschichten verzaubern lassen.

Ganz idyllisch präsentieren sich ein kleines Stück weiter donauaufwärts die Orte Spitz und Weißenkirchen. Hier liegt das eigentliche Zentrum der Wachau, und hier ist die Gemütlichkeit zu Hause – davon zeugen schon die urigen Heurigenlokale!

Das „Tor zu Wachau“, wie die Stadt Melk auch genannt wird, liegt am anderen Ufer der Donau. Beeindruckend ist nicht nur die schöne Altstadt, sondern vor allem das über der Donau thronende Benediktinerstift. Dieses herrliche Barockgebäude mit Marmorsaal und der weltberühmten Bibliothek ist für jeden Wachaubesucher ein Muss.

Klein-Pöchlarn, der Wallfahrtsort Maria Taferl und Ybbs schließen westlich an die Wachau an. Dieser Abschnitt, der Nibelungengau genannt wird, ist ruhiger und weniger touristisch und wird gerade deshalb als Geheimtipp für all jene gehandelt, denen der Sinn nach Wanderungen, gutem Essen und echtem Bauernleben steht. Nicht zu vergessen, das erhöht gelegene und schon zum Waldviertel gehörende Artstetten mit seinem Märchenschloss und dem verträumtem Parkgelände. Sehr interessant sind das zugehörige Museum und die Grabesstätte von Thronfolger Franz Ferdinand. Auch immer eine Besichtigung wert sind das Gelände und die Ausstellungen auf der Schallaburg, welche am rechten Donauufer liegt. Diese Seite des Donaustroms – eindeutig die beschaulichere – hat mit dem Dunkelsteiner Wald und den reizvollen, aber wenig überlaufenen Weinorten (zum Beispiel Mautern, Rossatz oder Nußdorf) sowie mit Ruine Aggstein und Stift Göttweig ebenfalls ihre Highlights.

Weissenkirchen an der Donau © Antje Zimmermann

Ob zu Land oder zu Wasser ...

Nun lassen sich die beiden Donauufer der Wachau freilich auf vielerlei Weise erkunden. Eine Schifffahrt ist nicht nur ein entspanntes Abenteuer, sondern schenkt auch wunderschöne Einblicke in die Traumlandschaft. Wer sich genauer umschauen und auch die – sehenswerten! – Gässchen, die Kirchhöfe und Weinkeller erforschen will, sollte sich aber unbedingt zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf die Reise machen. Letzteres empfiehlt sich schon allein wegen des gut beschilderten Donauradwegs. Jausenstationen sorgen dafür, dass das leibliche Wohl der Pedalritter keinesfalls zu kurz kommt. Eine Übernachtung auf einem der Radlerbauernhöfe entlang der Strecke verspricht zudem einen erholsamen Schlaf und morgens ein herzhaftes Bauernfrühstück. Übrigens muss man gar nicht selbst mit dem Rad anreisen, denn Leihbetriebe gibt’s hier allerorts. Das gut getaktete öffentliche Verkehrsnetz sorgt zudem dafür, dass müde Wanderer problemlos wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurückfinden.

Ferdinand Denk in den Weinbergen der Faqmilie © Antje Zimmermann

Die Marillenblüte

Untrennbar verbunden ist das Donauufer zwischen Melk und Krems mit einer Frucht, die hier seit über 2.000 Jahren kultiviert wird. Zweimal im Jahr – zur Blütezeit und anlässlich ihrer Ernte – dreht sich in der Wachau alles um die Marille. Ende März färben sich die ersten Knospen der Marillenbäume rosa-weiß, und bald schon verwandeln über 100.000 Bäume das Donauufer in ein duftendes Blütenmeer. Jetzt sollte man unbedingt eine ausgedehnte Radtour oder einen Spaziergang durch die Marillengärten einplanen. Achtung: Der Beginn dieses Wunders lässt sich nie ganz genau voraussagen, deshalb müssen Kurzurlauber dem Wohlwollen der Natur vertrauen. Nichts verpassen wird freilich auch, wer länger bleibt. Das zahlt sich sowieso aus, weil ja auch die vielen kulinarischen Spezialitäten – ob beim gemütlichen Heurigen oder im Spitzenrestaurant – durchprobiert werden müssen.

Marillenbluete © Donau Niederösterreich - www.extremfotos.com

Aktiv und genussvoll ...

Wer gut isst, soll sich auch gut bewegen – und umgekehrt. In der Wachau und im Nibelungengau sorgen zahlreiche Wander- und Radwege für den gesunden körperlichen Ausgleich. Was das Wandern betrifft, so ist in dieser Region von alpin anspruchsvolleren Touren bis zu Spaziergängen durch die sonnigen, von Steinmauern umgebenen Weinrieden alles möglich. Ein unvergleichliches Erlebnis bietet der Welterbesteig – eine 180 km lange Wanderung, die von Krems nach Melk durch die Weltkulturerbelandschaft führt. Auch der Marille sind Wanderwege gewidmet, etwa die Marillenmeile oder der Marillen-Erlebnisweg. Wenig überlaufen und mit ebenfalls traumhaften Aussichten verbunden ist der Panoramawanderweg im Spitzer Graben, welcher in einem Seitental des Donautals von Spitz nach Norden Richtung Waldviertel führt.

Unterwegs kann man sich in den Hofläden der Bauern stärken. Auch hier gilt: Je weiter abseits vom touristischen Trubel, umso preiswerter ist das Vergnügen. Auf einem Urlaub am Bauernhof-Betrieb gewinnt man Einblicke in die Natur, man hat Kontakt mit Tieren, man hört allerlei Geschichten aus erster Hand. Und vielleicht kann man sogar der Bäuerin beim Zubereiten ihrer Schmankerln über die Schulter schauen und ihr ein Marillen-Rezept abluchsen …

Donauradweg bei Duernstein © Donau Niederösterreich - Uwe Krauss

Erntezeit!

Ende Juni sind die meisten Marillen herangereift. Wie auch die Blüte, so ist die Reifung und mithin die Ernte der Marillen von Ost nach West und auch je nach Höhenlage verschoben. Weil der genaue Zeitpunkt nicht exakt vorauszusehen ist, muss man bei der Urlaubsplanung ein bisschen auf das Glück hoffen – oder aber man berücksichtigt den Staffellauf der Natur und nimmt in einem etwas höher gelegenen Ort im Hinterland Quartier. Im verschlafenen Mühldorf etwa sind die Marillen genau zwei Wochen später dran als in Krems. Frisch gepflückt schmecken die Früchte natürlich am besten, deshalb verkaufen viele Marillenbauern ihre Ware direkt aus den Gärten, oder sie haben ihre Stände am Straßenrand aufgestellt. Doch aufgepasst, nicht alle Standln verkaufen auch wirklich Früchte aus der Gegend. Am besten erkundigt man sich bei den bäuerlichen Vermietern und Vermieterinnen – die kennen sich aus und geben immer einen guten Rat. Schließlich ist Marille nicht gleich Marille!

Frau bei Marillenernte © Donau Niederösterreich - Steve Haider

Und zum Schluss noch ein paar Tipps:

Traditionen spielen in der Wachau eine große Rolle. Die Feste sind für die Bewohnerinnen und Bewohner immer ein willkommener Anlass, ihre Trachten hervorzuholen. Dann bestaunen die Gäste die schönen Dirndln und Goldhauben der Frauen und die prächtigen Kalmuk-Janker der Männer.

Selbstverständlich wird in der Wachau die Marille auch auf besondere Weise gefeiert. Jeden Sommer findet das Marillenfest statt. Bei diesem Kirtag gibt es nicht nur einen traditionellen Festzug, angeführt von König Marillus und Prinzessin Aprikosia.

Beim Wachauer Weinfrühling laden die Winzer zur Verkostung ihrer Jahrgangsweine ein. Shuttlebusse sorgen für eine problemlose An-, Weiter- und Abreise.
www.vinea-wachau.at/aktivitaeten/wachauer-weinfruehling

Tausende Lichter zu Lande und zu Wasser verzaubern die Ufer der Donau anlässlich der Sonnwendfeier Ende Juni. Dass dieses Spektakel auch kulinarisch entsprechend gewürdigt wird, versteht sich von selbst.
www.donau.com/de/sonnenwende

Sehenswert ist der Spitzer Kirtag am vorletzten Wochenende im Juli.
www.spitz-wachau.at/Marillenkirtag

Schöne Aussichten hat man im Klostergarten von Stift Göttweig. Hier gibt es übrigens sogar einen „Marillenbaumkindergarten“!
www.stiftgoettweig.at

Erntedank wird in vielen Ortschaften der Wachau gefeiert. Besonders stimmungsvoll etwa in Weißenkirchen. Im Rahmen des Festaktes erfolgt am Weißenkirchner Marktplatz alljährlich auch die symbolische Angelobung der „Weingarten-Hiata “. Diese „Hüter“ passen nicht nur darauf auf, dass keine Trauben aus den Rieden gestohlen werden, sondern wissen den Gästen der Wachau auch viel über den Weinanbau zu erzählen.
www.weissenkirchen-wachau.at

Vorausplanung ist alles. Und deshalb an dieser Stelle ein Rat an alle Frühbucher: Der Advent ist in der Wachau immer ein besonderes Erlebnis.
www.weltkulturerbe-wachau.at/projekte/detailansicht/rwd_projects/wachauer-advent

Nicht nur beim Burgadvent, auch anlässlich des Mittelalterfests im April oder einfach nur so bei einer Burgführung: Die Ruine Aggstein am rechten Donauufer bietet das perfekte Ambiente für alle, die sich gern vom Charme alter Zeiten verzaubern lassen.
www.ruineaggstein.at