Wenn eine Familie sich gemeinsam selbst verwirklicht

Blogartikel // 09. Nov. 2017
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Innovation ist nicht das Erste, woran man in Zusammenhang mit einem Bauernhof denkt. Doch damit täuscht man sich gewaltig. Am Zieferhof in Saalfelden Leogang verwirklicht sich eine ganze Familie mit drei Generationen selbst und zeigt, wie man ein Generationenunternehmen mit viel Liebe zur Tradition in die Zukunft führt.

Bio-Milchbestellung 2.0

Als wir früh am Morgen beim Zieferhof in Saalfelden Leogang ankommen, begrüßt uns Bernhard mit einigen Milchflaschen in der Hand. Im Gegensatz zu uns steht ihm die Müdigkeit nicht mehr ins Gesicht geschrieben. Kein Wunder, Bernhard ist ja auch schon seit 4.00 Uhr wach. Der 29-jährige ist am Hof der Familie Perwein seit 2012 für die Milchdirektvermarktung zuständig. Das Schöne daran: Das hat er sich selbst ausgesucht und alle waren einverstanden. „Mir war schon immer klar, dass ich einmal den Betrieb übernehmen möchte. Deswegen wollte ich früh einsteigen und ihn gleich in eine Richtung lenken, die mir gefällt“, erzählt er, während er die Milchflaschen in seinen Lieferwagen einlädt. Für den Vertrieb in der Region hat Bernhard die Plattform www.mei-muich.at geschaffen und damit ein schönes Beispiel erbracht, wie sich Tradition und Innovation die Hand geben können.

Bauer mit Milchflasche © Matthias Gruber

Alles, was man selbst hat …

Als Bernhard sich auf den Weg macht, treffen wir seinen Papa Rupert. Auch er zählt zu den Frühaufstehern und kommt gerade aus der Backstube. Gemeinsam mit seiner Frau hat er heute Brot gebacken, das machen die beiden jeden Montag und Freitag. Die rund 150 Laibe werden an Hotels und andere Betriebe in der Region geliefert oder im eigenen Hofladen verkauft. Auf den ist Rupert besonders stolz, auch weil er ihn gemeinsam mit seinem Sohn aufgebaut hat. Im Hofladen findet man Gutes aus eigener Produktion: Vom Vollkorndinkelbrot über Milch, bis zu Marmelade und Jogurts. Vater und Sohn sind sich einig: „Das Schönste ist, wenn man alles selber herstellen kann. Das schaffen wir mittlerweile in weiten Teilen. So können wir unsere hochwertigen Produkte mit gutem Gewissen weitergeben“, sagt Rupert.

Für Rupert und Maria war es übrigens ein Experiment, als sie neben dem ganz normalen Hofbetrieb damit begonnen haben, auch Getreide anzubauen – schließlich ist der Pinzgau kein einfaches Anbaugebiet. Doch der Dinkel wächst und gedeiht seit drei Jahren auf einem eigenen Feld, unweit vom Hof. Auch das ist eine Stärke der beiden: Ausprobieren und schauen, wo die neuen Schritte hinführen. Rupert und Maria sind sehr zufrieden: Obwohl das Wetter dieses Jahr nicht so wirklich mitgespielt hat, brachte die Ernte genug Ertrag, um daraus Nudeln und Dinkelreis zu zaubern, die sie im Hofladen verkaufen.

Zimmervermietung seit 1952

Das Treiben am Hof kann man live beobachten. Familie Perwein führt - neben all der Vielfalt - einen Urlaub am Bauernhof-Betrieb. Ideal gelegen, um wandern oder Skifahren zu gehen, stehen insgesamt zehn Betten in zwei Ferienwohnungen zur Verfügung. Frisch gefangen sind die Perweins in diesem Geschäft aber nicht: Seit 1952 werden am Hof Zimmer vermietet, die Oma hat nach dem Krieg bereits damit begonnen. Die lange Erfahrung macht sich bezahlt: „Die Gäste können bei uns tun und lassen, was sie wollen“, erzählt Maria. Und wenn sie mit dem Traktor mitfahren wollen, ist das auch in Ordnung. Für die Kinder hat sich Maria etwas ganz besonders einfallen lassen: „Mit Kinder machen wir die Zieferhof-Ralley“, das ist eine Schnitzeljagd quer durch den Hof. Die kleinen Gäste müssen zahlreiche Fragen zum Hof und den Tieren in Erfahrung bringen und sammeln. „Das kommt sehr gut an“, sagt Maria.

Das die Zeit am Zieferhof nicht stehen bleibt, sieht man an den vielen Ideen, die Rupert und Bernhard im Kopf haben. Sie haben gerade begonnen, mit einer Whiskybrennerei zu experimentieren. Die nächsten Umbauarbeiten sind schon wieder geplant und auch der Hofladen soll weiterhin gefüllt werden. Aus eigener Kraft oder mit Hilfe von regionalen Partnern. Die Familie Perwein wäre nicht vollständig, ohne Oma Maria und Opa Bernd. Diese helfen immer noch brav am Hof mit. Und viele der Stammgäste kennen Maria und Bernd schon seit langer Zeit. Gemeinsam arbeiten sie daran, das Verständnis der Gäste für Landwirtschaften zu schärfen. „Ein Berliner Kind hat mal gefragt, ob eines unserer Kälbchen bereits Milch gibt“, lacht Rupert. Viele Kinder kommen aus Umgebungen, in denen man nicht immer die Möglichkeit hat, einfach so auf einen Bauernhof zu spazieren.

Kühe im Stall © Bernd Suppan

Am Hof der Perweins kann man alles hautnah miterleben - egal ob es um Getreide, Milch, Brot oder Tiere geht. Am Zieferhof ist besonders … … weil sich hier drei Generationen einer Familie selbst verwirklichen und man als Gast nur das Beste vom Besten bekommt. Am Zieferhof wohnt … … die Familie Perwein. Dazu gehören Oma und Opa namens Maria und Bernd, Papa und Mama, namens Rupert und Maria und deren beide Söhne. Am Zieferhof kann man … … sehen, wie aus Bio-Zutaten Milch, Dinkelnudeln, Brot, Jogurt, Marmelade und vieles mehr gemacht wird. Aber auch: beim Traktorfahren dabei sein, in den Stall mitgehen und von dort aus Wandern und Skifahren. Den Zieferhof findet man … … allerlei Leckereien, die Kindern und Erwachsenen zeigen, wo Bio-Lebensmittel herkommen und wie man diese auch verarbeiten muss.

Familie Perwein © Matthias Gruber