#WieWirLeben: Auf Besuch in der „lauten“ Stille

Blogartikel // 11. März 2019
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Der schönste Lohn, den sich Gerlinde für ihre Arbeit vorstellen kann, ist, wenn die Kinder sie beim Abschied ganz fest umarmen und sagen: „Tschüss, bis nächstes Jahr.“ Weil dort, am Biobauernhof Weger im Gailtal, noch echte Urerlebnisse warten.

Die Freiheit genießen und das Besondere im Einfachen finden. Ungekünstelt, naturnah, ehrlich. Gerlinde Weger hält ihren Gästen keinen Spiegel vor, wenn es um die harte, tägliche Arbeit in der Landwirtschaft geht. Im Gegenteil, hier ist jeder herzlich eingeladen, ein Teil vom großen Ganzen zu werden. „Wir brauchen nichts Neues erfinden, zu uns kommen nicht die Menschen, die Action und Abenteuer suchen, sondern vielmehr diejenigen, die die ,laute‘ Stille erleben möchten.“ Wo abends die Grillen zu ihrem täglichen Sommerkonzert laden und donnernde Gewitter über den Gailtaler Almen bei vielen die Ehrfurcht vor Mutter Natur wieder in Erinnerung rufen.

Echte Urerlebnisse

Am Biobauernhof Weger spürt man sie wieder, die „alte“ Freiheit, die vielen fremd geworden ist und denen die Jüngsten oftmals noch gar nie begegnet sind. Da dürfen die Kinder den ganzen Tag ausgelassen toben, Fragen stellen und Gerlinde neugierig über die Schulter schauen, wenn sie den rustikalen Holzofen anheizt, um wenige Momente später das Brot einzuschießen, welches man vorab fleißig geknetet und geformt hat. „Wir zählen uns zu den Urerlebnisbauern, einer Gemeinschaft mehrerer Höfe, wo wir mit den Gästen verschiedenste Aktivitäten unternehmen, sogenannte Urerlebnisse. Gerlinde ist für das Brotbacken zuständig, wenige Kilometer weiter darf man sich im Holzschnitzen versuchen, Wanderungen und Kutschenfahrten stehen ebenfalls am Programm. Für einen spielerischen Austausch, ein ungezwungenes Kennenlernen und um unvergessliche Urlaubsmomente zu sammeln.

Auf gesunde Lebensmittel sensibilisieren

Auf dem Milchviehbetrieb von Gerlinde und ihrem Mann Christian wird reinste Biowiesenmilch hergestellt. Neben der Vermietung von Ferienwohnungen ihr zweites Standbein. Der größte Teil der Milch wird an die Kärntner Milch geliefert, der Rest veredelt. Topfen, Butter, Joghurt, Gerlindes Kreationen finden bei ihren Gästen großen Anklang sowie in der heimischen Gastro-Szene. „Viele Kinder sind diesen echten Geschmack gar nicht mehr gewöhnt, kennen beispielsweise nur den künstlich erzeugten Erdbeergeschmack. Man muss sie regelrecht darauf sensibilisieren.“ Was ihr nicht sonderlich schwer fällt: „Ich koche für mein Leben gern und die Gäste dürfen gerne mithelfen.“ Gemeinsam Kärntner Nudeln krendeln, duftende Gartenkräuter verarbeiten, in eine frisch geerntete Karotte beißen, das schmeckt allen. „Ich muss nicht immer die neuesten Modetrends verfolgen oder Designermöbel kaufen, aber das, was auf den Teller kommt, muss gut sein“, findet Gerlinde klare Worte. „Die Menschen achten wieder vermehrt darauf, woher sie ihre Lebensmittel beziehen, da müssen wir Bauern es ihnen gleichtun. Ich kaufe mein Schweinefleisch auch nicht aus dem Billigsortiment, sondern beim befreundeten Bauern. Das kostet vielleicht etwas mehr, aber so lasse ich alle leben.“ Und mit ihrem Gewissen könnte sie die Billigware ohnehin nicht vereinbaren: „Wenn du weißt, dass solche Tiere zu Tausenden in Ställen zusammengepfercht ein jämmerliches Dasein fristen, da graust es mich doch beim Kochen oder nicht?“

Slow Food Gedanken forcieren

Sich gegenseitig unterstützen, den Slow Food Gedanken forcieren und die Arbeit eines jeden Einzelnen schätzen, das ist ihre klare Botschaft. „Manchmal ist das Verständnis anderer Personen für unsere Arbeit sehr gering. Aber ich bin gerne zuhause bei meinen Kindern, bin mit Stolz Bäuerin und kann sehr gut davon leben. Weil es mir etwas wert ist, dass wir mit meinem Mann unseren Grund und Boden selbst bewirtschaften, dass meine Kinder jeden Tag ein frisch gekochtes Mittagessen bekommen und wir die Landschaft so pflegen, dass der Urlaubsgast ein schönes Kärnten vorfindet.“
 
Womit sie den Nagel auf den Kopf trifft: „Die Touristiker preisen unser Land in Werbefilmen und Prospekten groß an. Aber wer achtet letztlich auf diese Kulturlandschaft? Wir Bauern machen das. Das sollten sich manche zu Herzen nehmen, dass wir die Landschaft pflegen, in der andere Urlaub machen. Und darauf bin ich stolz.“ Denn wie heißt es so schön: Wenn du das tust, was du gerne machst, brauchst du dein ganzes Leben lang nicht mehr arbeiten zu gehen.