#WieWirLeben: Das Streben nach Glück

Blogartikel // 31. Aug. 2018
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Georg Stampfer war als Kind mit dem Opa viel im Wald und am Feld. Erinnerungen, die prägen. Auch heute sind das noch seine persönlichen Kraftorte, um ab und zu „die Festplatte zu löschen“, wie er es nennt. Die Welt rundherum hat sich hingegen verändert. Die Digitalisierung macht nämlich auch vor der Landwirtschaft nicht halt. Zwar nicht unmittelbar im Stall oder auf der Alm, vielmehr bei den Gästen, die schon mal ein anständiges „Grüß Gott“ vergessen und sobald sie einen Fuß in der Türe haben gleich nach dem WLAN-Code fragen. Zu Gast am Stampferhof, wo man die persönliche Ansprache der Reisenden zur Betriebsphilosophie erklärt hat.

Obwohl Georg Stampfer das jüngste Kind am Hof war, stand bald fest, dass er den Hof, der seit 1782 lückenlos im Familienbesitz steht, übernehmen wird. Punkt. „Ich war wohl der, der am meisten Willen gezeigt hat“, grinst der junge Landwirt heute über den Richtungsentscheid in seinem Leben und die Rollenverteilung unter den Geschwistern. Er lebt seine Berufung leidenschaftlich und trotzdem – so scheint es zumindest – fällt der Spagat zwischen Landwirtschaft und dem Haupteinkommen aus der Vermietung von Unterkunft an naturliebende Gäste nicht immer einfach. Sind es doch zwei konträre Welten, die man nicht nur hier am Stampferhof zu vereinen versucht. Einerseits das Gastgeber-Sein. Auch wenn es hier am Hof atmosphärisch lockerer zugeht, als in einer Hotelbettenburg, bleibt die Rolle des Dienens und Servicierens doch die gleiche. Lächeln, freundlich sein, informieren, aufklären. Zum Beispiel über die Land- und Almwirtschaft und ihr fundamentaler Beitrag zur Landschaftspflege oder Nahrungsmittelherstellung.

Bauer leert die Milch in eine Milchkanne © Daniel Gollner

Leitspruch der Stampfers: „Ankommen, auspacken und die Seele baumeln lassen“.

Herr Stampfer agiert in der Gästesaison auch als Beobachter und – so will ich es jetzt einfach mal nennen – Urlaubscoach. Im fällt es auf, wenn Familien am Tisch sitzen und ihre Aufmerksamkeit auf iPad und Smartphone gerichtet ist. Kinder, die ihre Eltern fragend ansehen, aber keine Antwort erhalten. „Dann dürfen sich Mama und Papa aber auch nicht wundern, wenn die Kids in anderen Situationen nicht folgen“, so der Familienvater, der für sich und die Seinen sehr wohl darauf achtet, dass es ausreichend analoge Familien-Auszeit gibt. In solchen Situationen kann es schon vorkommen, dass er als Beobachter schon mal ausgleichend eingreift und für weniger Smartphone-Nutzung am Urlaubsort plädiert. Mutig. Würd ein Hotelier so nie machen. Der bäuerliche Gastgeber darf das, sofern er ein G’spür für die Leut’ hat.

Almhof von oben © Daniel Gollner

„Im Spannungsfeld zwischen Berg und See wird es nie fad“

Der Weissensee vereint, wie nur ganz wenige Destinationen, ein vielfältiges Freizeit- und Erlebnisangebot mit der Qualität von Ruhe, Auszeit und Freiraum. Ein scheinbar idealer Zustand, so wird auch Gästen mit mehr Bewegungsdrang nicht langweilig und trotzdem gibt es keine lauten Partys oder Open-Air Beschallungsqual mit Schlager oder Techno-Beats. Hinzu kommt die gefühlte Autofreiheit rund um den See sowie das ausgeklügelte Mobilitätskonzept. Beides allesamt angenehme Zutaten für anspruchsvolle Slow- oder Green Traveller. Die Kunden des Stampferhofs können aus genau dieser Vielfalt wählen. „Wir geben Tipps, aber die Gäste sollen selbst entscheiden, ob sie mit uns auf die Alm wandern, sich ein Ruderboot am hauseigenen Strand schnappen oder einfach nur im Liegestuhl liegen“, verweist Georg noch mal auf die gelebte Familienphilosophie.

Pony © Daniel Gollner

Ein besonderes Highlight ist sicher das Weissenseer Frühstücksfloss. Von Ende Juni bis Ende August verbindet dieses Angebot an Schönwettertagen Wassererlebnis und kulinarischen Genuss zu einem etwas anderen Tagesbeginn. Der Fokus liegt auf besten regionalen Produkten von lokalen Produzenten. Ein eindrucksvolles Happening, das häufig ausgebucht ist (Rückfragen und Reservierung direkt bei der Weissensee Information unter Tel.: +43 4713 2220).

Junge zeigt auf den See © Daniel Gollner

„Der September ist der schönste Monat am See“.

Im ruhigeren Herbst kümmert sich Georg Stampfer um die Land- und Forstwirtschaft, die in der Hauptsaison vernachlässigt werden muss. Brennholz schlagen, Hackschnitzel für die Heizung am Hof und in den Gästeräumen vorbereiten und zwischendurch einfach etwas ausspannen. Zu tun ist natürlich immer was - im Frühling dominiert die Vorbereitung der hofeigenen Alm und das Schneiden der Sträucher, um das Seeufer blickfrei und zugänglich zu halten. Familienzeit ist wichtig und deshalb packen die Stampfers für je eine Woche im Frühling und Herbst die Urlaubskoffer und sagen dem schönen Oberkärntner See adieu. Einem Landschaftsstrich, der in klischeehafter Schönheit glänzt, weil es Bauern gibt, die Wiesen mähen und Almen bewirtschaften. Bauern wie Georg Stampfer und seine Kollegen. Nicht nur am See, sondern im gesamten Alpenraum. Aber so wird es nicht bleiben. „Das Bauernsterben wird auch vor dem Weissensee nicht halt machen, aber so lange diese Lücken von den anderen kompensiert werden können, ist es nicht so schlimm. Trotzdem müssen wir uns schön langsam damit anfreunden, dass gewisse hochalpine Landstriche wieder zuwachsen und verwildern werden“, ist der Bauer vom Wandel der Kulturlandschaft überzeugt. Nature reloaded.