#WieWirLeben: Die Bio-Frühstücksmacherin

Blogartikel // 18. Sep. 2018
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Bio, Ruhe, Gesundheit & Erholung, also für die ziemlich guten Seiten des Lebens, steht der Bacherhof, der von Familie Unterwalcher mutig geführt wird. Als Selbstversorger-Hof lautet das Motto „hausgemacht ist ausgemacht“, was auf eine konsequent nachhaltige Bewirtschaftung und Lebensweise deutet. Das hofeigene Wellness- und Wohlfühlangebot liegt auf Hotelniveau. Und die Lage, so etwas wie eine zweite Beletage über dem juwelenhaften Kärntner Millstättersee, erweitert den Rahmen und fördert die Muße.

Das Drehbuch für Anitas Leben hat nicht unbedingt die Übernahme des elterlichen Hofs vorgesehen. Die starken Wurzeln ihres Mannes im Salzburger Land, haben die Rückkehr nicht erleichtert. Als er – so wie sie es formuliert – sich schlussendlich doch von „seinem“ Salzburg trennen konnte, begann vor 10 Jahren ein neuer Lebensabschnitt daheim am Hof. Dort wo das Herz schlägt. Nun leben beide am Puls der Zeit, in einer Epoche, die mehr und mehr von Bio und Vegan beseelt wird.
 
Das mit der konsequenten Bio-Philosophie war eigentlich von Beginn an klar, denn aufgrund der Hanglage in den Kärntner Nockbergen wäre eine von den Unterwalchers zwar nicht angestrebte Intensivbewirtschaftung auch keine Option. Und so haben Anita und ihre Familie heute die Aufgabe oder Mission, die Welt (also zumindest jenen Teil der Menschheit, die den Weg zum Bacherhof findet) darüber aufzuklären, dass hinter Bio viel mehr steckt als nur teuer. In ihrer Kindheit war das noch ganz anderes. „Damals war das Gekaufte viel mehr wert, als das selbst produzierte“, so die Landwirtin über eine – aus heutiger Sicht – schwer nachvollziehbare Denkrealität. Gut, dass gegenwärtig das authentische Produkt und nicht das anonyme, industrielle Produkt im Vordergrund steht.
Mehl mahlen © Daniel Gollner

„Hausgemacht ist Ausgemacht“

Auf ihren Reisen und vor allem bei Hotelaufenthalten wurde Anita immer mehr bewusst, dass die Qualität des Frühstücks und der angebotenen Produkte mit jenen des Bacherhofs überhaupt nicht mithalten kann. Eine weitere Bestärkung, nicht nur den Weg konsequent weiter zu verfolgen, sondern auch noch mehr über die Qualität zu sprechen. Das klingt nach Aufklärung, die aber immer noch notwendig ist. Auch hier in der Bio-Denkwerkstatt. Ganz ohne Zeigefinger, also „learning by tasting“ und das direkt beim Produzenten vor Ort.
 
Dann gibt es auch die jungen, sehr bewusst Reisenden der Generation der etwas über 20-jährigen, die explizit Bio nachfragen. Noch vor Jahren unvorstellbar, dass junges, kinderloses Publikum Urlaub am Bauernhof überhaupt im Reise-Mindset hat. Es sind (immer noch) hauptsächlich Stadtmenschen, die zumindest eine temporäre Flucht aus dem Urbanen antreten, um das Leben wieder zu spüren. Wahrscheinlich geht es in unserer Gesellschaft zukünftig um eine Balance aus Stadt und Land, rural, lokal und urban. Vieles spricht dafür, dass wir überhaupt multilokal leben werden. Keine allzu schlechte Voraussetzung für Anita Unterwalcher und ihre Kolleginnen vom Land.
Kinder heben Hasen © Daniel Gollner

„360-Grad-Selbstversorgung“

„Eigentlich haben wir den Trend zu Spezialisierung in der Landwirtschaft verschlafen“, meint Anita selbstkritisch, „aber nun sind wir vorne dabei, auch wenn das sehr viel Arbeit bedeutet“. Neben Getreide aus der hofeigenen Mühle, Vollkornbrot, Milch, Käse, Butter, Joghurt, Rindern und Schweinen schließt sich der Energiekreislauf am Bio-Bauernhof mit einem E-Werk und Holz aus den eigenen Wäldern.
 

Käse kochen © Daniel Gollner

„Geschmack der Kindheit“

In Sachen Wellness und Wohlfühlangebot müssen die Unterwalchers ebenso keinen Vergleich mit der Hotellerie scheuen. Der Heukraxnofen – natürlich mit vielen, vielen Kräutern von den eigenen Almwiesen, eine Zirbenpackung auf Getreideliegen, ein Bad in der Whirlwanne oder im Fasslbad, das klingt nach gut durchdachter, ehrlicher Alpiner Wellness. Schwester (Edith) betreibt darüber hinaus ein eigenes Massageinstitut und ist zwei Mal pro Woche am Hof.

Fazit: Für das gesamte Wohlfühl- und Genussangebot muss man den Hof nicht wirklich verlassen, obwohl die Wanderwege der Millstätter Almen und der ruhige See den Erlebnishorizont sinnvoll erweitern. Andererseits ist die „Beletage“, also wörtlich das „schöne Geschoss“ vielleicht sogar der ideale Ort, um das Spannungsfeld zwischen Berg und See auszukosten. Ein Plädoyer für weniger Freizeitstress und viel mehr Muße. Am Bacherhof gelingt das. Bitte ausprobieren.