#WieWirLeben: Im Tanzschritt auf den Anderlehof

Blogartikel // 14. Mai 2018
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Eigentlich war Vroni in ihrem Beruf glücklich. Die Arbeit im Sozialbereich bereitete ihr große Freude, füllte sie aus. Doch klopft die Liebe erst einmal an die Tür oder bittet gar zum Tanz, kann sich das schon mal ganz schnell, ganz rapide ändern. 

Bauerssohn Hubert Reiner war es, der Vronis Herz beim Volkstanz im Dreivierteltakt eroberte

Mit 21 Jahren zog die junge Frau, die eigentlich nie Bäuerin werden wollte, mit Sack und Pack auf den Anderlehof. Hoch über der Ortsgemeinde Deutsch Griffen, in der sogenannten Rauscheggen und unweit von den malerischen Almen der Hochrindl entfernt, liegt die Wirtschaft. Weit weg von touristischen Hotspots, dafür inmitten einer unverfälschten Natur- und Kulturlandschaft. Als man in den 90er Jahren mit der Zimmervermietung startete, war man einerseits voller Hoffnung, bewegte sich andererseits auf unsicherem Terrain: Würden überhaupt Gäste kommen, die die Ruhe und Erholung hier oben auf 1.200 Meter Seehöhe zu schätzen wissen? Sie kamen. „Wir haben mit 100 Nächtigungen im Jahr angefangen und uns immer weiter gesteigert. Anfangs war die Nachfrage schleppend, die Leute konnten mit der Ruhe nicht viel anfangen. Das hat sich in den letzten Jahren komplett geändert“, erzählt Vroni.

Das herrliche Panorama mit den mächtigen Gipfeln der Karawanken am Horizont, die Stille der Natur, die gesunde Almluft, das unbeschwerte Kinderlachen der Jüngsten, welches einen an die eigene Kindheit erinnert, auf all das kann man sich am Anderlehof rückbesinnen. Ankommen, durchatmen, aufleben, dem Nachwuchs das Landleben näherbringen, Werte vermitteln, natürliche Zusammenhänge erklären, den Umgang mit den Tieren spielerisch lernen, um letztlich gereift wieder „Auf Bald“ zu sagen.

Kinder im Hasenstall © Daniel Gollner

Auf das Fernsehen oder Smartphone vergessen die Gäste, jung wie alt

Zu viele andere Möglichkeiten wecken die Neugierde. Ob am Hof oder am Almenparadies Hochrindl, ob Sommer oder Winter, ob Skifahren oder Wandern, Reiten oder Go-Kart fahren, Hasen füttern oder mit „Tschurtschen“ (Anm.: Baumzapfen) spielen – da, wo die Welt noch in Ordnung ist, können sich die Kinder frei und unbeschwert bewegen, was die Eltern ebenso genießen. 90 Prozent der Gäste sind Stammgäste, sind lieb gewonnene Freunde geworden, ist Vroni stolz: „Hubert und ich haben ein Patenkind von einer Gästefamilie, wir waren bei drei Hochzeiten eingeladen und pflegen mit vielen weiteren Gästen einen herzlichen, regelmäßigen Kontakt.“

Kind mit Mama und Oma am Tisch © Daniel Gollner

Vier Generationen am Anderlehof

Damit der Betrieb reibungslos funktioniert, helfen am Anderlehof alle zusammen, vier Generationen leben hier. „Zu Beginn boten wir noch Frühstück und Halbpension an, mittlerweile konzentrieren wir uns rein auf Ferienwohnungen und die Almhütte auf der Hochrindl, das erleichtert die Arbeit immens. Jeder hat seinen eigenen Bereich: Ich bin für die Vermietung und Sauberkeit zuständig, mein Mann Hubert unternimmt viel mit den Gästefamilien, Sohn Markus ist in der Land- und Forstwirtschaft tätig, Schwiegertochter Marlene pflegt die Tiere und unsere Oma packt eben dort mit an, wo gerade Not am Mann ist“, erzählt Vroni.

Kälber am Anderlehof © Daniel Gollner

Bei der Geburt eines neuen Kalbes dürfen die Gäste leise in den Stall kommen

Was die Rohmaterialien betrifft, so setzt man auf das, was vor der Haustüre wächst. Das Holz für unsere Alm- und Romantikhütte wurde am Hof geschlagen, Lärche, Fichte und Zirbe dabei geschnitten, gehobelt und gelagert. Eine reine Männerarbeit. Vronis Leidenschaft hingegen sind die Kräuter. Aufgrund einer schweren Krankheit begann sie sich dafür zu interessieren: „Die Naturmedizin hat mir viel geholfen. Es ist schon faszinierend, wie viele kleine Wehwehchen sich mit dem ein oder anderen Heilkraut behandeln lassen. Den Gästen gebe ich mein Wissen natürlich gerne weiter, damit sie den Naturkreislauf besser verstehen lernen.“ Dies gilt auch für die Arbeit im Stall: „Früher haben wir noch Biomilch erzeugt, doch durch die abgeschiedene Lage unseres Hofes rentierte sich der Transport alsbald nicht mehr. Heute sind wir ein reiner Mutterkuhbetrieb. Wenn wir zu unseren Tieren auf die Alm fahren, nehmen wir unsere Gäste mit und selbst bei der Geburt eines neuen Kalbes dürfen die Gäste leise in den Stall kommen und dieses besondere Erlebnis mit eigenen Augen mitverfolgen.“

Pony wird geführt am Anderlehof © Daniel Gollner

One-Way Ticket von Holland auf den Anderlehof

Diese Nähe zu den Tieren hat Schwiegertochter Marlene von Anfang an fasziniert. Die Holländerin war als Saisonkraft auf der Hochrindl tätig, als eines Tages Markus an der Bar stand und sie auf Anhieb ins Herz schloss. Die Entscheidung fiel rasch, sechs Wochen später löste Marlene ein One-Way Ticket von Holland auf den Anderlehof. Dass sie auf einem Bauernhof in Österreich landen würde, hätte sie sich nie träumen lassen und doch fand sie schon bald ihr eigenes Wirkungsfeld: „Als Pferdenärrin war ich von der Idee begeistert, den jüngeren Gästen den Umgang mit den Pferden näher zu bringen.“ FEBS® nennt sich die reitpädagogische Betreuung und richtet sich speziell an Kinder zwischen 3 und 9 Jahren. Im Spiel entdecken Kinder die Welt des Pferdes und üben in der Gruppe soziale Kompetenzen.

Und so fügte sich auch dies, wie alles andere ebenso, ganz harmonisch in die natürliche Umlaufbahn des Anderlehofs. Wo jeder seinen Platz findet und wo Gäste zu Freunden werden.

Pony mit Kind © Daniel Gollner

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