#WieWirLeben: Unverhofft kommt oft

Blogartikel // 31. Aug. 2018
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Irene Kreschischnig wollte nie Bäuerin werden. Der Gedanke daran war mehr Kindheitstrauma statt Kindheitstraum. Doch wie so oft im Leben kommt letztlich alles ganz anders. Zum Glück. Denn heute kann sie sich keinen anderen Beruf mehr vorstellen.

Die Mitarbeit am Hof lernte Irene Kreschischnig schon als kleines Kind kennen. Daher war ihr erster Gedanke, als es um die spätere Berufswahl ging: Bäuerin? Nein danke. „Die Tiere liebte ich immer schon, aber Bäuerin wollte ich eigentlich nie werden“, schmunzelt sie. Und doch führte sie ihr Weg nicht vom Hof weg. Sie blieb. Rückblickend ein Glücksfall, denn heute könnte sie sich keinen anderen Beruf mehr vorstellen. Unverhofft kommt eben oft. Wenn Irene in ihren Kindheitserinnerungen schwelgt, zaubert sich automatisch ein Lächeln in ihr Gesicht. „Durch die Gäste waren immer viele Kinder bei uns, mit denen man sich schnell anfreundete. Manchmal durften wir sogar mit den Gastfamilien zum See fahren oder gemeinsam zu einer Wanderung in die Berge aufbrechen.“ Und verlor man sich über die Jahre wieder aus den Augen, waren manche Freundschaften hingegen von Anbeginn für die Ewigkeit bestimmt: Eine ihrer engsten Freundinnen lernte Sabine damals als Kind am Hof kennen. Noch heute kommt sie zum Urlaub hierher, mit im Gepäck bereits die dritte Generation, die Kinder ihrer eigenen Kinder. Schöne Erinnerungen, zu denen sich somit immer wieder neue gesellen.

Pferd und Mädchen © Daniel Gollner

Viel Aufklärungsarbeit und Hofführungen

Denn ein Urlaub am Bauernhof mag vieles sein, nur eines ist er gewiss nicht: Eintönig. „Die Menschen wollen ihren Kindern das Leben am Land näher bringen. Unser Betrieb beherbergt so ziemlich alle Tiere, die ein Bauernhof so haben kann. Schweine, Rinder, Pferde, Hühner, Enten, Katzen und Hunde. Diese Vielseitigkeit schätzen die Gäste, sie wollen mit eigenen Augen sehen und verstehen, was sie im Supermarkt kaufen. Die Lebensmittelindustrie zeigt viele Tiere zwar in der Werbung, aber in Wirklichkeit verschwimmt dabei Herkunft und Haltung sehr stark. Man weiß nicht, wie das Fleisch, die Eier oder die Milch erzeugt werden, das Landleben wird viel zu kitschig dargestellt. Wie wir leben, darüber weiß kaum jemand Bescheid.“

Schneeballschlacht 1 © Daniel Gollner

Genau aus diesem Grund bietet Irene Hofführungen für ihre Gäste an. Verständnis, Zeit, mit Vorsicht erklären, das ist das Rezept, auf welches sie setzt. Und es funktioniert. „Das Leben am Bauernhof besteht nun mal nicht nur aus Kitsch. Kein Tier hat in der Realität eine ganze Alm für sich allein, das stimmt einfach nicht. Man muss den Menschen erklären, dass das Schwein im Stall auch irgendwann gegessen wird.“

Mädchen reitet auf einem Pferd © Daniel Gollner

Neben einer Bio-Schweinezucht hat Irene mit der Aufzucht von Masthühnern begonnen. Aus dem einfachen Grund heraus, dass sie die Ware nicht im Geschäft kaufen wollte, wenn man um die Bedingungen Bescheid weiß. Dazu kommt die eigene Produktion von Rind- und Schweinefleisch, man isst und ernährt sich bewusster. Die Nachfrage nach Direktvermarktung wäre durchaus gegeben, aber das wäre schwer zu schaffen: „Dafür gibt es professionelle Biomärkte, mir geht es mehr um die Information dahinter, die ich den Menschen mitgeben möchte.“

Mädchen rutscht in den Schnee © Daniel Gollner

Auch im Winter geöffnet

Dieses Bemühen um die Wissensvermittlung und die unverfälschte Kärntner Naturlandschaft mit ihren Bergen und Seen machen den Urlaub einzigartig. Und gerade jetzt zur Weihnachtszeit ist es am Petritschhof ohnehin besonders magisch: Wenn die Tiere im Stall zufrieden schnaubend ihr Heu fressen, draußen die ersten Schneeflocken vom Himmel tanzen und die Skigebiete nur einen Katzensprung entfernt sind, dieses Angebot macht den Winter hier im Süden zum echten Rund-Um-Erlebnis.