#WieWirLeben: Zuhause bei Freunden

Blogartikel // 05. Feb. 2019
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Kind hüpft in den See © Daniel Gollner

„Wir freuen uns, wenn wir Ihre Kinder dabei beobachten, wie sie Freundschaft schließen mit unseren Tieren. Wir freuen uns, wenn Sie an einem lauen Abend noch am Wasser sitzen und der Ruhe nachspüren, Lichtjahre entfernt von Hektik und Alltagsstress. Wir freuen uns, dass Sie bei uns sind.“, so spricht die Familie Scheriau ihre Gäste an. Und zwar auf der Website, noch vor der Ankunft am schon sehr schönen Keutschachersee in gleichnamigen Seental in Kärnten. Hektik und Stress kann trotzdem aufkommen am Liendl-Hof. Und zwar immer dann, wenn Eltern zu viele Ausflüge auf die Agenda setzen. Das Wegfahren vom Hof passt der jüngeren Gästeschicht meist gar nicht ins Urlaubskonzept. Besuch am Grünlandhof.

Die touristische Nutzung am Liendl-Hof besteht seit knapp einem Jahrhundert. 1920 haben Peters Großeltern begonnen „sommerfrische-suchenden“ Städtern, vorwiegend Wiener Herkunft, ruhestiftendes Domizil und Kraftort zu sein. Geschäftsmodell wäre übertrieben, denn so nannte man den touristischen Erfolg in der Zwischenkriegszeit einfach nicht. Das schöne, einfache Sommerleben, die begünstigte Lage und die Natursehnsucht der Städter. Das reichte damals schon, um erfolgreich zu sein. In der analogen Epoche des Reisens. Frei von Algorithmen und sonstigen digitalen Plagen.
 
„Früher“, so der sehr zufrieden wirkende Bauer, „da haben die Gäste die Erdbeeren und Erdäpfel einfach aus unserem Garten genommen. Das wäre heute wohl undenkbar“, so Peter Scheriau über den barrierefreien Zugang zu den Früchten des Hofs. Es wurden damals auch die gesammelten Schwarzbeeren von den Gästen noch an Ort und Stelle eingekocht und als „eingerextes“ Souvenir mit nach Hause genommen. Schöner Gedanke. Warum soll das heute eigentlich nicht mehr möglich sein? Im Zeitalter des Teilens und Kollaborierens.
Bauer haltet die Hand vom Mädchen © Daniel Gollner

„Es klingt so einfach und ist aber auch genauso einfach“

Bauer Scheriau ist scheinbar selbst von der Einfachheit des Erfolgs überrascht. Er gebraucht zwei, drei Wiederholungen und predigt den simplen, aber konsequenten Ansatz seines Konzepts: Nichts vorspielen oder inszenieren, sondern das tun und anbieten, was einem selbst Freude und Glück bereitet (auch wenn es klarerweise als Gastgeber in der Hochsaison nicht immer nur sonnige Tage gibt). „Die Gäste müssen spüren, dass sie hier am Hof willkommen sind. Dann folgt der wirtschaftliche Erfolg automatisch“, meint Peter das Geheimnis seines Erfolges gefunden zu haben. Recht hat er. Es gab eine Zeit, in der Managementgurus zwischen New York und Shanghai diese Tugend mit „keep it simple and stupid“ ebenso treffend beschrieben.
Urlaub mit Kindern. Aber 100% Animationsfrei.
 
Das Gästebild am Liendl-Hof wird (nicht überraschend für Kärntner Reiseziele) primär von deutschen und österreichischen Familien dominiert. Aufgrund der Internationalisierung der Buchungskanäle kamen in den letzten Jahren ohne großes Zutun der Scheriaus auch schon Russen, Koreaner und Chinesen auf dieses beschützte Fleckchen Kärntner Erde, das etwas Paradiesisches ausstrahlt.
 
Peter Scheriau bewirtschaftet heute einen Grünlandbetrieb mit 4 Hektar Weidefläche, die sich fünfzig, aber manchmal bis zu 60 Schafe und Lämmer teilen. Er verwendet natürlich ein anderes, viel treffenderes Wort für den Nachwuchs auf seinen Wiesen. Und zwar „Lampalan“, für all jene, denen der Sprachklang des Kärntnerischen angenehm im Ohr liegt. Interessierte Urlauberkinder dürfen unter Anleitung des Chefs täglich um 9 Uhr zum Füttern ausschwärmen. Und nicht nur die Schafe, auch die Hasen sind wiederkehrend verlässlich hungrig.
Kinder füttern die Hasen © Daniel Gollner

„Host schon schen“

Die klassische Sommerfrische prägte schon immer die touristischen Abläufe am Liendl-Hof. Zu Beginn die Großeltern, dann die Eltern und schließlich auch Peter Scheriau selbst. Er erinnert sich noch sehr exakt an einen Stammgast, der ihm geduldig das Schwimmen beibrachte. Nette Anekdote aus einer Zeit, in der Gäste noch sehr viel persönliche Nähe zu den Gastgebern aufbauen konnten. Obwohl, bei Urlaub am Bauernhof ist das immer noch so und war eigentlich auch nie anders.
 
Das Schwimmen praktiziert Peter weiterhin. In der Saison sogar täglich. Einmal raus zu den Seerosen und wieder retour, das ist seine gelernte Strecke, die er mit geschlossenen Augen zurücklegen könnte. Das ist vor allem aber auch sehr viel Lebensqualität. In der ruhigeren Zeit tauscht er den ruhiger werdenden Kärntner See schon mal gegen südlichere, wärmere Gewässer. Mit einem Freund segelt er immer wieder mal durch die griechische Ägäis. Aber wirklich länger weg von Keutschach, Kärnten adé sagen, das will er natürlich nicht. Und das ist auch gut so.
Jungen im See © Daniel Gollner