Leben, Lachen und Lieben mit Familie Lainer

Blogartikel // 17. Feb. 2020
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Es bläst ein eisiger Wind an diesem späten Nachmittag Anfang Februar. Die Sonne ist längst hinter den verschneiten Berggipfeln verschwunden, nach einem blassrosa verzauberten Himmel, legt sich die Dämmerung nun wie eine großflächige blaue Decke über das Großarltal.

Biobauernhof im Schnee erleben

Die warmgelben Lichtkegel der Fenster weisen mir den Weg, vorsichtig gehe ich auf der vereisten Hofeinfahrt auf den Kuhstall zu. Mich plagt Muskelkater vom Skifahren, besonders in den Oberschenkeln. Die rustikale Holztür aufstoßend, schlägt mir ein intensiver Stallgeruch entgegen. Selten genug und doch irgendwie vertraut, recht streng für mich als Städter. Zwischen meinen Beinen huscht eine gescheckte Katze in den feuchtwarmen Stall, froh, dem sich anbahnenden Schneesturm zu entkommen. Dann fällt die Holztür ins Schloss.

Skigebiet im Großarltal © Sandy Bossier-Steuerwald

Biologische Landwirtschaft im Winter

Hier, auf dem Aubauernhof wird biologische Landwirtschaft in Form von Milch- und Landwirtschaft betrieben. Richard und Barbara Lainer sind zudem mit ganzem Herzen dabei, Feriengäste zu beherbergen. Der Bauernhof fasziniert uns als Familie aus der Großstadt, denn wo sonst können wir am Landleben teilnehmen? Dabei ist es ein Irrtum zu meinen, auf den Höfen gäbe es lediglich zur warmen Jahreszeit etwas zu erleben: Wenn im Oktober die Tiere von der Alm kommen, geht es richtig rund im Stall! Die Milchkühe bekommen während der Wintermonate ihre Kälbchen, von Familie Lainer so berechnet, damit sie die Abkalbungen direkt im Stall vornehmen und die Kuhmilch komplett verarbeiten können. Die Pinzgauer Rinder des Aubauernhofes gehören zu den gefährdeten Haustierrassen Österreichs. So ein Tag beginnt für Richard meist kurz vor fünf Uhr, die Tiere im Stall müssen gefüttert und die Kühe gemolken werden.

Produkte ab Hof vom Aubauer im Großarltal © Sandy Bossier-Steuerwald

Bauernhofurlaub mit Skiferien

Um diese Zeit liegen die Gäste natürlich noch in den Betten. Frühes Aufstehen erscheint in den Ferien vielleicht als unangemessen, aber auch unser Wecker klingelt kurz nach sieben. Wir müssen pünktlich den Skibus nehmen, um die Skischulen zu erreichen. Und vorab muss auch noch Zeit sein, um in den Genuss von Barbaras Bio-Frühstücksbuffet zu kommen. Sie bietet den Gästen überwiegend selbsterzeugte Produkte an: Biomarmeladen, Kräuter- und Gewürzaufstriche, selbst gebackenes Bauernbrot, frische Eier aus dem Hühnerstall und Käse, Topfen sowie Butter von der Alm. Dort halten die Lainers im Almsommer auch sechs Schweine, die im Herbst geschlachtet und verarbeitet werden. Der Blick auf den selbstgemachten Bauernspeck, die verschieden Würste und die Leberstreichwurst wandelt sich mit diesem Wissen.

Ein Haus voller Kinder

Der Urlaubstag in den Winterferien ist streng durch getaktet und manchmal beschweren sich unsere Kinder, dass er sich beinahe wie Alltag anfühlt. Aber nach einem Skitag mit viel frischer Luft, Sonne und Schnee sind sie wieder versöhnt und nicht zu halten: Ab geht’s in den Kuhstall, um den Lainer’ Söhnen Georg und Paul zur Hand zu gehen. Dabei läuft Musik, mal U2, mal Mozart, je nachdem, wer gerade Stalldienst hat. Derweil wird das Nesthäckchen der Lainers im Haupthaus von allen umgarnt. Der zweijährigen Johanna ist keine Türklinke zu hoch, kein Gästeschuh zu schade. Sie verteilt mit Leidenschaft Rosinen im Hausflur und protestiert lautstark, wenn es um 22 Uhr ins Bett geht.

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Brauchtum im Jahreskreislauf der Alpen

Rund ums Jahr werden auf dem Aubauernhof Feste und Traditionen gepflegt. „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern das Weitergeben von Feuer,“ wie es nach Jean Jaurés in der Gästemappe zitiert wird. Überhaupt ist viel Liebe und Großherzigkeit bei den Lainers zu spüren, die es nicht immer einfach hatten in den vergangenen Jahren. Das wahre Leben birgt Schicksalsschläge, auch hier, in dieser scheinbar heilen Welt. Barbara und Richard wirken dennoch dankbar und stolz, erscheinen uns lebensbejahend und großherzig. Als die Kinder noch kleiner waren, haben sie nebst Gästen auch Au-Pairs in ihre Familie aufgenommen, sicherlich hat auch das zu ihrer Weltoffenheit und Toleranz beigetragen.

¡La Pura Vida! in Großarl

Ab dem ersten Moment sind Gäste und Gastgeber auf dem Aubauernhof per Du. Alle Kinder vermischen sich bei freiem Spiel in Haus und Hof, die Türen sind immer offen. Vielleicht ist es die positive Grundstimmung gepaart mit der den Hof umgebene Schönheit der Alpen, die uns unmittelbar als Teil des Ganzen fühlen lässt. So oder so steht dieser Urlaub für Authentizität, Begegnung und Freundschaft. ¡La Pura Vida! Das wahre Leben in Großarl. "Mama, können wir hier Stammgäste werden?" fragt unser Sohn so beherzt, mit Blick auf das sechs Tage alte Kälbchen, dass ich gar nicht nein sagen kann.

Gemütlicher Spaziergang im Großarltal  © Sandy Bossier-Steuerwald
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