Wo Gäste zu Freunde werden

Blogartikel // 06. Nov. 2019
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Am Remushof der Familie Jagschitz können neugierige Besucher der Winzerfamilie über die Schulter blicken und sehen, wie die tägliche Arbeit in den Gärten und im Keller funktioniert. Hier lebt man nicht nur im Einklang mit dem Wein, hier liebt man ihn und das damit verbundene Tagewerk.

gemütlicher Weinkeller im Remushof © Daniel Gollner

Weitläufig und sanft mutet das Ruster Hügelland an, golden glänzend bildet der Neusiedler See einen schützenden Rahmen. Es ist ein Gebiet, wo Einheimische auf eine schmerzvolle Zeitgeschichte zurückblicken und wo die Natur es seit jeher gut mit den Menschen meint. Sonnengeküsst gedeihen die Weinreben in Reih und Glied an den Hängen, wo einst die Soldaten in ebendieser Formation an der Grenze patrouillierten. Heute zeugen nur mehr Denkmäler von diesem dunklen Abschnitt des Eisernen Vorhangs, die Reben und der Wein als Kulturgut des Landes hingegen sind geblieben. Es ist Dorothea und Franz Jagschitz ein Anliegen, ihr Wissen um die Traube den Gästen weiterzugeben. Am Remushof in Oslip ist der Blick über die Schulter nicht gewagt, sondern ausdrücklich gewünscht. „Wir möchten zeigen, wie wir mit dem Wein leben.“

Weinreben vom Remushof in der Vogelperspektive © Daniel Gollner

Symbiose von Tourismus und Wein

Vor 15 Jahren begann man mit der Zimmervermietung über die Plattform Urlaub am Bauernhof. Was heute Früchte trägt, war damals eigentlich dem Zufall geschuldet. „Mein Mann und ich haben den Remushof im Jahr 2000 übernommen. Wir wussten beide, dass wir in die Infrastruktur investieren mussten, um den Weinbau zeitgemäß auszubauen.“ Im Zuge dessen stellte sich der für den Umbau verantwortliche Architekt eines Tages die Frage, was man denn mit dem großen Dachstuhl, der zu dieser Zeit leer und ungenützt sein Dasein fristete, anzufangen gedenke. Nach eingehenden Überlegungen wurde dieser zu harmonischen Gästezimmern ausgebaut. Heute ist Dorothea stolz auf diese Entwicklung: „Die Symbiose von Wein und Tourismus hat sich bewährt. Die Gäste, die zu uns kommen, fahren als Freunde.“

Liegestühle in de Wiese vor Remushof  © Daniel Gollner

Gemeinsame Zeit schenken

Weil sich Dorothea und Franz Zeit nehmen für Gespräche. „Da kann es schon mal passieren, dass man am Frühstückstisch den Blick auf die Uhr gänzlich vergisst, einfach zusammensitzt, einander zuhört, miteinander lacht und ein Gläschen Wein dazu genießt.“ Weil es im Wesentlichen genau darauf ankommt: Zeit schenken zum Zuhören. „Würden wir das nicht tun, viele Gäste würden nicht wiederkommen, da bin ich mir sicher. Das Zwischenmenschliche darf im alltäglichen Stress nicht untergehen.“ Im Weingarten ist daher jeder willkommen. „Wir möchten Zusammenhänge zeigen, damit Interessierte verstehen, wieviel Arbeit dahintersteckt, bis der Wein zum Verkosten fertig gereift ist. Wenn die Gäste dann sagen, sie genießen ihr Achterl ab jetzt mit ein wenig mehr Ehrfurcht, haben wir alles richtig gemacht.“ Weingartenwanderungen, Mithilfe bei der Weinlese und Verkostungen im Gewölbekeller, all das macht den Urlaub am Remushof aus. Und noch viel mehr: Radfahren, Wandern, Kultur, das Angebot ist groß. Nach Wien sind es lediglich 50 Autominuten, Budapest und Bratislava kann man ebenfalls als Tagesausflug erleben. Als Ausgleich warten in Oslip Ruhe, Natur und Regionalität. „Es ist mir als Obfrau von Urlaub am Bauernhof Burgenland und als Vizeobfrau Österreichs ein Anliegen, dass die Synergien zwischen Vermietern und den örtlichen Direktvermarkter stetig wachsen. Regional. Saisonal. Und wo möglich, biozertifiziert.“

Dorothea Jagschitz bei den Weinreben © Daniel Gollner