Wundertüte Wald

Blogartikel // 22. Jan. 2021
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Bäume mit "Klospülung", das Internet des Waldes und ein manischer Vogel mit Mega-Appetit: Erstaunliches, Merkwürdiges und Faszinierendes über den Wald.

Warum werfen Bäume im Herbst die Blätter ab?

Weil sie nicht verdursten wollen. Und das kommt so: Ihre Blätter haben an der Unterseite kleine Löcher, über die ständig Wasserdampf verdunstet wird. Das erzeugt einen Sog, der Wasser aus den Wurzeln ansaugt und über die Leitungsbahnen im Baum nach oben transportiert – wie bei einem Strohhalm. So weit, so gewünscht. Das Dilemma: Im Winter ist der Boden gefroren, es kommt kein Wasser mehr über die Wurzeln nach. Ginge weiterhin Wasser über die Blätter verloren, würden die Bäume also austrocknen. Die Lösung der Laubbäume: Sie werfen im Herbst ihre Blätter ab. So kommt die Wasserpumpe zum Erliegen. Zusatznutzen: Kahle Bäume bieten auch weniger Angriffsfläche für Winterstürme und Schneedruck. Und sie verwenden den Laubwurf sozusagen als „Klospülung“: Abfallprodukte oder Giftstoffe werden gleich mitentsorgt.

Herbstlicher Wald mit Blättern © pixaby

Wie unterscheidet man herumliegende Tannenzapfen von Fichtenzapfen?

Ganz einfach: Tannenzapfen liegen normalerweise nicht am Boden. Sie zerbröseln schon am Baum, ihre Schuppen rieseln einzeln herunter. Findet man also einen länglichen Zapfen am Waldboden, kann man davon ausgehen, dass er von einer Fichte stammt. Sind die Zapfen noch am Baum, gilt folgendes: Tannenzapfen stehen aufrecht wie Christbaumkerzen, Fichtenzapfen hängen runter.

Was ist das „Wood Wide Web“?

Das Internet des Waldes. Waldpilze sind nämlich nicht nur wertvolle Recycling-Fachkräfte, die Holz und abgestorbene Blätter zu wertvollem Humus umwandeln. Sie fungieren auch als unterirdische Kellner. Ein dichtes, watteartiges Geflecht aus mikroskopisch kleinen Pilzfäden umspinnt die Baumwurzeln und serviert ihnen zusätzliche Nährstoffe und Wasser. Das Erstaunliche: Bäume scheinen das weitverzweigte Geflecht aus Pilzfäden zu nutzen, um sich zu vernetzen und zu kooperieren: Starke Bäume unterstützen schwache mit Nährstoffen. Die wichtigste Rolle dabei spielen vermutlich die ältesten, größten Bäume: Sie sind sozusagen die Hubs im Internet des Waldes – also die Netzwerkknoten. Manche Experten behaupten sogar, Bäume würden sich über die Pilzfäden überdies vor Insektenbefall oder Trockenheit warnen. Eigentlich eine sympathische Vorstellung: Dass es in der Natur nicht immer nur um Konkurrenz, um das Recht des Stärkeren geht. Sondern dass sich häufig jene durchsetzen, die auf Kooperation statt auf Ellbogentechnik setzen.

Moos im Wald mit Sonnenlicht © pixaby

Profitiert die Zirbe von Gedächtnislücken eines rastlosen Vogels?

Eindeutig ja. Denn üblicherweise ist der Verbreitungsradius der Zirbe begrenzt. Besonders weit fällt der Zapfen ja nicht vom Stamm. Weil er ziemlich schwer ist. Das bedeutet: Junge Zirben könnten immer nur wenige Meter vom Mutterbaum entfernt wachsen. Gut, dass es den Tannenhäher gibt! Dieser Vogel pickt die Zirbensamen aus den Zapfen und versteckt sie in weit verstreuten Vorratslagern für den Winter. Dabei geht er beinahe manisch vor: Ein einzelner Tannenhäher kann fast 100.000 Zirbensamen in bis zu 6.000 Depots verstecken. An die 80 % der Samen findet er auch wieder. Immerhin. Das würden wir Menschen niemals hinkriegen. Die restlichen 20 % bleiben am Boden liegen und können zu jungen Bäumen austreiben – manche auch weit entfernt vom Mutterbaum.

Darf man im Wald übernachten oder querfeldein gehen?

Querfeldein gehen: Ja. Übernachten: nein. Beides ist im Österreichischen Forstgesetz geregelt. Dort steht, dass der Wald von jedem „zu Erholungszwecken frei betreten werden darf.“ Das heißt: Nicht nur auf Wanderwegen, sondern auch querfeldein – mit wenigen Ausnahmen, wie etwa bei Jungwald. Übernachten ist dagegen ohne Zustimmung des Grundbesitzers nicht erlaubt.

Stamm von einem Baum mit Pflanzen © pixaby

Wie sieht unser Wald in hundert Jahren aus?

Ganz anders, als wir es heute gewohnt sind. Hauptverantwortlich dafür: der Klimawandel. Wir können dem Wald aber aktiv unter die Äste greifen – indem wir „zukunftsfitte“ Bäume fördern, die optimal ans künftige Klima angepasst sein werden. Die Herausforderungen dabei: die lange Vorlaufzeit und das unscharfe Zukunftsszenario. Ein Waldbesitzer müsste bereits jetzt jene Bäume pflanzen, die seine Enkel in 100 Jahren ernten wollen. Aber wer kennt heute schon genau das Klima im Jahr 2120? Fest steht: Die Sommer werden heißer und trockener werden. Ungewiss ist, in welchem Ausmaß. Ziemlich sicher ist hingegen, wer der größte Klimawandel-Verlierer im Wald sein wird: Österreichs häufigste Baumart, die Fichte. Im Tiefland Ost- und Südostösterreichs schwächelt sie schon jetzt. Wird es noch heißer, trockener und stürmischer, ist die Fichte dort eindeutig am Holzweg. Als Profiteure der „Mediterranisierung“ könnten sich Föhre und Eiche entpuppen. Und die Buche wird auf den Bergen vermutlich weiter nach oben wandern.

Umgefallener Baum umgeben mit Moos © pixaby

Gut zu wissen: Österreichs Wald in Zahlen

  • Der heimische Wald ist auf dem Vormarsch: Seit den 1970ern ist er um rd. 300.000 Hektar gewachsen.
  • 48 % der Staatsfläche sind von Wald bedeckt (4 Mio. ha)
  • Insgesamt stehen in Österreich rd. 3,4 Milliarden Bäume – macht gut 400 Bäume pro Einwohner.
  • 57 % aller heimischen Bäume sind Fichten, 12 % Buchen, je 5 % Lärchen und Föhren, 3 % Tannen und 2 % Eichen.
  • Die Fichte verliert in den letzten Jahren Anteile, v. a. Buche und Ahorn holen auf.
  • Pro Sekunde wächst in Österreich ein Kubikmeter Holz nach.
  • Etwa 20 % des heimischen Waldes sind Schutzwald. Sie bewahren Menschen, Gebäude, Straßen oder Bahntrassen vor Lawinen, Muren und Steinschlag.
  • Schätzungen zufolge haben 0,2 % der heimischen Wälder Wildnispotenzial.
  • Der heimische Wald bindet geschätzte 800 Mio. Tonnen Kohlenstoff, davon rd. 470 Mio. Tonnen im Boden

 

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