Zu Gast bei Familie Besenbäck
im Waldviertel

Blogartikel // 27. Feb. 2017
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Die “schönste Sackgasse der Welt”

Nach dem Kleinwalsertal im Westen Österreichs finde ich sie nun erneut im niederösterreichischen Waldviertel. Klein-Nondorf 4 lautet die zart klingende Adresse des Biohof Besenbäck, rund eine Stunde Fahrtzeit von meiner Heimatstadt Krems an der Donau entfernt. “Einen Sommer lang waren da oben”, Fritz deutet auf die Bundesstraße, “wochenlange Bauarbeiten. Da wurde der Verkehr umgeleitet und fuhr geradewegs an uns vorbei. Das hat uns richtig unruhig gemacht! Denn eigentlich ist das, was uns im Grunde auszeichnet, unsere Ruhe. Diese schöne Un-Aufgeregtheit. Das lieben und schätzen auch unsere Gäste.” Nach dem Verkehrs-Intermezzo wurde Klein-Nondorf schlichtweg zur Sackgasse “erklärt”. Und bildet damit einen “Talschluss”, in den es sich einzukehren lohnt. Die Familie Besenbäck nimmt mir das Versprechen ab, wiederzukehren. Denn …

Fritz Besenbäck ist begnadeter Holzschnitzkünstler. So ein Kreativ-Kurs bei ihm im Waldviertel, das wär’ schon was!

Liebevoll betrachtet Fritz seine Schöpfungen. Bekundet bescheiden, dass “im Holz eh schon alles vorhanden” sei, man als Künstler nur mehr folgen müsse. Dass zwischen seiner Aussage und meinen eigenen, bisherigen Versuchen natürlich Jahre der Technik und Perfektion liegen, wird am meisterlichen Ausmaß seiner Werke deutlich. Voller Bewunderung sehe ich mich auf dem von Fritz’ Werken geprägten Biohof der Familie Besenbäck um.

Dass die Familie eine lange Tradition der Gastfreundschaft pflegt, wird auch am Opa deutlich, der mich wie selbstverständlich bei der Hand nimmt und zum erst eine Woche alten Kalb im Stall führt: “Schau!” Was für ein friedvolles Erlebnis: Das Kälbchen schlummert im Strohbett, ringsum wachen Mutter sowie “Tanten & Cousinen” um sein Wohlergehen.

Biohof Besenbäck: Das sind gelebte Werte wie Ehrlichkeit, Ursprünglichkeit, Hand-Werk und Authentizität. “Der Blick aus dem Fenster …”

betont mir Judith Besenbäck einmal mehr, als wir uns die schönen Ferienwohnungen “Valentina”, “Flora” und “Elisa” ansehen, “das ist es, was die Gäste schlichtweg verstummen lässt. Die sind dann so glücklich, dass da ‘einfach nichts’ ist – kein Lärm, keine Ablenkung …” – “… nur diese malerische, ruhige, schöne Landschaft”, schließe ich verträumt und nicke Judith verständnisvoll zu. Wenn dann noch Sheila das Pferd vor dem Fenster grast, die Hühner gackernd umherlaufen und sich die Kühe einen Sonnenplatz auf der Weide suchen, ist der Traum vom Biohof perfekt. “Natürlich muss man auch leben, was man tut”, betont Fritz ein weiteres Mal, als wir erneut bei Kaffee, Kuchen sowie später dem Mittagessen zusammensitzen. “Landwirtschaft und Vermietung, beides in einem gesunden Maß ohne uns zu übernehmen und auf die Familie zu achten, dazu Zeit für meine Holzkreationen: Ich denke, am Ende des Tages spüren die Gäste, dass es allen gut geht hier. Und das ist es, wofür wir stehen und weshalb die Menschen auch wiederkommen: Dass wir uns Zeit nehmen, achtsam mit dem umgehen, was wir haben, es hier keine Kulissen gibt, ja wir einfach ehrlich sind.” Das kommt, gerade heute, sehr gut an, füge ich im Stillen hinzu. Und lächle. “Komm, es gibt Essen”, bedeutet mir Judith da und unterbricht meinen und Fritz’ fast schon philosophisch anmutenden Diskurs. Fröhlich hat sie davor aus ihren Dinkelkörnern eigenes Mehl für die Gemüsespätzle in der Pfanne gemahlen, der Geschmack selbiger ist vollmundig und einfach nur gut. “Danke”, sage ich genüsslich kauend und schicke ein bedeutsames Lächeln über den Tisch. “Jederzeit, Elena”, scheinen sie mir zu antworten, und: “Gerne machen wir als Nächstes einen Holzschnitzkurs mit Dir!”