Zum Heiraten auf den Bauernhof gehen

Blogartikel // 09. Nov. 2017
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Eigentlich witzig, wie das Leben so spielt. Leo und Christina haben sich auf einer Hochzeit kennengelernt. Er war bei der „Musi“ und sie als Kranzlbraut unterwegs. Inzwischen haben sie selbst geheiratet und bewirtschaften einen wunderschönen rustikalen Hof, auf dem eine Kappelle steht und in der sich jedes Jahr einige Pärchen das Ja-Wort geben.

Das Suppangut in Mariapfarr erreichen wir bei einem Wetter, in dem es sich von einer mystischen Seite zeigt. Einige Esel schauen uns dabei zu, wie wir bei leichtem Regen zur Eingangstür des großen Bauernhauses spazieren. Links von uns sehen wir einen kleinen Teich, der mit Wasserpflanzen bewachsen ist. Das Bild erinnert uns ein wenig an ein Kunstwerk von Monet. Und damit übertreiben wir nicht.

Esel am Suppangut © Matthias Gruber

Heiraten am Bauernhof

Die Tür öffnet uns Christina. Am Arm trägt sie Magdalena, ihre einjährige Tochter. In der Küche stehen schon Kaffee und Bauernkrapfen bereit, wie aus dem Bilderbuch. Wir sind neugierig. Beim Hereingehen haben wir eine kleine Kappelle gesehen und wollen wissen, was es damit auf sich hat. Christina erzählt, dass die Kappelle schon 1872 von den damaligen Besitzern erbaut wurde. Und seit Christina selbst auf den Hof gezogen ist, hat sie bereits über zehn Hochzeiten mitbetreuen dürfen.

Die skurrilste Hochzeit, die sie miterlebt hat? War bestimmt eine buddhistische Trauung. Bis zu 50 Personen können den schönsten Tag im Leben mitfeiern. Christina und Leo helfen sogar bei der Organisation: „Unser Nachbar ist Standesbeamter, das Essen machen wir selbst, Blumen holen wir vom Feld und einen Pfarrer kennen wir auch. Und Leo kümmert mit seinen Kollegen von der Musikkappelle um eine ordentliche Tanzlmusi“. Fast so wie damals, als er seine Christina kennengelernt hat.

Agape mit Bio-Produkten

Die Vorteile, wenn man auf einem Urlaub am Bauernhof-Betrieb heiratet? Da gibt es viele. Zum einen kümmern sich Christina und Leo um ein Bio-Essen, das der Saison entspricht. Auf den Tischen stehen Wiesenblumen, die extra für diesen Zweck gepflückt worden sind. Bei der Agape, also gleich nach der Trauung, stößt man mit Sekt und Wein an - diesen darf man selbst mitbringen. Selbstgebackenes Brot, Frischkäse und Almbutter stillen den ersten Hunger, bevor es dann zum gemeinsam Essen geht.

Der gstudierte Bauer

Während uns Christina noch das Fotoalbum zeigt, in das sie Erinnerungsfotos von den bisherigen Hochzeiten klebt, kommt Leo in die Stube. Er ist nun fertig mit seiner Arbeit am Hof und setzt sich zu uns. Wie es ihm ergangen ist, als er den Hof 2012 von seinen Eltern übernommen hat? Da muss er gleich lachen. „Am Anfang haben’s mich belächelt, weil ich ein g’studierter Bauer bin“. Tatsächlich hat Leo an der Universität für Bodenkultur in Wien studiert und das gesamte Wissen mit nach Hause in den Lungau genommen. Ob er jetzt alles ganz modern mache? Ganz im Gegensteil, sagt der heute 30-Jährige. Bei ihm heißt es wieder Back to the Roots. Weil man oft mit teuren Maschinen nicht die bessere Arbeit macht. Die Maschinen stehen übrigens hinter dem Haus.

Ein paar Meter weiter ragt die Ruine einer alten Burg aus dem bewucherten Untergrund: Das Anwesen hat seinerzeit zur Burg Pichl gehört. Deren Seitenmauern und der Keller sind bis heute erhalten. Sie geben dem Suppangut einen märchenhaften Charme.

Romantische Ecke © Matthias Gruber

Schlafen neben Ruinen.

Am Suppangut kann man sich in einer von zwei Ferienwohnungen, oder einem von drei Zimmern mit Doppelbett einquartieren. Dass es hier sehr schön ist, hat sich auch außerhalb Österreichs herumgesprochen. Zum Beispiel waren schon Gäste aus Kalifornien und Tschechien zu Besuch. Der Vorteil vom Suppangut? Man kann auch in einer größeren Gruppe unterkommen: Bis zu 12 Personen finden einen Schlafplatz, die Stub’n steht zur freien Verfügung. Nur eines sucht man am Suppangut vergeblich: Fernseher in den Gästeunterkünften. „Weil die Leute nicht einfach ein Kast’l einschalten können und abschalten, müssen sie sich wieder mit sich selbst beschäftigen“, erzählt Leo von der Entscheidung. Und siehe da, die Gäste beginnen wieder zu spielen, miteinander zu reden und genießen die Fernsehfreie Zeit so richtig. Auch mit den Bauersleuten: Leo und Christina nehmen sich viel Zeit für ihre Gäste, setzen sich am Abend auch zusammen und reden miteinander. Vor allem für die internationalen Besucher sei das ganz besonders, man tausche Tipps aus und erzähle ein bisschen von den unterschiedlichen Lebenskonzepten. Da krieg man viel mehr Information, als das Internet hergebe.

Beim Schnapseln kommen die Leut’ zusammen.

Als wir unseren Rundgang beendet haben, steht dann in der Stub’n ein Flascherl Zirbenschnaps bereit. Zirben wachsen nämlich im Wald, der zum Hof gehört und werden so zu einem herrlichen Schnaps verarbeitet. Christina gibt uns sogar einige Zapfen mit nach Hause, wo wir unter ihrer Anleitung einen eigenen Zirbenschnaps ansetzen sollen. So geht es dann in den tiefen Schlaf der Gerechten, bis am nächsten Tag der Hahn kräht, das Leben am Bauernhof wieder erwacht und die Gäste – wenn sie wollen – mit in den Stall kommen, die Tiere entdecken, im Heuboden schlafen, wandern gehen oder sich auf die Skipiste wagen. Möglich ist alles am Suppangut. Sogar eine spontane Hochzeit.

Am Suppangut ist besonders …

 … dass es eine ganz wunderbar mystische Ausstrahlung hat. Auf dem Suppangut kann man nicht nur an vergangene Ritter-Geschichten denken, sondern auch heiraten. Und zwar in einer Kappelle, die für bis zu 50 Personen Platz bietet.

Am Suppangut wohnen …

… die Familie Prodinger mit ihrer kleinen Tochter Magdalena, einige Esel, Kühe, Katzen und Wasserpflanzen, die im Naturteich vor dem Hof vor sich hinwachsen.

Am Suppangut kann man …

… heiraten. Und ganz wunderbar als Gruppe urlauben - Platz ist genug vorhanden.

Am Suppangut findet man …

… Spuren aus der Vergangenheit. Die Burg Pichl stand vor einigen hundert Jahren an dem Ort, wo man nun Urlaub am Bauernhof macht.

Familie Prodinger © Matthias Gruber