Time-out im Wald

Blogartikel // 14. Sept. 2020
Auf Facebook teilen
Auf Twitter teilen

Time-out im Wald

Der Wald ist ein Tausendsassa. Er heilt Gesundheit und Geist, ist Seelentröster, Abenteuer- spielplatz und Ort einer funktionierenden Kooperation. Und das Beste: Vom Bauernhof in den Wald ist es nicht weit.

Mit einem Anteil von knapp über 60 Prozent hat Kärnten nach der Steiermark die zweitgrößte Waldfläche aller Bundesländer. Wer im Süden Österreichs Urlaub am Bauernhof macht, muss nur hineingehen in den Wald – und seine Schätze entdecken.

Bad im Wald

Forest Bathing ist in, spätestens seit „Shinrin-Yoku“, also das Waldbaden, das in Japan auf Krankenschein verordnet wird. Der Biologe Clemens G. Arvay weiß aber, dass die Japaner diese Idee nur entlehnt haben und sie eigentlich von den Chinesen stammt. Sie nahmen schon vor 2.500 Jahren bei Bewegungs- und Atemübungen das Qi des Waldes auf, das gemäß der Traditionellen Chinesischen Medizin Wald und Menschen durchdringt, und nutzten „Senlinyu“ (Waldbaden) zu ihrem Vorteil. Heute gehen viele in den Wald, weil sie den Gedankenlärm verblasen und das Hirn auf Urlaub schicken wollen.
uab_ktn_natur-gut-lassen-feld © Daniel Gollner

Doktor Wald

Warum fühlen wir uns aber im Wald so wohl? Waldkenner Arvay hat dafür folgende Erklärung: „Die Natur ist unser evolutionäres Zuhause, wir spüren einfach, dass der Wald uns guttut“. Tatsächlich ist es aber mehr als nur ein Wohlfühleffekt – japanische und österreichische Studien belegen, dass der Wald auch gesund ist. So zeigen Untersuchungen der Nippon Medical School in Tokio, dass Terpene in der Waldluft die Anzahl und Aktivität der natürlichen Killerzellen und Anti-Krebs-Proteine im Blut erhöhen, das Immunsystem stärken und Puls und Blutdruck senken. Das bestätigt auch Allgemeinmediziner und Naturheilkundler Martin Spinka. Er hat im Zuge der Mühlviertler Waldluftbadestudie herausgefunden, dass vier Stunden pro Woche im Wald positiv für das vegetative Nervensystem sind, Widerstandskraft und Herz kräftigen, die Schlafqualität verbessern und die Verdauung unterstützen. Clemens Arvay nennt diese positiven Wirkungen Biophilia-Effekt: „Die Waldluft ist ein Cocktail aus bioaktiven Substanzen, unter anderem den Terpenen, die Krankheitserreger bei Pflanzen abwehren. Diese Terpene schützen beim Einatmen auch unsere Gesundheit“. Er empfiehlt, sich mindestens zwei Tage im Monat in einem Waldgebiet aufzuhalten, am besten in einer Mischung aus Nadel- und Laubbäumen.

Wunder Wald

Im Wald ist einfach alles besser. Oder fühlt sich zumindest so an. Im Rahmen eines Urlaubes am Bauernhof kann man das wieder einmal ausprobieren und im Wald auf Entdeckungs- oder Abenteuerreise gehen, Kraftplätze aufsuchen, entspannen oder spazieren gehen. Wie auch immer man sich im Wald aufhält – wichtig bei all diesen Unternehmungen ist die Achtsamkeit, der Natur und sich selbst gegenüber. Dass man keinen Müll liegen lässt, versteht sich von selbst. Generell sollte man im Wald seine Sinne bewusst öffnen, um den Parasympathikus zu aktivieren und die Stresshormone im Blut zu reduzieren. „Gehen Sie langsam durch den Wald und lassen Sie das Smartphone im Auto“, rät der österreichische Waldbotschafter des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus, Fritz Wolf. „Konzentrieren Sie sich ganz auf den Wald, auf seine Gerüche, Geräusche und auf sein Licht!“

uab_ktn_natur-gut-lassen_menschen-im-wald © Daniel Gollner

Kooperation Wald

Der Wald ist ein Ort der Kooperation, das Leben dort hauptsächlich getragen vom Miteinander. Waldpädagoge Günter Zeilinger vom Natur-Gut Lassen denkt dabei an das „soziale Gefüge im Ameisenhaufen“ und nennt den Wald den „kleinsten gemeinsamen Nenner für Menschen und Tiere, einen Zufluchtsort, der Sicherheit gibt“. Diese Sicherheit könnten wir Menschen für unser Zusammenleben gut gebrauchen. „Natürlich gibt es im Wald auch Wettbewerb“, wie Forstwirt und Autor Erwin Thoma weiß. In seinem Buch „Strategien der Natur“ verrät er, dass Bäume, die ihre existentiellen Bedürfnisse gedeckt haben, nicht nur sich selbst, sondern auch ihr Umfeld versorgen. Indem sie Humus für alle bilden, das Wasser und die Luft reinigen. Die Energie, die sie dafür brauchen, beziehen sie aus der Sonne. Wenn diese nicht scheint, greifen sie auf ihre Speicherreserven zurück. „Im Wald gibt es keinen Mangel! Energieautonomie ist der wichtigste Friedensbeitrag. Wenn jeder genug hat, gibt es keinen Anlass für Neid und Streitigkeiten“. Aber umso mehr Empathie.
Weitere Blogbeiträge: