Mostpressen am Radlerbauernhof Moser

Hofgeschichten, 15.09.2020, Urlaub am Bauernhof Oberösterreich

Viele Auszeichnungen hat Andreas Moser für seine Produkte - Most, Säfte und Edelbrände - bereits erhalten. Ein ganz besonderer Erfolg ist die Auszeichnung zum "Produzenten des Jahres", welche der ausgebildete Most- und Edelbrandsommelier 2019 bereits zum dritten Mal überreicht bekommen hat. Wir haben Andreas über die Schulter geschaut, wie denn so ein vielfach prämierter Most entsteht.

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Frisch geerntete Äpfel | © Urlaub am Bauernhof Oberösterreich / Harald Puchegger

Der Hof

Stolze 200 Obstbäume und 0,5 Hektar Wein zählen zum Besitz von Christine und Andreas Moser vom Radlerbauernhof Moser in Mitterkirchen und bieten das perfekte Fundament für die Most-, Saft- und Edelbranderzeugung. Diesen wertvollen Schatz und zugleich Lebensgrundlage hat sich Familie Moser über die Jahre aufgebaut. Glücklicherweise gibt's am Hof genügend eigenes Obst und es muss nur wenig bis gar nichts zugekauft werden.

Obst-, Wein- und Ackerbau und deren Veredlung stehen bei Familie Moser an erster Stelle. Aber auch die eigene Mostschenke und die Vermietung von Zimmer und Ferienwohnungen sind ein wesentliches Standbein.

Mit Hilfe von moderner Kellertechnik und fundiertem Wissen werden im Jahr rund 6.000 bis 9.000 Liter Most und 3.000 bis 5.000 Liter Saft am Hof produziert. Bei einem guten Weinjahr – wie es zum Beispiel 2017 war – kann man sich ebenso über 2.000 Liter Traubensaft und 1.000 Liter Weißwein freuen.

Mosterzeugung

Der ausgebildete Most – und Edelbrandsommelier Andreas nimmt uns in die heiligen Hallen der Mostproduktion mit und erklärt uns die einzelnen Schritte.

  • Schritt 1: Fallobst Klauben

Mit Hilfe einer Klaubemaschine wird das Obst gesammelt, ohne es zu beschädigen. 1.000 kg Obst in einer Stunde sind damit leicht zu schaffen. Geklaubt wird wirklich nur das Fallobst. Das Obst wird weder heruntergeschüttelt, noch von den Bäumen gepflückt. Erst wenn es von selbst abfällt macht sich Familie Moser an die Arbeit. Die Natur gibt hier den Ton an! Die Verwendung gesunder, reifer Früchte ist eine wichtige Voraussetzung, um einen erfrischenden, vollaromatischen Gärmost zu erhalten.

 

  • Schritt 2: Reinigung und Sortierung

Die Reinigung der Rohware nimmt ebenso einen zentralen Stellenwert ein. Hygiene ist das oberste Gebot für ein gutes Produkt! Hier wird ein Großteil der Mikroorganismen entfernt, um Fehlgärungen bzw. fehlerhafte Moste zu vermeiden. Aus diesem Grund kommt das Obst vorab in einen großen Behälter, in dem die Früchte von allen Seiten mit Wasser bespritzt werden und immer in Bewegung sind. Die Funktion ähnelt einem sprudelnden Whirlpool. Bevor der Reinigungsvorgang abgeschlossen ist wird das Obst erneut von den Helfern begutachtet und – wenn nötig – schlechtes Obst entfernt.

 

  • Schritt 3: Zerkleinern und Mahlen zur Maische

Mit Hilfe eines Förderbandes gelangt das Obst in die Zerkleinerungstrommel, wo es zermahlen wird. Fertig ist die sogenannte Maische.

 

  • Schritt 4: Pressystem

Danach kommt die Maische in die Zentrifuge, in der sich der Bar-Druck ständig erhöht. Der gewonnene Saft gelangt über eine Pumpe in die Edelstahltanks.

 

  • Schritt 5: Presssaft Schwefeln und Klären

Der Schwefel schützt den Most vor Luft (Oxidation) und verhindert damit das Entstehen von unerwünschten Mikroorganismen. Der vorhandene Presssaft enthält oftmals noch Stoffe wie Kernteilchen oder Schalen. Mittels Absetzen muss dieser „Trub“ von der Gärung abgetrennt werden. Das Ergebnis ist ein sauberes, reintöniges Produkt.

 

  • Schritt 6: Beigabe Reinzuchthefe und Gärung

Durch die Beigabe von Hefe kommt es in wenigen Tagen zur Gärung. Dabei wird Zucker in Alkohol umgewandelt. Der Gärspund zeigt an, wie weit die Gärung vorangeschritten ist. Den Zucker- und Säuregehalt muss Andreas daher immer im Auge behalten. Während dieser Zeit hört man es im Gärraum ganz schön blubbern und der Schwefelduft ist deutlich wahrzunehmen.

 

  • Schritt 7: Gärabschluss nach 2 bis 3 Wochen – Umziehen in einen anderen Tank

Anschließend wird der Most von der Hefe abgezogen, damit der Hefetrub das Aroma nicht verändert. Bis der Most in den Flaschen ist können die vorhandenen 1.500-Liter-Tanks sicher zwei- bis dreimal belegt werden.

 

  • Schritt 8: Lagerung

Hier ist es wichtig, dass keine Luft zum Most dringt und die Tanks oder das Fass spundvoll sind. Kühle Temperaturen sind ebenso das A und O bei der Lagerung. Um die Reintönigkeit zu bewahren wird der Most auch grob filtriert.

 

  • Schritt 9: Verkostung

Natürlich muss der edle Most auch durch den Gaumen von Mostsommelier Andreas wandern. Bei der Verkostung lassen sich die unterschiedlichen Obstsorten deutlich erkennen. Die Geschmacksrichtungen der Moste reichen von mild, halbmild und kräftig bis resch. Natürlich gibt es auch sortenreine Moste mit exklusivem Charakter. Der Cuvée besteht aus Apfel/Apfel beziehungsweise Birne/Birne und der Mischlingsmost aus Apfel/Birne. Die Sortenvielfalt hat in den letzten Jahren stark zugenommen und der Most ist vom einfachen Durstlöscher in vergangener Zeit zum Qualitätsprodukt geworden.

 

  • Schritt 10: Abfüllung

Die Abfüllung passiert außer Haus beim Partnerbetrieb Schober in Naarn und funktioniert mittels sterilisierten Geräten und Flaschen. Das Abfüllsystem ist in diesem Betrieb besonders ausgeklügelt und sucht weit und breit ihresgleichen.

 

Und dann kann mit dem spritzigen Getränk in der Mostschenke angestoßen werden - "G'sundheit - sollst leb'n", so lautet der Trinkspruch der Mosttrinkenden Genießer!

Auszeichnungen – Siegeszug und Medaillenregen

Ihre Bescheidenheit macht Familie Moser so sympathisch - htten sie doch jeglichen Grund abzuheben, denn die Auszeichnungen und der Medaillenregen in den vergangenen Jahre für ihre Qualitätsprodukte sind enorm.

Den Titel zum "Produzent des Jahres" in Österreich hat Andreas 2015, 2017 und nochmals 2019 verliehen bekommen. Diese Auszeichnung gleich dreimal abzusahnen ist schon beachtlich und unterstreicht das Können und vor allem die hohe Qualität der Produkte. In drei unterschiedlichen Kategorien den Sieg einzufahren, macht nicht so schnell jemand nach. Mitunter zählt der Radlerbauernhof Moser auch zu den oberösterreichischen Qualitätsmostproduzenten und die Mostschenke wurde seitens der Landwirtschaftskammer mit dem „Most & Kost“-Siegel ausgezeichnet.

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