Räuchern - mystisches Brauchtum

Bäuerliche Tradition, 27.12.2020, Urlaub am Bauernhof Oberösterreich

In den Rauhnächten vom 25. Dezember bis zum 6. Jänner duftet es in Vorderstoder am Ferienhof von Silke Antensteiner im Zamsegg nach Beifuß, Thymian und Fichtenharz. Die ausgebildete Kräuterpädagogin lebt damit eine lange Tradition: das Räuchern. Das mystische Ritual soll Glück und positive Energie im neuen Jahr verbreiten. Gerne gibt sie ihr Wissen weiter.

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Bäuerin sitzt in traditioneller Stube mit Räucherwerk am Ferienhof Zamsegg in Vorderstoder, Nationalparkregion Kalkalpen | © Oberösterreich Tourismus GmbH / Martin Fickert

Zwischen den Jahren liegt etwas in der Luft ...

„Ich bin eine echte Kräuterhexe“, sagt Silke Antensteiner, lächelt dabei und zündet mit einem Holzspan getrocknete Kräuter aus dem hauseigenen Garten und der Natur in einer Räucherschale an. Sie sitzt dabei in der alten Bauernstube, trinkt einen Schluck vom selbst gepflückten Kräutertee und fügt gleich hinzu: „Für mich ist das kein Schimpfwort, vielmehr eine Berufsbezeichnung.“ Überall am Hof Zamsegg sieht man große Glasgefäße mit getrockneten Blüten, Kräutern und Stauden.

"Ich bin eine echte Kräuterhexe."

Silke Antensteiner

„Zu den Grundkräutern beim Räuchern zählt jedenfalls der Beifuß, der leicht brennbar ist. Auch Johanneskraut und Rosenblätter sowie Lavendel sind beliebte Räucher-Zutaten“, erzählt Silke Antensteiner fachkundig und atmet tief ein. Die ganze Stube hat mittlerweile einen bitter-süßen und zugleich schweren Duft. Fast meditativ steigen blaugraue Rauchschwaden auf und tänzeln zur rustikalen Holzdecke hinauf. Man inhaliert die Kräuter förmlich.

Sinnesreize und Emotionen

Bereits die Kelten räucherten mit Beifuß. Damals war man der Meinung, so böse Geister vertreiben zu können. Wem das nun zu wenig wissenschaftlich erscheint, dem sei an dieser Stelle gesagt: Die feinen Räucher-Düfte können nachweislich die Stimmung aufbessern und zaubern weihnachtliche Atmosphäre ins ganze Haus. Denn: Räucherrituale wirken nicht allein über den Geruchssinn auf das Wohlbefinden, sondern über das limbische System, in dem das Gehirn Emotionen und Sinnesreize verarbeitet, sogar auf das Langzeitgedächtnis.

Durch das Verbrennen gelangen die Wirkstoffe der Pflanzen aber auch in die Luft, werden eingeatmet und gelangen somit in den Blutkreislauf. Laut Überlieferung ist besonders das Lüften im Anschluss an eine Räucher-Zeremonie besonders wichtig, damit auch symbolisch das Negative das Haus verlässt.

Silke Antensteiner ist gebürtige Linzerin und hat einige Zeit in Salzburg gelebt. Die Bäuerin und Mutter dreier erwachsener Kinder hat die Liebe zur Landwirtschaft aber relativ bald entdeckt. „Das Leben hier am Hof ist nicht langsamer, aber erfüllter - sowohl mit Arbeit als auch mit Natur“, sagt Silke.

Das schätzen die Gäste. Denn neben Milchwirtschaft, Lämmerzucht und Almwirtschaft, bietet Silke auch Urlaub am Bauernhof an und weiht ihre Besucher bei speziellen Kräuterwochenenden in die Kräuterkunde ein - mit Blick auf das Tote Gebirge versteht sich. Dann gibt es hausgemachten Lindenblütensaft und natürlich Kräuterweckerl mit selbst gemachter Kräuterbutter. Die Landwirtin wandert dann mit ihren Gästen durch die Natur, sammelt Blüten und Blätter und stellt damit auch Liköre oder Lippenbalsame her.

"Wir leben hier, wo andere Urlaub machen.

Dafür bin ich sehr dankbar."

Als spiritueller Mensch schöpft Silke Antensteiner aber natürlich nicht nur Kraft aus den Kräutern, sondern vor allem aus der Natur rund um sie herum. Wenn die Zeit es erlaubt, so verbringt sie gerne ihre Nachmittage am Pießling Ursprung, einer der größten Karstquellen Europas, und lauscht dem Getöse der mächtigen Wassermassen. Oder sie lässt ihre Gedanken beim Stoderer Weitblick  in die Ferne schweifen.

Wann sind die Rauhnächte?

Vermutlich gehen die Rauhnächte auf den germanischen Mondkalender zurück. Denn ein Mondjahr umfasst 354 Tage, unser Sonnenjahr besteht aber aus 365/366 Tagen. So ergibt sich eine Differenz von 11 bzw. 12 Tagen. Je nach Region unterscheidet sich die Anzahl der Rauhnächte. Diese besonderen Tage werden „die Nächte zwischen den Jahren“ genannt und einem Mythos zufolge sind an diesen Tagen die Kräfte der Natur außer Kraft gesetzt und die Tore zu einer anderen Welt stehen offen.

 

Die vier wichtigsten Rauhnächte sind:

Die Nacht vom 21. auf den 22. Dezember. Sie wird auch Thomasnacht genannt.
Der Heilige Abend vom 24. auf den 25. Dezember.   
Die Neujahrsnacht vom 31. Dezember auf den 1. Jänner.
Die Nacht vom 5. auf den 6. Jänner.

In diesen vier Rauhnächten werden Haus und Hof geräuchert, um Schutz für die darin lebenden Menschen und Tiere zu bringen.

Was in der Räucherschale landet ...

  • Beifuß: wirkt anregend, reinigend und soll Schutz geben
  • Johanniskraut und Königskerze: stimmungsaufhellend
  • Thymian: gut für die Atemwege und die Nerven
  • Rosenblätter: Herzenskraft
  • Wacholder: desinfiziert und wirkt aufbauend, heilend und reinigend
  • Lavendel: reinigt und desinfiziert und beruhigt
  • Baldrianwurzel: schafft Harmonie und beruhigt

Anleitung zum Räuchern

Was man braucht:

  • Räucherpfandl (kann auch ein altes Metallpfännchen sein)
  • Räucherkohle
  • frische oder getrocknete Kräuter nach Lust und Laune, auch Tannenreisig
  • eventuell Harze
     

Räucherkohle anzünden. Sobald die Glut gut glimmt, Kräuter, Tannennadeln oder Harze darauf legen, bis ein fein duftender Rauch aufsteigt. Anschließend von Raum zu Raum gehen und den Rauch in alle Räume einziehen lassen. Auf Höfen werden auch die Ställe geräuchert. Wichtig ist, nach dem Räuchern die Fenster zu öffnen, damit Rauch und böse Geister Haus und Hof verlassen.

 

Link-Tipp: Oberösterreich Magazin

 

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