Reiterspass für die ganze Familie

Aktiv am Hof, 06.09.2021, Elisabeth Freundlinger

Urlaub mit der Großfamilie. Oft klingt so eine Unternehmung im Vorfeld besser als sich dann in der Praxis zeigt. Wenn viele Leute miteinander verreisen, sind Kontroversen unvermeidlich – vor allem, wenn auch noch verschiedene Generationen zusammentreffen. Die Gemeinsamkeit ist ja schön und gut, doch wenn das Drumherum zum Konfliktherd wird, macht der Urlaub keinen Spaß mehr. Schließlich hat jedes Familienmitglied andere Vorstellungen von Erholung.

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3 Mädchen sitzen vor dem Hof auf 3 Pferden am Pferdehof Stockner auf der Teichalm in der Steiermark | © Urlaub am Bauernhof Österreich / Andreas Hofer

Aber, gerade, weil das Angebot von Urlaub am Bauernhof so vielfältig ist, bietet sich diese Urlaubsform so besonders gut für Gruppen mit unterschiedlichen Bedürfnissen an. Wie zum Beispiel für Familien. Da müssen nicht alle wandern oder radfahren – da kann auch jeder für sich sein persönliches „Kraftplatzl“ suchen – Alt und Jung, immer auf Achse oder nicht ganz so mobil, mit Wanderstiefeln, im Kinderwagen, mit Bergstöcken, im Rolli, auf dem Fahrrad- oder dem Pferdesattel. Ja, auch die spezialisierten Urlaubsbauernhöfe sind für Großfamilien als Urlaubsdestinationen interessant. Zum Beispiel der Reiterhof.

Familienglück am Bauernhof

Die Pfeiffers sind eine Großfamilie: Bei den Familienfesten tummeln sich Mamas, Papas, Omas und Opas und jede Menge Kinder in allen Altersstufen. Je mehr die Familie wächst, umso schwieriger wird es allerdings, alle zusammen zu bringen. Aus diesem Grund ist der gemeinsame Urlaub jedes Jahr ein Fixpunkt. 

Schon seit langem sind die Pfeiffers Fans von Urlaub am Bauernhof. Schließlich stimmen hier alle Komponenten: Natur und gesundes Essen, Aktivität und Ruhe, Gemeinsamkeit und Zeit für sich – all das wird auf dem Bauernhof auf unkomplizierte Weise geboten. 

Die Großeltern schätzen es, der Jugend Werte zu vermitteln, mit denen sie selbst großgeworden sind. Schließlich war vieles damals nicht so selbstverständlich wie heute – und, sieh an! – ohne professionelle Dauerbespaßung blühen die Kids erst so richtig auf. Wie cool ist es, miteinander zum Waldteich zu radeln und auf Bäume zu kraxeln! Am Projekt Baumhaus beteiligen sich auch die Erwachsenen mit Begeisterung. Und auf einmal begegnen sich Alt und Jung auf Augenhöhe.

Ein spezieller Urlaub für alle

Das Urlaubsvergnügen beginnt bei den Pfeiffers immer schon mit der Planung. Obwohl da mitunter sehr heiß diskutiert wird …

Heuer hat Mama Irene nämlich einen ganz besonderen Urlaubswunsch: Auf den Reiterhof soll es gehen. Immerhin sind Irenes schönsten Kindheits- und Jugenderinnerungen mit Pferden verknüpft. Die Chance auf so großartige Erlebnisse will die Familienmutter unbedingt auch ihren Kindern geben. 

Tochter Sabine ist schon lang an Bord, die 11-Jährige liebt Pferde ebenfalls über alles. Die beiden Männer – Papa Max und der vierzehnjährige Tim – haben allerdings noch ihre Zweifel. Auf den Reiterhof? Ist das nicht totale Frauensache? 

„Wenn du denkst, dass ich im Stall den Ponys ihre Mähnen frisiere, habt ihr euch geirrt!“, meint der Teenager. Seine Vorstellung vom Traumurlaub beinhaltet unter anderen Faktoren wie ein Mountainbike, ein Paddelboot und wilde Abfahrten durch den Wald. 

Vater Klaus hingegen träumt von langen Wanderungen über Almlandschaften.

Auch die Großeltern sind beunruhigt. „Was sollen wir denn auf einem Reiterhof anfangen?“ klagen sie. Opa will wie jeden Urlaub mindestens tausend Seiten lesen, und Oma will garteln und der Bäuerin ihre Lieblingsrezepte abluchsen. Spazierengehen wollen sie, es gemütlich haben, nicht ständig über Pferdeäpfel stolpern. Ein Urlaub ohne gemütliche Ruhepausen ist für die „Oldies“ nicht vorstellbar.

„Und was ist mit den gemeinsamen Erlebnissen?“, will Oma wissen. „Wenn ihr die ganze Zeit im Stall abhängt, sind wir Alten sowieso abgemeldet!“ 

Tante und Onkel haben jüngere Kinder und die Sorge, dass ein Reiturlaub ihre Geduld überfordern könnte. Die fünfjährige Lea ist hyperaktiv und nervös, der dreijährige Ben in seiner Entwicklung ein wenig beeinträchtigt. Für gewöhnlich bedeutet das für die jungen Eltern auch im Urlaub jede Menge Stress. Und selber reiten? „Ach, was! Das haben wir nie gemacht, und jetzt ist es sicher zu spät, um damit anzufangen!“ – Hmmm.

Aber dann wagen sie es doch. Und stellen fest, dass es nicht nur ein guter Urlaub ist, sondern der beste überhaupt, den sie miteinander verbracht haben. Bis auf Weiteres, jedenfalls. Denn in Zukunft stehen noch viele Reiter-Urlaube auf dem Programm der Großfamilie. Oder andere Urlaube auf einem der spezialisierten Bauernhöfe.

Vorteil 1: Reiten

Irene und Sabine stürzen sich auf dem Reiterhof sofort ins Abenteuer und nehmen Kontakt mit den Pferden auf. Sie können es gar nicht erwarten, bis jede von ihnen in der Reithalle ihr „eigenes“ Pferd zugeteilt bekommt. Auf in den Sattel! Ja, Mutter und Tochter sind von Anfang an in ihrem Element. Glückstrahlend kann Irene endlich wieder Stallluft schnuppern und alte Fähigkeiten auffrischen. „Ein Jungbrunnen!“, schwärmt sie begeistert.

Die anderen Familienmitglieder sind etwas zögerlicher, aber es findet sich für jeden, der Unterricht nehmen möchte, das passende Pferd. Die erfahrenen Reitpädagogen erkennen rasch, welche menschlich-tierischen „Teams“ gut zusammenpassen. Die kleinen Kinder entspannen sich sofort bei den geduldigen Ponys. Tim will es mit Westernreiten versuchen – hey, ist ja mindestens so cool wie Mountainbike! – und auch die Erwachsenen lassen sich gern von der Wild-West-Romantik anstecken. 

Vorteil 2: neue Erfahrungen

Morgens geht es in den Stall, die Boxen müssen ausgemistet, die Pferde wollen gefüttert und gestriegelt werden. Arbeit im Urlaub? Ja, denn es macht Spaß! 

Bald schon ist die ganze Familie „süchtig“ nach der gesunden, würzigen Stallluft. Und freilich hat auch schon jedes Familienmitglied seinen ganz besonderen Kumpel gefunden. Die Beziehungen zwischen Menschen und Pferden vertiefen sich. Vertrauen und Mut wachsen, die Lebensgeister sind geweckt. Mama hat ein breites Lächeln im Gesicht, denn am Ende der Woche steht der erste Gruppenausritt auf dem Programm. Wer nicht im Sattel sitzen mag, kann das Abenteuer bei einer Kutschenfahrt genießen. Auf dieses romantische Erlebnis freuen sich Oma und Opa schon seit Tagen.

Vorteil 3: Pferde als Therapeuten

Pferde sind besonders sensible Geschöpfe und werden deshalb auch für Therapiezwecke eingesetzt. Sie spüren Unsicherheiten und Ängste und reagieren auf Menschen sanft und mit großer Geduld. So fassen „Angsthasen“ Mut und „Nervöslinge“ werden geerdet. Die Konzentration auf den Moment hilft, quälende Gedankenspiralen loszuwerden, und das Erfolgserlebnis, wenn man spürt, wie die Bewegungen verschmelzen … das ist einfach unglaublich schön. Die Pfeiffers erkennen: Was sie beim Reiten erleben, ist nachhaltig. Sie werden nicht nur Erinnerungen mit nach Hause nehmen, sondern neue Impulse für ihren Alltag. Die beiden Jüngsten haben auf die Kontakte mit den Tieren übrigens besonders gut reagiert. Lea konnte sich richtig gut konzentrieren, und Ben hat einfach so einen großen Entwicklungsschritt gemacht. Die Kombination aus gutem Essen, gesunder Luft und die „Therapiestunden“ mit den Pferden haben der ganzen Familie gutgetan. Alle sind entspannt.

Vorteil 4: Natur

Beim Urlaub auf dem Reiterbauernhof ist man mittendrin im Geschehen und nicht bloß ein vorübergehender Zaungast. Das weiche Pferdefell, die fließende Mähne, die zarten Nüstern zu berühren und zu riechen – das ist Naturerleben pur! Und erst die Ausritte. Über Wiesen und Felder, durch den schattigen Wald und über einen Hügelkamm geht’s dahin. Als wäre man Teil einer prächtigen Kulisse. Abends sitzen alle beim Lagerfeuer und erzählen einander, was sie erlebt haben. Das ist fast wie im Wilden Westen, nur ohne Indianerüberfall. Irgendwann liegen alle im nachtschwarzen Gras und schauen in den Himmel, auf dem die Sternbilder klar zu sehen sind. Eine Eule schwingt sich durch die Luft, und aus dem Stall ist ein leises Wiehern zu hören. Später geht’s zum Schlafen ins gemütliche Zirbenbett, denn man soll es mit dem Wild-West-Leben ja auch nicht übertreiben.

Vorteil 5: das Drumherum

Ein Reiterhof ist ein Bauernhof mit dem Schwerpunkt Pferde. Deshalb gibt es hier auch alle anderen wunderbaren Elemente, die die Pfeiffers an ihren Bauernhof-Urlauben so sehr schätzen: etwa das gesunde Frühstück mit dem frisch gebackenen Bauernbrot und den würzigen Aufstrichen. Auch auf dem Reiterhof holen die Kinder beim morgendlichen Stallbesuch die Frühstückseier aus den Nestern. Oma pflückt im Kräutergartl Petersilie und Papa holt den Salat aus dem Bauerngarten. Das Bankerl vor dem Haus lädt zum Sitzen und Plaudern ein – hier wird Opa mehr als tausend Seiten lesen. Wandern und Radfahren, Mountainbiken, Schwimmen, Spaziergengehen sind hier genauso möglich wie auf jedem anderen Urlaubsbauernhof. Es ist bloß eine Vielfalt mehr.

Miteinander Neues erleben

Mama Irene ist glücklich, dass sie sich diesmal durchgesetzt hat. Auf dem Reiterhof konnte sie alte Glücksmomente auffrischen und ihrer Familie zu neuen Erfahrungen verhelfen. Die anderen sehen das genauso. Was ursprünglich als Kompromiss gedacht war, hat sich tatsächlich als Glückstreffer entpuppt. Das nächste Mal folgen die Pfeiffers vielleicht einem anderen Urlaubstraum. Dann gibt es möglicherweise g’schmackige, gesunde Tage auf einem Biobauernhof oder ein ausgeklügeltes Aktivitäts-Wellnessprogramm auf dem Vitalbauernhof - wie auch immer die Familie entscheiden wird – fest steht, dass sich alle schon auf den nächsten Bauernhof-Urlaub freuen, wo sie ihren Zusammenhalt durch gemeinsame Erlebnisse weiter festigen werden. Denn Familien brauchen Geschichten.

Elisabeth Freundlinger
freie Texterin, 31 Artikel
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