Sternsinger, Klöckeln und kulinarischer Zauber

Weihnachten am Bauernhof, 07.12.2021, Elisabeth Freundlinger

Kärnten, das Land der Seen und Berge, verspricht rund um die Weihnachtszeit eine ganz besonders stimmungsvolle Atmosphäre. An vielen der Seen gibt es Lichterpromenaden. Das Wasser leuchtet, der Schnee glitzert und man spürt, dass ganz besondere Tage angebrochen sind: Weihnachten steht vor der Tür.  In Österreichs südlichstem Bundesland haben viele Weihnachtstraditionen ihre ganz eigene Färbung angenommen. Wie überall haben sich dabei christliche mit heidnischen Ritualen gemischt. Von Sternsingern, Klöckeln, Marienprozessionen und herzerwärmenden Dampfnudeln.

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Kärnten: Kein Festessen ohne Reindling!

Kärnten, das Land der Seen und Berge. Das verspricht rund um die Weihnachtszeit eine ganz besonders stimmungsvolle Atmosphäre. An vielen der Seen gibt es Lichterpromenaden. Das Wasser leuchtet, der Schnee glitzert und man spürt, dass ganz besondere Tage angebrochen sind: Weihnachten steht vor der Tür.

Auch in Österreichs südlichstem Bundesland haben viele Weihnachtstraditionen ihre ganz eigene Färbung angenommen. Wie überall haben sich dabei christliche mit heidnischen Ritualen gemischt. Das Ergebnis ist äußerst reizvoll.

So wurde etwa das Heiligenbluter Sternsingen im Jahr 2010 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe ausgezeichnet. Das ist auch wahrlich ein Erlebnis! Bis zum Morgengrauen ziehen die Sternsinger durch den Schnee. Dabei singen sie Jahrhunderte altes Liedgut, etwa das „Sternlied“, das „Danklied“ oder „Der Haussegen“. In allen Häusern werden die Gruppen willkommen geheißen und mit einer stärkenden Jause versorgt.

Auch das Christbaumversenken im Wörthersee, das in Klagenfurt und Velden veranstaltet wird, hat sich vom Spektakel zur Tradition entwickelt. Der Hintergrund ist ein ernster: Es wird der unterm Jahr im See Verunglückten gedacht.

Neun Tage vor Weihnachten finden in Kärnten vielerorts Marienprozessionen statt. Bei diesem christlichen Ritual wird eine Marienstatue unter Gebet und Gesang von Haus zu Haus getragen. In jeder „Herberge“ bleibt die Statue für eine Nacht, nur in jenem Haus, das die Marienstatue am Heiligen Abend aufnimmt, bleibt sie bis zum Lichtmesstag am 2. Februar.

Klöckeln & Roateln

Ein ganz besonders schöner Kärntner Brauch ist das Klöckeln. An den letzten drei Donnerstagen im Advent ziehen die jungen Männer durch die Ortschaften und klöckeln (= klopfen) an die Häuser. Nicht immer wird ihnen Einlass gewährt – da gehen erst einmal eine Menge von überlieferten Sprüchen hin und her: Die einen begehren Einlass, die anderen weisen die Anklopfenden ab. Letztendlich schaffen es die hartnäckigen Gesellen meistens doch, das Haus zu betreten. Drinnen wartet dann eine deftige Jause auf die Klöckler. Oft schließen sich die Hausbewohner der weiterziehenden Gruppe an, und so wird die Gesellschaft im Laufe des Abends immer größer.

Auch ein alter heidnischer Abwehr- und Bindezauber hat sich bis heute bewahrt: Beim „Roateln“, werden Messer und Scheren geschärft und am Heiligen Abend unter den festlich gedeckten Tisch gelegt. Die Tischbeine werden übrigens mit eisernen Ketten umwickelt. So bleibt der Tisch bis zum Neujahr stehen, und auf die Bauern warten im Neuen Jahr Glück und eine gute Ernte.

Die Bauernküche in der Adventszeit

Der Advent ist eine Fastenzeit, und so ist das Essen bis zum Christtag eher schlicht. Dennoch werden in den Bauernküchen Kekse und allen voran das traditionelle Kletzenbrot (mit Nüssen und getrockneten Früchten) gebacken. Am Heiligen Abend werden vielerorts in Kärnten Dampfnudeln mit Honigschmalz serviert, danach gibt es die traditionellen Stockplattln. Diese bestehen aus mehreren Teigschichten, welche mit Beeren gefüllt und mit Honigschmalz übergossen werden. In den südlichen Regionen wird am Heiligen Abend eine „grüne Wurst“ (ungeräuchert und ganz frisch hergestellt) gegessen, dazu gibt’s Sauerkraut.

In keinem Kärntner Haushalt darf er zum Festtagsessen fehlen: der Reindling. Dieser gefüllte Kuchen aus Germteig wird in einem Topf – einem „Reindl“ – gebacken und wird zu Ostern mit Schinken und Kren serviert, zu Weihnachten überwiegen Zimt, Rosinen und Nüsse.

Weihnachten am Gailerhof

Ein wichtiger Tag ist auch der 26. Dezember, der Stefanitag. Früher haben an jenem Tag die Mägde und Knechte ihren Arbeitsplatz gewechselt, und auf den Pferdemärkten herrschte reger Handel. Heute gibt es in vielen Kärntner Gemeinden Stefaniritte mit anschließender Pferdesegnung.

Andrea Guggenberger vom Gailerhof im Lesachtal erzählt von ihrem Weihnachten:

„Seit Jahren backe ich schon in der Vorweihnachtszeit unzählige Sorten von Keksen. Mein persönlicher Rekord waren 49 Sorten. Backen ist für mich Entschleunigung auf der ganzen Linie! Am liebsten mag ich es, wenn es draußen nebelig ist, sich in der warmen Küche der Keksduft mit dem Weihrauchduft vermischt, und weihnachtliche Chorklänge aus dem Radio ertönen. 

Ein absolutes Muss bei uns am 1. Adventsonntag ist das Verkosten der ersten Kekse.

Ich richte dann schöne Keksteller, und alle Menschen, die mir unterm Jahr immer hilfreich zur Seite stehen und immer ein offenes Ohr für mich haben, bekommen einen als kleines Dankeschön. Aber auch unsere langjährigen Stammgäste können sich jedes Jahr über ein „Kekse-Packerl“ vom Gailerhof freuen.

Beim Kochen und Backen achte ich sehr darauf, regionale Produkte zu verwenden.

Ich nehme gerne das Mehl vom Jöhrerhof in Tscheltsch, die Butter vom Jörgis Hof, auch in Tscheltsch, den Honig vom Imker Kofler Adalbert aus Liesing. Und dieses Jahr hatte ich sogar meine eigenen Eier von meinen Seidenhühnern!

Und dies ist mein Lieblingsrezept für euch:

Sonnenblumentaler

Zutaten:

50 g braunen Zucker, 150 g Honig, 250 g Butter, 250 g Weizenmehl, 1 Prise Salz, abgeriebene Schale von 1 Zitrone, 2 TL Zimt, 1 Ei, 200 g Sonnenblumenkerne, 2 EL Obers

 

Teig:

Zucker,2 5 g Honig mit 150 g Butter, Mehl, Zimt und Ei rasch zu einem Teig verkneten.

Zugedeckt ca. 2 Std. kühl rasten lassen.

 

Belag:

Sonnenblumenkerne, restlichen Honig, Obers und die übrige Butter aufkochen und immer wieder umrühren. Dann den Topf vom Herd nehmen und die Masse etwas überkühlen lassen.

Den Ofen auf 180 Grad vorheizen.

Den Teig ca. 4mm dick ausrollen, runde Kekse ausstechen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen.

Auf jedes Keks jeweils 1 TL von dem Sonnenblumenbelag geben. Dann für 10 min. ab in den Ofen!

 

Gutes Gelingen!

Das Piggale - ein typisches Dessert im Lavanttal

Auch die Seminarbäuerin Sylvia Schilcher vom Fewo-Bauernhof Schilcher vlg. Pippitz erzählt von ihrem traditionellen Weihnachtsdessert, welches ganz typisch für die Region Lavanttal und Südkärnten ist: das Piggale.

„Des Piggale ist ja eine optische Sauerei, schmeckt aber der ganzen Familie hervorragend“, lacht die sympathische Bäuerin. „Dazu kochen wir schon Tage vorher Dörrbirnen in viel Zuckerwasser weich und lasse das Ganze ein bis zwei Tage stehen. Für das Piggale wird ein Reindling abwechselnd mit Mohn und Zucker geschichtet und mit dem Sud dieses Birnenwassers übergossen. Weil in unserer Familie inzwischen alle erwachsen sind, gebe wir auch einen kräftigen Schluss Weinbirnenschnaps dazu. Das Piggale ist unser Dessert am Heiligen Abend zu Mittag. Abends essen wir Selchwürstel mit Sauerkraut und Apfelkren.“

Erstaunlich, dass in ganz Österreich zu Weihnachten Würstel gegessen werden – wenn auch immer in unterschiedlicher Zubereitung. „Ja – das liegt wahrscheinlich daran, dass früher in den Tagen vor Weihnachten geschlachtet wurde“, erklärt die Seminarbäuerin. „Da musste das Fleisch dann rasch verarbeitet werden. Solche Traditionen halten sich bis heute. Trotzdem ändert sich alles mit der Zeit. Bei uns gab‘s zum Beispiel früher am Heiligen Abend zu Mittag eine Mehlsuppe mit Erdäpfelbröckerl, danach geschnittene Nudeln mit Mohn und dann das Piggale. Aber das ist uns inzwischen zu viel, da platzen wir ja noch vor der Bescherung! Inzwischen sind wir beim Mittagessen nicht mehr so festgelegt.  Abends feiern wir in der Familie mit den bei uns wohnenden Eltern, die Kinder und Schwiegerkinder kommen. Wir genießen das Zusammensein, es wird gesungen und gebetet. Im Hof steht ein mit Lichterketten geschmückter Baum.

Und weil wir im Lavanttal so gern Mohn essen, hab ich ein besonderes Rezept für euch:

Monherzen

Zutaten:

280 g Mehl, 250 g Butter, 140 g geriebener Mohn, 140 g Staubzucker, 6 EL Wasser

2 Pkg. weiße Kuvertüre (tauchen), Marmelade zum Zusammenkleben

 (Brombeere schmeckt sehr gut)

 

Teig:

Alle Zutaten rasch zu einem Teig kneten. Rasten lassen und ca. 3 mm dick ausrollen, Herzen ausstechen, auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben und auf Sicht backen.

Backempfehlung: 160 ° ca. 10-12 Minuten.

Die ausgekühlten Herzen mit Marmelade zusammenkleben. Die Kuvertüre vorsichtig über Dampf erwärmen und das halbe Herz in die weiße Kuvertüre tauchen.

 

Lasst es euch gut schmecken!

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Elisabeth Freundlinger
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