Tiroler Weihnachtsküche

Weihnachten am Bauernhof, 26.11.2021, Elisabeth Freundlinger

In Tirol wird zur Weihnachtszeit aufgekocht: Aus der Vielzahl an traditionellen Rezepten stellen wir euch die Favoriten unserer Gastgeber und Gastgeberinnen vor – inklusive Rezept! „Nui Schmalz“ aus dem Tiroler Oberland, „Ziachkiachl“ und „Fisolensuppe“ aus dem Alpbachtal oder weihnachtliche Marmeladen aus dem Stubaital: Die Gerichte sind nicht nur gelingsicher, sondern schmecken auch noch köstlich!

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Christbaumkugel auf Christbaum | © Urlaub am Bauernhof / Pascal Baronit

Advent in Tirol

Im Tiroler Advent haben die Weisenbläser viel tu tun, denn überall wird weihnachtlich gesungen und gespielt: auf den Adventmärkten oder auch im privaten Rahmen. Tirol ist schließlich ein sehr musikalisches Land!

Wie in vielen Regionen Österreichs werden in den Raunächten auch in Tirol Haus und Hof geräuchert, und wenn gerade Gäste am Urlaubsbauernhof sind, nehmen diese selbstverständlich an diesem alten Ritual teil.

Anna Holzer vom Strumerhof ist dafür eine Expertin:  

https://www.urlaubambauernhof.at/de/magazin/Raeuchern-das-duftende-Gebet_bba_41486

Tiroler Weihnachtsküche

Auch das Essen spielt in Tirol eine große Rolle. In der Adventzeit wird traditionell natürlich viel Süßes verspeist – Kekse und Zelten. Am Heiligen Abend steht dann bei den meisten Bauersfamilien eine kräftige Fleischsuppe mit Nudeln und Würsteln auf dem Tisch. In vielen Regionen gibt es auch die bekannten „Kiachln“, siehe unser Rezept weiter unten.

Und hier haben uns einige Urlaub am Bauernhof-Vermieterinnen ihre liebsten Rezepte verraten:

Gefüllte Krapfen mit Nui Schmalz

„Bei uns am Hänsler`Hof ist die Zeit zwischen Weihnachten, Silvester und die Nacht vor Dreikönig die Zeit der Raunächte. Das Räuchern in den Raunächten ist bei uns seit Generationen eine Familientradition: Haus, Stall und Tenne werden ausgeräuchert und mit Weihwasser gesprengt, natürlich wird auch das Vieh im Stall geweiht. Dabei spricht man: Glück ins Haus, Unglück hinaus!“ erzählen Leni und Martina Gastl vom Hänslers Hof im Pitztal. „Wir haben euch eine traditionelle Weihnachts-Köstlichkeit aus dem Pitztal mitgebracht!“

Gefüllte Krapfen mit Nui Schmalz

Zutaten für den Teig:

40 dag Mehl, eine Prise Salz, 5 dag Butter, 1 Dotter, 1 EL Rum und etwas lauwarme Milch.

Zutaten für die Fülle:

30 dag Feigen (evtl. auch Dörrbirnen und Dörrpflaumen) 15 dag Mohn, 1/8 l Milch, 5 dag Butter, 12 dag Zucker, Zitronenschale, Zimt, Nelkenpulver und etwas Rum.

Zubereitung:

Das gesalzene Mehl mit den übrigen Zutaten zu einem weichen, glatten Teig gut verkneten.

Den Teig vierteln – dabei  jedes Viertel solange kneten, bis es glatt und blasig ist, dann zugedeckt an einem warmen Ort ca. 20 min rasten lassen.

Inzwischen kann man die Fülle zubereiten:

Die Früchte werden weichgekocht und faschiert, Milch mit Butter und Zucker aufkochen , geriebenen Mohn dazugeben und kurz ziehen lassen.

Gewürze mit den Früchten zu einer cremigen Masse vermengen.

Jedes Teigviertel wird dünn ausgewalkt, darauf werden im Abstand von zwei Fingerbreit kleine Häufchen Fülle gesetzt, und das Ganze wird mit der zweiten Teigplatte zugedeckt. Dazwischen leicht andrücken und Quadrate ausradeln.

Im heißen Butterschmalz mit der oberen Seite nach unten ausbacken und immer mit heißem Fett übergießen, damit die Krapfen schön aufgehen. Mit Staubzucker bestreuen.

Nui Schmalz

Zutaten:

0,5 l Milch, 5 dag Mehl, 25 dag Butter

Zubereitung:

Mehl in Milch einkochen, Salz und Zucker dazu rühren, zu einem dicken Brei einkochen, handwarm auskühlen lassen, dann die zimmerwarme Butter langsam unterrühren, bis alles schön weiß und flaumig ist.

Über Nacht im Kühlschrank stehen lassen, mit Honig übergießen und zu den Krapfen servieren.

"Nuies Schmolz" aus Sölden

Weil das Nui-Schmalz eine Tiroler Spezialität ist, haben wir hier ein weiteres Rezept vom Landhaus Martinus in Sölden.

Bäuerin Viktoria Gstrein: „Bei uns wird traditionell „Nuies Schmalz“ gemacht, und in den Nächten vom 21.12, 24.12, 31.12 & 05.01 wird mit Salbei, Weihrauch, Wacholder, Rosmarin, Kampfer und Engelwurz geräuchert. Es sollten übrigens in dieser Zeit auch Schulden beglichen und Geliehenes zurückgegeben werden!“

Nuies Schmolz

Zutaten:

60 g glattes Mehl, 500 ml Milch, Salz, 2 EL Zucker, 250g Bauernbutter, Ötztaler Bienenhonig.

Die Angaben können variieren, da Oma nach Gefühl arbeitet. 😉

Zubereitung:

Das Mehl, Milch, Salz & Zucker zu einem „Boppele-Mues“  einkochen (wie eine Béchamel -Sauce). Handwarm auskühlen lassen. Dann zimmerwarme Butter langsam unterrühren und so lange rühren, bis der Brei weiß und flaumig wird. Das dauert recht lange. Achtung: Ist der Brei noch zu heiß, funktioniert es nicht!

Im Kühlschrank lässt man das „Nuie Schmolz“ dann rasten.

Mit Honig übergießen und servieren.

Weihnachtliche Apfelmarmelade

Bettina Siller vom Hieserhof im Stubaital: „Hier ist das Rezept für meine Apfelmarmelade, die den Gästen immer sehr gut schmeckt!“

Weihnachtliche Apfelmarmelade vom Hieserhof

Zutaten:

1 kg Äpfel (geschält und entkernt), 1 Pkg Gelierzucker 2:1, Saft einer halben Zitrone, einen guten Schuss Rum 😉 (anscheinend bin ich dafür bekannt, dass mein Schuss schon immer ganz gut ist *gg*), Zimt und Honig nach Geschmack, eventuell Vanillezucker

Zubereitung:

Äpfel (geschält und entkernt) würfelig schneiden und in einem großen Topf weich dünsten. In der Zwischenzeit alle Zutaten (außer Honig) vorbereiten und dazugeben. Gelierzucker beifügen und zum Kochen bringen, pürieren. Nach Packungsbeilage vom Gelierzucker köcheln lassen (ca. 3-7 Minuten) und ständig rühren, mit Honig abschmecken und in Gläser füllen, zuschrauben.

Abkühlen lassen und genießen!

Weihnachtsmarmelade

Im Winter werden die eingekochten Früchte des Sommers genossen. Deshalb haben wir hier noch ein Marmeladen-Rezept für euch. Christine Schönherr vom Außerwieserhof im Stubaital hat es uns mitgebracht: „Nach der Ernte unseres Winterapfelbaums im Oktober bereite ich die Weihnachtsmarmelade zu. Das ist ein schönes Mitbringsel oder Give away zur Weihnachtszeit. Auch in der Familie ist das unsere Lieblings-Weihnachtsmarmelade.“

Weihnachtsmarmelade vom Außerwieserhof

Zutaten:

1,2 kg g Äpfel, 600 ml Rotwein trocken, 200 ml Orangensaft frisch gepresst, 4 Gewürznelken, 1 TL Zimt, 1 kg Gelierzucker 2:1, 4 EL gehobelte Mandeln

Wer will, gibt noch 4 EL Rosinen dazu (Ich lasse sie weg, da 2/3 unserer Familie keine Rosinen mag!)

Zubereitung:

Ich lasse das Ganze über Nacht ziehen, die Gewürze gebe ich in ein Gewürzsäckchen, um sie hinterher wieder gut entfernen zu können. Die Mandeln sollten natürlich ganz bleiben, den Rest püriere ich nach dem Kochen. Das gibt dann die überraschende Konsistenz.

Mirabellen und Aprikosen habe ich noch nicht verwendet, aber ich hab die Marmelade auch schon mit Quitte gemacht. Das schmeckt dann am besten mit Apfel gemischt (50/50).

Alpbachtaler Weihnachtsmenü

„Unser Weihnachtsmenü ist ganz klassisch. Es gibt Weizenkiachl zum Mittagessen mit Fisolensuppe und am Abend essen wir Nudelsuppe mit Würstel“, erzählt Johanna Haaser vom Pumphaus im Tiroler Alpbachtal.

Fisolensuppe

Zutaten:

2 Tassen Wachtelbohne, braun,  1,5 l Wasser, etwas Salz, Gemüsesuppenwürfel, 100 g Teebutter, 0,5 Tasse glattes Weizenmehl, 1 Schuss Essig, Speckschwarte

Zubereitung:

Die Wachtelbohnen über Nacht ein­weichen, am nächsten Tag zweieinhalb Stunden mit Suppenwürze, Salz und Speckschwarte in Wasser kochen.

Butter in einer Pfanne schmelzen, das Mehl zugeben und unter ständigem Rühren bräunen. Diese Einbrenn in die kochende Suppe geben und noch etwa 5 Minuten köcheln lassen, damit der Mehlgeschmack verschwindet. Zuletzt noch einen Schuss Essig in die Suppe geben.

Ziachkiachl

Zutaten:

40 dag Mehl, 2 dag Germ, 3 dag Zucker, 2/10l Milch, Salz, 2 Dotter, 2 EL Rum, 3 dag Butter, Butterschmalz oder Öl zum Backen

Zubereitung:

Germteig bereiten und gehen lassen. Sobald der Teig die doppelte Höhe erreicht hat, sticht man gut löffelgroße Kugeln ab, rundet sie mit der bemehlten Hand am Brett und lässt sie zugedeckt nochmals aufgehen. In der Zwischenzeit kann man schon einmal das Backschmalz warm werden lassen.

Die Kugeln so ausziehen, dass in der Mitte nur ein dünnes Häutchen ist und am Rand ein dicker Wulst. Die obere Seite kommt zuerst ins heiße Schmalz. Damit die Kiachln schön aufgehen, schöpft man etwas heißes Fett darüber, dann umdrehen und hellbraun fertigbacken. Das Grübchen bleibt hell.

Der Volksmund behauptet, dass die Kiachl früher übers Knie ausgezogen wurden, deshalb gibt es in manchen Gegenden die Bezeichnung „Kniakiachl“. Nach Tiroler Brauch werden die Kiachl entweder süß, in der Mitte mit Mohn- oder Preiselbeerfülle versehen, mit einem beliebigen Kompott gegessen oder würzig mit eingebranntem Kraut oder Sauerkraut.

Guten Appetit!

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Elisabeth Freundlinger
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